EADS: "Die Rüstungsetats sinken seit fast 20 Jahren"

InterviewEADS: "Die Rüstungsetats sinken seit fast 20 Jahren"

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Stefan Zoller, Chef der EADS-Rüstungssparte Cassidian

von Rüdiger Kiani-Kreß

Stefan Zoller, Chef der EADS-Rüstungssparte Cassidian, über die staatliche Unterstützung in Deutschland und die Ursache für die Verspätung des Rüstungsprogramms.

Herr Zoller, die ganze deutsche Rüstungsbranche klagt laut über die Einschnitte in den europäischen Rüstungsetats. Nur die EADS ist relativ still. Treffen Sie die Einsparungen gar nicht?

Natürlich treffen sie uns. Schließlich zählen die Regierungen unserer Heimatmärkte Deutschland, Frankreich, Spanien und Grossbritannien zu unseren wichtigsten Kunden. Aber angesichts der angespannten öffentlichen Haushalte sind Maßnahmen unumgänglich.

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Das klingt, als hätten Sie die Kürzungen nicht überrascht.

Dass es Veränderungen geben wird, ist weder überraschend noch neu. Schließlich sinken in Europa die Rüstungsetats seit fast 20 Jahren. Die gegenwärtige Situation ist allerdings nicht leicht einzuschätzen. Trotz aller Ankündigungen ist nicht klar, was die Staaten genau vorhaben. Es geht jetzt vor allem darum den Transformationsprozess so zu gestalten, dass unsere Soldaten die erforderliche Ausrüstung bekommen und die Zukunft der Industrie gesichert wird.

Liegt das nicht auch daran, dass die EADS die Planung der Verteidigungshaushalte erschwert?

Wodurch denn?

Entwicklungen Ihres Hauses wie der Militärtransporter A400M, der Eurofighter und Kampfhubschrauber wie der NH-90 werden viel später fertig und deutlich teurer als geplant – und erhöhen auf diese den Spardruck sogar.

Unter der Verantwortung von Cassidian steht der Eurofighter, ein sehr komplexes System, bei welchem wir gemeinsam mit unserem Kunden eine maßgeschneiderte Lösung entwickelt haben. Problematisch bei solchen Vorhaben ist, dass man bei Vertragsabschluss zum Teil über den Einsatz von Technologien spricht, die oft erst mehr als ein Jahrzehnt später Serienreife erlangen. Sie werden sehen, am Ende ist Ihr Urteil zu pauschal.

Womit war Cassidian denn pünktlich?

Überall, nehmen Sie zum Beispiel die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Dort haben wir durch den Aufbau eines Sicherheitssystems zum reibungslosen Ablauf der Veranstaltung beitragen können.

Das klingt so, als zählten Flugzeuge nicht zu Ihrem Kerngeschäft, sondern gehörten in die Abteilung unbekannte Exoten?

Natürlich zählt der Flugzeugbau zu unserem Kerngeschäft. Vor allem die Entwicklung Unbemannter Flugzeuge ist für uns ein vielversprechender Zukunftsmarkt. Auch entwickelt sich unser Geschäft immer mehr in Richtung allgemeine Sicherheit. Die Sicherung von Grenzen, Flughäfen, Logistikketten und kritischer Infrastruktur gewinnt an Bedeutung. Wir sind Weltmarktführer im digitalen Sicherheitsfunk. Unsere Kunden benötigen heute oft andere Produkte als noch vor 10 Jahren.

Wieso sollte eine Armee auf einmal einen ganz anderen Panzer oder Kampfflieger haben wollen?

Die Entwicklung des Eurofighter etwa begann in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Er war ein Produkt des Kalten Krieges, konzipiert als Abfangjäger. Heute ist er nur noch äußerlich das gleiche Flugzeug. Dank kontinuierlicher Weiterentwicklung bei den Sensoren oder der Bewaffnung übernimmt er heute Rollen für die man früher mehrere verschiedene Flugzeuge benötigt hätte.

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