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Edelmarken: Escadas Abgang gefährdet die deutsche Luxusbranche

von Lothar Schnitzler und Peter Steinkirchner

Die Pleite von Escada legt die Webfehler der deutschen Luxusindustrie bloß: schwaches Marketing, falsche Produktpolitik, zu viele Kleinfirmen.

Escada. Die größte Damenmodemarke der Welt musste Insolvenz anmelden Quelle: dpa
Escada. Die größte Damenmodemarke der Welt musste Insolvenz anmelden Quelle: dpa

Und, fragt Bruno Sälzer, Chef von Escada, herausfordernd: „Haben Sie auch nur einen einzigen Goldknopf gesehen?“ Nein, von dem einst typischen Accessoire vieler Jäckchen des Münchner Modekonzerns ist tatsächlich nichts mehr zu sehen. Was zuletzt in den lichten Ausstellungsräumen in Aschheim bei München hing, hatte kaum mehr etwas von dem wilden Farben- und Musterrausch der Vergangenheit. Sälzer hat Dutzende neuer Mitarbeiter angeheuert und das Top-Management ausgewechselt. Escada sollte weg vom schreienden, demonstrativen hin zum dezenten Luxus, der teure Fummel künftig schlicht, fein und von besserer Qualität sein.

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Zu spät, vergebens, vorbei – der einst größte Damenmodehersteller der Welt ist pleite. Das Sagen hat seit vergangenem Donnerstag zunächst der Münchner Insolvenzverwalter Christian Gerloff. Ladenbesitzer, Mitarbeiter und Anleger müssen nun abwarten, ob die Ideen des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Modekonzerns Boss bei Escada jemals Wirklichkeit werden.

Konjunktur-Flaute für deutsche Luxushersteller

Die Escada-Pleite ist nur der traurige Tiefpunkt einer Entwicklung, die der Großteil der deutschen Luxusproduzenten seit einiger Zeit durchlebt. Denn die meisten heimischen Hersteller leiden unter der flauen Luxuskonjunktur mehr als die große internationale Konkurrenz. Anders als Prada, Gucci, LVMH und Richemont, die in den vergangenen fünf fetten Jahren fast um ein Drittel zulegten, wirken viele deutsche Anbieter angeschlagen und ausgezehrt.

Welche der über 100 Unternehmen, die sich in Deutschland dem Schönen und Teuren zurechnen, am meisten leiden, darauf deutet das neueste Luxusranking der 30 Top-Marken hin. Die Rangliste stammt von der Münchner Markenagentur Brand Rating, die die wichtigsten Luxusmarken Deutschlands alle zwei Jahre exklusiv für die WirtschaftsWoche bewertet.

Minigewinne für Luxusmarken

Elf Namen büßten an gemessener Markenstärke ein, etliche verschwanden vollständig aus der Hitliste. Der Porzellanhersteller Rosenthal aus Selb etwa, der in den vergangenen Jahren stets auf der Top-30-Liste stand. Kein Wunder, die Franken wurden Anfang des Jahres zahlungsunfähig und erst vor wenigen Wochen von dem italienischen Besteckhersteller Sambonet aus der Insolvenz aufgekauft.

Selbst jene Marken, die sich oben hielten, verdienen häufig wenig Geld. Deutschlands Ikone des weißen Goldes, die Staatliche Porzellan Manufaktur Meissen, liefert seit Jahren nur Minigewinne an ihren Eigentümer, den Freistaat Sachsen, ab. Den deutschen Modemachern ging es eher noch schlechter. Jil Sander wechselte mehrfach den Besitzer, ebenso die Männer-Marke Baldessarini. Edelschneider Strenesse musste sich von dem Pharmamilliardär Thomas Strüngmann vorübergehend finanziell aushelfen lassen.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.10.2009, 17:26 UhrAnonymer Benutzer: sarah

    billige Fummel, miserabel verarbeitet von vorgestern zu horrenden Preisen. Wer soll das kaufen ?

  • 22.10.2009, 15:56 UhrAnonymer Benutzer: Maria

    Die deutsche Modebranche ist deshalb am boden, weil in den Firmen ein miserables Arbeitsklima herrscht Junge Designer werden nicht eingestellt, dürfen sich nicht entfalten,es herrscht ein gnadenloser Konkurrenzkampf. Neid und Mobbing sind an der Tagesordnung. Wer dem nicht standhält, bleibt auf der Strecke.Hinzu kommt durch diese verfehlte Personalpolitik, daß die "etablierten" Designer kein "Frischfleisch" neben sich dulden und so jahrelang in ihrem eigenen Saft schmoren. Es kommt nichts wirklich Neues auf den Markt.

    Vom fehlenden Zuammengehörigkeitsgefühl ganz zu schweigen. Keine Firma kann so erfolgreich arbeiten.

  • 18.08.2009, 21:45 UhrAnonymer Benutzer: nn

    Glücklicherweise wird die Luxus-branche nicht auch noch als systemrelevant angesehen.

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