EADS: Airbus ist endlich wieder auf Kurs

KommentarEADS: Airbus ist endlich wieder auf Kurs

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Der Airbus A 380 ist das Flagschiff des Konzerns

von Rüdiger Kiani-Kreß

Nach fünf Jahren Krise hat sich die EADS wieder fast gefangen – wenn nur die verflixten Einwürfe aus der Politik und der Nationalstolz nicht wären.

Im vergangenen Jahr ist Louis Gallois zweien seiner wichtigsten Ziele deutlich näher gekommen: erstens, dass der von ihm geführte Luft- und Raumfahrtkonzern EADS wieder ordentlich Geld verdient – und dass sein Unternehmen wieder langweilig wird. Das erste hat er fast geschafft, dank erfolgreicher Sparprogramme und nicht zuletzt einer Flut von Aufträgen wie der Order des indischen Billigfliegers IndiGo, der gestern nicht weniger als 180 Exemplare des Mittelstrecken-Flugzeugs A320 bestellte.

Auch mit der Langeweise hätte es fast geklappt. Nachdem der Konzern von 2005 bis 2009 wegen ständiger Programmverzögerungen sowie Querelen zwischen den Politikern und Managern auf der deutschen und der französischen Seite für Schlagzeilen sorgten, war 2010 relativ ruhig – wäre da nicht in letzter Minute der brandgefährliche Unfall eines Superjumbo A380 der australischen Linie Qantas durch ein explodiertes Triebwerk gewesen. Und Anfang dieser Woche sorgte die Meldung, dass der französische Großaktionär Verwaltungsratschef werden will, für Aufregung.

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Airbus ist im Aufwind

Doch letztlich lösten sich beide Dinge rasch in mehr oder weniger heißer Luft auf. Lagardères Anspruch blieb ein Sturm im Wasserglas, weil die Sache eigentlich seit vier Jahren feststeht. Beim A380-Triebwerksunfall sorgten am Ende einige Großaufträge für das Flugzeug und die Triebwerke für einen Vertrauensbeweis.

So bleibt der Blick auf die Verbesserungen bei der EADS. Denn was Gallois heute Mittag in seiner Weltraumfabrik im Pariser Vorort Les Mureaux verkündete, ist bemerkenswert. Auch, wenn die Flugbranche gerade zwei Krisenjahre hinter sich hat, hat die EADS zehn Milliarden Euro auf der hohen Kante und der Cash-flow genannte Zufluss an freien Mitteln hat zugelegt. Dass es auch 2011 noch nicht zu einem ordentlichen Gewinn reicht, ist vor allem den nach wie vor teuren Nachbesserungen am Militärtransporter A400M, dem noch schwachen Geschäft mit Hubschraubern und Waffen, sowie dem Entwicklungsaufwand für neue Flugzeugtypen wie den Langstreckenflieger A350 und der Neuauflage des A320 geschuldet.

Aber das geht spätestens 2012 vorbei. Airbus hat nicht nur im vergangenen Jahr mehr als 500 Flugzeuge produziert und noch ein paar mehr verkauft und das zu deutlich höheren Preisen als in den Jahren zuvor. Dazu greift das Rudel an Sparprogrammen. Und weil das Unternehmen während der günstigen Dollarkurse des vergangenen Jahres im großen Stil auf Vorrat die US-Währung gekauft hat, sinken die in den vergangenen Jahren recht hohen Kosten für Devisensicherungsgeschäfte. Doch auf ganz sicherem Boden steht die EADS noch nicht. Zum einen bleibt die Herausforderung, den A350 pünktlich abzuliefern. Dazu muss das Unternehmen seine Präsenz außerhalb seiner europäischen Heimatländer hochfahren und am Ende auch mehr Fertigungsanlagen in den USA sowie vor allem in Schwellenländern wie China oder Indien bauen. Das könnte freilich wieder für politische Verwicklungen sorgen.

Denn auch wenn Gallois betont, die Globalisierung der EADS gehe nicht zu Lasten europäische Jobs, ist das am Ende nur die halbe Wahrheit. Denn am Ende wird EADS in Europa weniger neue Stellen schaffen als anderswo. Und das sorgt immer für politische Diskussion und verschärft den Kampf um die bestehenden Stellen. Zumal trotz aller Fortschritte auf dem Weg, die ehemals vier Unternehmen aus vier Ländern zur einheitlichen europäischen EADS zu formen, die nationalen Gegensätze keineswegs überwunden sind und viele ein Interesse haben, sie bei jeder Gelegenheit heraufzubeschwören – wie die Nicht-Nachricht vom Anspruch Lagardéres auf den Posten des Verwaltungsratschefs zeigt.

Mit anderen Worten: Die Zeit der schädlichen Einwürfe von außen ist noch nicht zu Ende und wird es wahrscheinlich nie sein. Aber am Ende ist für ein Unternehmen wie EADS bereits der Weg nur Normalität ein gutes Zeichen, auch wenn es dabei manchmal Kurven gibt.

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