
Es ist wieder mal einer dieser guten Tage, wie sie in den vergangenen Monaten bei Heiko Harbers häufiger vorkamen. Ein Kunde hat den 49-jährigen Unternehmer schon morgens angerufen und einen Auftrag freigegeben. Danach hat Harbers einen Bewerber durch die Labors und Büros seines Betriebes am Rande von Aachen geführt - der junge Ingenieur tritt in diesen Tagen seinen Job als Hardwareentwickler an.
Gründer Harbers will in diesem Jahr seine Devolo AG um zehn Leute auf 110 Mitarbeiter aufstocken. Denn Devolo stellt sogenannte dLans her, also jene Geräte, die eine Übertragung von Internet, TV oder Musik durch die Hausstromleitung ermöglichen. Und die Nachfrage danach wächst mit atemberaubender Geschwindigkeit. Krise? Welche Krise? 2007, kurz vor Beginn der Finanzkrise, arbeiteten bei Devolo nur rund 50 Mitarbeiter. Der Umsatz betrug etwa die Hälfte des diesjährigen Geschäfts. "Zwischendurch hatte ich Angst, die Krise könnte uns noch erwischen", sagt Harbers. Die Angst ist vergangen, in diesem Jahr wird Devolo beim Umsatz kräftig zulegen - von derzeit 75 Millionen Euro auf mindestens 92 Millionen, wahrscheinlich noch deutlich mehr.
Gut gefüllte Kassen
Nicht alle Mittelständler in Deutschland haben die Krise so lässig abgeschüttelt wie Devolo. Aber auch Unternehmen, die Einbrüche von 30 oder gar 50 Prozent bei den Aufträgen hinnehmen mussten, kamen erstaunlich gut durch. "Der deutsche Mittelstand hat in den guten Jahren davor - anders als in früheren Boomzeiten - Übertreibungen vermieden", sagt Martin Fischedick, Bereichsvorstand Corporate Banking bei der Commerzbank. Statt in Erwartung weiteren Wachstums übermäßig in Personal und Maschinen zu investieren, hätten die Unternehmen sich konservativ verhalten und ihre Eigenkapitalquote gestärkt.
Tatsächlich sind Deutschlands Mittelständler selten so widerstandsfähig in eine Krise gegangen wie in diese. So hatte Deutschlands mittelständische Paradebranche, der Maschinenbau, vorher fünf fette Jahre. Die durchschnittliche Umsatzrendite nach Steuern hatte sich in dieser Zeit fast verdoppelt - von 3,0 Prozent 2003 auf 5,9 Prozent im Jahr 2007.
Heute stehen viele Mittelständler sogar besser da als vor der Krise. So konnten die Betriebe in der Umsatzklasse zwischen 10 und 100 Millionen Euro ihre Eigenkapitalquote in den vergangenen drei Jahren von 36,5 Prozent auf fast 39 Prozent anheben. Während die Konkurrenz im Ausland ausblutete, überwinterten die Deutschen in aller Ruhe - dank ihrer grundsoliden Bilanzen und wegen der Möglichkeiten, die der inzwischen flexibilisierte deutsche Arbeitsmarkt bietet. Etliche Unternehmer konnten ihre Position sogar verbessern - sie nutzten die Krise und die Schwäche ihrer Mitbewerber, um aggressiv zu expandieren.
Florian Seubert ist einer von ihnen. "In Krisenzeiten versuchen die Verbraucher zu sparen und sind auch bereit, Neues auszuprobieren", sagt der Finanzchef und Mitgründer des Tierbedarf-InternetHändlers Zooplus. Das Münchner Unternehmen ergriff diese Chance und lockte Herrchen und Frauchen von Bello, Mieze oder Goldfisch mit einem Feuerwerk von Aktionen an die virtuelle Ladentheke.
Die Werbetrommel wurde stärker als je zuvor gerührt, ein Sonderangebot jagte das nächste. Das Ergebnis: Hatte das börsennotierte Unternehmen zwischen 2007 und 2008 im Mittel rund 370 000 aktive Kunden jährlich neu geworben, konnte Zooplus die Zahl seiner Neukunden im vergangenen Jahr fast verdoppeln.
Seubert und seine Mitstreiter scheuten sich auch nicht, mitten in der Krise ein neues Logistikzentrum im niederländischen Tilburg aus dem Boden zu stampfen. Die Mega-Investition dafür und die Kosten für die vielen Marketingaktionen bescherten Zooplus im vergangenen Jahr zwar einen deutlichen Rückgang beim Gewinn vor













