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Eelco Blok im Interview: „Komplett abschalten“

von juergen.berke@wiwo.de

Eelco Blok, Vorstand bei Hollands Marktführer KPN, im Interview über radikalen Netzumbau und neue Konkurrenten im Internet.

WirtschaftsWoche: Herr Blok, haben Sie heute schon geweint?Eelco Blok: Warum sollte ich? Der Tag rückt näher, an dem KPN das alte Telefonnetz, ihre Geschäftsgrundlage in den vergangenen 100 Jahren, abschaltet. (lacht) Viel mehr trauere ich um die Kunden, die wir an die Konkurrenz verlieren. Um den Kundenschwund zu stoppen, müssen wir nicht nur unser Netz komplett umbauen, sondern auch das Unternehmen mit all seinen Mitarbeitern. Ist denn das alte Telefonnetz nicht mehr gut genug, um neue Produkte für die Kunden zu entwickeln. Künftig können wir im Wettbewerb nur bestehen, wenn wir mit größtmöglicher Bandbreite von der Internettelefonie bis zum Fernsehen das gesamte Produktspektrum unseren Privat- und Geschäftskunden anbieten. Das funktioniert nur in einem hochmodernen Festnetz, das nur noch Übertragungstechniken mit dem Internetprotokoll nutzt und deshalb All-IP-Netz heißt. Im Jahr 2010 wollen wir das traditionelle Telefonnetz komplett abschalten. Um Übertragungsraten von 30 bis 50 Megabit pro Sekunde zu garantieren, müssen wir überall in den Niederlanden Glasfaser bis zur Bordsteinkante verlegen. Für die kommenden drei bis fünf Jahre reicht das aus, um wettbewerbsfähig zu sein. Lohnt sich denn solch ein Megaprojekt? Wir haben zusätzliche Mittel in Höhe von 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro bis 2010 bereitgestellt. Vielleicht stocken wir die Investitionen noch auf. Ein Großteil der Mittel stammt aus dem Verkauf von Gebäuden, die bisher die Vermittlungsstellen beherbergten und nun nicht mehr benötigt werden. Gleichzeitig lassen sich die Kosten signifikant senken. Das neue Netz braucht weniger Techniker. Bis 2010 wollen wir 8000 Arbeitsplätze abbauen. Das sind 50 Prozent unserer Festnetzmitarbeiter. Die Deutsche Telekom macht die Milliardeninvestition von Regulierungsferien abhängig und will erzwingen, dass die Konkurrenz keinen Zugang zum neuen Hochgeschwindigkeitsnetz bekommt. Wir verfolgen eine ganz andere Strategie. Es ist doch im Interesse aller, das neue Netz sofort für die Konkurrenz zu öffnen. Auf faire Rahmenbedingungen haben wir uns längst mit der holländischen Regulierungsbehörde verständigt. Alternative Festnetzgesellschaften dürfen das neue Netz sofort mitbenutzen. Damit liegen wir auf einer Linie mit der EU-Kommission. Die wahren Profiteure sind doch Internetgesellschaften wie Google und Yahoo, die Ihre Infrastruktur nahezu unentgeltlich künftig für die Verbreitung von Videos und Fernsehen nutzen. Wir sind davon überzeugt, dass Google, Yahoo und Apple im Privatkundengeschäft, aber auch IT-Dienstleister wie IBM, EDS und Microsoft im Geschäftskundenmarkt ein sehr wichtiger Teil der Wettbewerbslandschaft werden. Wir kämpfen nicht mehr nur gegen andere Telekomgesellschaften und Kabelnetzbetreiber. Trotzdem werden wir unsere Position im Kommunikationsmarkt verteidigen. Wie wollen Sie das schaffen? Der Wettbewerb wird im neuen Netz doch noch härter. Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass Google, Yahoo & Co. ihre Dienste sogar in derselben Qualität anbieten können wie Infrastrukturbetreiber. Welche Existenzberechtigung haben Sie dann noch? Es kann gut sein, dass es keine erkennbaren Qualitätsunterschiede mehr gibt und die Kunden dann diese Web-Dienste genauso nutzen wie unsere Angebote. Doch für uns gibt es keine Alternative. Schon jetzt geht der Umsatz im Festnetz jedes Jahr zurück. Wir hoffen, dass sich dieser Trend mit unseren Fernsehangeboten stoppen lässt. Das kann nur klappen, wenn wir die gesamte Infrastruktur erneuern und die Kosten senken.

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