Eigentümer zerstritten: Streit um die WestLB geht in die nächste Runde

Eigentümer zerstritten: Streit um die WestLB geht in die nächste Runde

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Passanten laufen mit Regenschirm an Zentrale der WestLB in Duesseldorf vorbei.

Seit Monaten ringen die Anteilseigner der WestLB um eine Lösung für die angeschlagene Bank. Ihre Verhandlungen um milliardenschwere Garantien haben sie abgebrochen. Die Eigentümer beschuldigen sich gegenseitig, warum die Gespräche scheiterten.

Eine Einigung der Eigentümer über den Umbau der WestLB ist nach Angaben aus Aktionärskreisen kurz vor einer greifbaren Lösung vorerst an Nachforderungen des Landes NRW gescheitert. Von den Sparkassen sei verlangt worden, der WestLB eine Vertikalisierung, das heißt einen Einstieg ins Privatkundengeschäft, zu ermöglichen. Die Eigentümer der Bank - das Land NRW, die Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen-Lippe sowie die Landschaftsverbände - hatten am späten Mittwochabend ihre Gespräche über den Umbau der Landesbank abgebrochen.

Das NRW-Finanzministerium betonte erneut, dass das Land bereit sei, für die Bank einen zusätzlichen Risikoschirm in Höhe von 3 Milliarden Euro zu leisten. Dazu gehöre aber auch ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell. Die Sparkassen, die knapp die Mehrheit an der WestLB halten, seien nicht bereit, ein solches Modell gemeinsam mit den Land zu tragen. Das Land habe zudem zu keinem Zeitpunkt den Erwerb einer Mehrheit an der WestLB gefordert.

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Die nordrhein-westfälischen Sparkassen wiederum geben dem Land die Schuld. Die Landesregierung habe mit der Forderung, als Gegenleistung der WestLB die Übernahme von Sparkassen gesetzlich zu ermöglichen, die Gespräche „extrem belastet“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Sparkassenverbände. Die Sparkassen wollten nur „ohne sachfremde Bedingungen“ die Gespräche über die Zukunft der Bank zu einem Ende führen. Beide Verbänden stünden aber weiter hinter einer Restrukturierung und Konsolidierung der WestLB, hieß es. Auch wollten sie die Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Bank fortsetzen und sich an den bereits vereinbarten Hilfsmaßnahmen gemäß ihren Anteilen beteiligen.

Inzwischen ist der Aufsichtsrat des Bankkonzerns zusammengetreten, um über eine Neuordnung der Bank zu beraten. Dabei sollte es unter anderem um ein Eckpunktepapier des Vorstands zum Umbau der Bank, einschließlich eines drastischen Stellenabbaus gehen. Es wird spekuliert, dass die WestLB 30 Prozent ihrer Mitarbeiter entlassen muss.

Zwei Milliarden Euro wollen die Eigner bereits locker machen. So viel ist nötig, um die WestLB aus den gröbsten Schwierigkeiten herauszuholen. Eine Milliarde Euro davon soll kurzfristig in eine Barkapitalerhöhung der Landesbank fließen, eine weitere Milliarde soll drohende Verluste aus riskanten Investments ausgleichen. Die Zusage reicht aber nicht mehr aus, denn in den Büchern der Bank schlummern weitere Risiken. Diese sollen nun mit Garantien über einen sogenannten Risikoschirm abgefangen werden. Die Bundesregierung hatte bereits deutlich gemacht, sich keinesfalls an dem Rettungspaket zu beteiligen.

Die WestLB war wegen Fehlspekulationen und ihres Engagements auf dem US-Immobilienmarkt in eine Schieflage geraten. Die Bank hatte dadurch einen Verlust von rund einer Milliarde Euro eingefahren. Zusätzlich sind Abschreibungen von einer Milliarde Euro angekündigt. Ziwschenzeitlich war geplant, problematische Papiere in einer neuen Zweckgesellschaft zu bündeln und auszulagern. Mit diesem Schritt wollten die Anteilseigener die WestLB attraktiver machen für eine mögliche Fusion mit der Landesbank Hessen-Thürigen (Helaba). Experten zweifeln jedoch an den Plänen. Die Helaba habe weder die Kraft noch die Größe, die WestLB zu sanieren.

Das Düsseldorfer Institut gilt als Skandalbank. Zurzeit wird vor Gericht der Untreue-Prozess gegen den ehemaligen WestLB-Chef Jürgen Sengera ausgefochten. Ihm wird vorgeworfen, dem britschen TV-Geräte-Verleiher Boxclever einen Kredit gegeben zu haben, ohne das Risiko hinreichend geprüft zu haben.

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