EADS-Chef Louis Gallois : "Wir müssen zukaufen"

EADS-Chef Louis Gallois : "Wir müssen zukaufen"

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Louis Gallois ist seit August 2007 alleiniger EADS-Chef

von Gerhard Bläske und Rüdiger Kiani-Kreß

EADS-Chef Louis Gallois über eine Verdopplung des Umsatzes, die Probleme beim Militärtransporter A400M, den Streit mit dem US-Konkurrenten Boeing und den Schwenk zu mehr Rüstung.

Herr Gallois, bald ist Weihnachten.  Was wünschen Sie sich für EADS?

Einen stärkeren US-Dollar. Wie Sie wissen, fallen unsere Kosten größtenteils in Euro an und die von Boeing in Dollar. Da ist der aktuelle Kurs von ungefähr 1,50 Euro für uns eine große Belastung. Eine kräftigere US-Währung würde nicht nur uns, sondern allen Exportunternehmen in Europa helfen.

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Wir hatten erwartet, Ihr sehnlichster Wunsch sei ein glückliches Ende beim militärischen Transportflugzeug A400M. Der ist mehr als drei Jahre verspätet und beschert EADS Mehrkosten in Milliardenhöhe.

Da sind wir zuversichtlich. Wir sind mit dem erfolgreichen Erstflug am 11. Dezember technisch wieder auf einem guten Weg und haben gezeigt, dass wir viele Probleme gelöst haben. Die erste Maschine liefern wir drei Jahre nach dem Erstflug aus. Dazu stehen wir.

Woran hängt es denn? In den vergangenen Wochen hatten wir den Eindruck, nur die Deutschen machen Probleme.

Das stimmt so nicht. Die Verhandlungen laufen derzeit, und die Kundennationen, wie Deutschland oder Frankreich, bringen sich aktiv ein.

Was fordern Sie von den Regierungen? Dass sie weitere gut fünf Milliarden Euro bezahlen?

Egal, welche Zahl Sie nehmen – sie -müsste immer im Kontext der gesamten Vertragsbedingungen bewertet werden. Wie bereits gesagt, laufen die Verhandlungen über diese Bedingungen ja derzeit noch. Ich kann Ihnen daher keine Zahlen nennen.

Sie haben nicht nur beim A400M, sondern auch bei der Ausschreibung für das größte Rüstungsprojekt der USA, dem Ersatz der militärischen Tankflugzeugflotte, mit dem Ausstieg gedroht. Ist das die neue Strategie von EADS?

Nein – und wir haben ja auch nicht mit Ausstieg gedroht. Aber unser Partner Northrop Grumman und wir sind uns einig, dass wir uns an der Ausschreibung in ihrer gegenwärtigen Form nicht beteiligen können. Denn derzeit sieht es so aus, als ob es nicht mehr um das beste Preis-Leistungs-Verhältnis gehen würde, sondern nur noch darum, wer das billigste Flugzeug mit einem minimalen Leistungsvermögen baut. Da fallen die Dinge, bei denen unser Flugzeug klare Vorteile hat und die bei der letzten Ausschreibung -entscheidend waren, nicht mehr ins Gewicht – vor allem die Fähigkeit, mehr Treibstoff, mehr Ladung oder mehr Passagiere transportieren zu können.

Ziehen Sie einen Rückzug aus der Tankflugzeugausschreibung in den USA nicht auch deshalb in Erwägung, weil die Welthandelsorganisation EADS in einem Zwischenbericht illegale Staatshilfen bescheinigt hat? Das hat im amerikanischen Parlament zu heftigen Reaktionen geführt, weil EADS angeblich mithilfe von europäischen Steuergeldern amerikanischen Unternehmen Aufträge wegnimmt.

Zunächst: Wir haben nie gesagt, dass wir uns aus dem Wettbewerb zurückziehen, sondern lediglich unsere Bedenken an dem gegenwärtigen Ausschreibungsentwurf geäußert. Eine Entscheidung über eine Teilnahme werden wir treffen, sobald uns die finale Ausschreibung vorliegt. Zum Zwischenbericht der Welthandelsorganisation: Das Pentagon hat klargestellt, dass der Zwischenbericht bei der Tanker-Ausschreibung keine Rolle spielen wird. Zudem war der Bericht kein, wie Sie suggerieren, großer Sieg für unseren Wettbewerber Boeing. Im Gegenteil: Die Welthandelsorganisation erachtet das Prinzip der rückzahlbaren Darlehen, das uns beim Bau von Flugzeugen unterstützt, nicht als illegal.

Zudem hat die Welthandelsorganisation für Anfang 2010 einen weiteren Zwischenbericht angekündigt, der sich mit der europäischen Klage gegen die Subventionen der US-Regierung für Boeing beschäftigt. Wir werden sehen, ob dieser Bericht über die US-Subventionen von gleicher Qualität sein wird wie der über die europäischen. Aber auch dieser Bericht hat nichts mit dem Tankerauftrag zu tun.

"Aus meiner Sicht ist die Krise der Flugbranche noch nicht vorbei"

2009 war für die Luftfahrt ein Horrorjahr. Sie haben bei Airbus im Oktober die monatlichen Fertigungskapazitäten gekürzt, auf 34 Mittelstreckenflieger der A320-Familie und acht Langstreckenflieger. Selbst dies lässt noch die Produktion von 500 Flugzeugen im Jahr zu, was einem neuen Auslieferungsrekord entspräche. Sitzen Sie nicht auf zu hohen Kapazitäten?

Diese Zahlen sind die derzeitigen Produktionsraten von Airbus pro Monat. Noch gibt es keinen Grund, die Kapazität zu kürzen. Aber wir bleiben sehr flexibel. Denn aus meiner Sicht ist die Krise der Flugbranche noch nicht vorbei.

Viele Fluglinien tun sich noch deutlich schwerer als früher, neue Flugzeuge zu kaufen, und manche wollen die Auslieferungen verschieben. Nichtsdestotrotz bleibt die Rate der Stornierungen aber bisher auf einem niedrigen Niveau.

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