Einlagensicherung: Ein Konto der besonderen Art

KommentarEinlagensicherung: Ein Konto der besonderen Art

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Konto: Die Banken wollen die Sicherheiten für Privatkundeneinlagen senken. (Foto: Jens Schierenbeck/dpa/gms)

von Mark Fehr

Private Banken schrumpfen den Schutz der Guthaben auf ein Drittel. Für Privat- und Geschäftskunden ändert sich nicht viel – echte Sicherheit bietet ohnehin nur ein Konto bei der Zentralbank.

Manche werfen dem Bundesverband deutscher Banken mangelnde Sensibilität vor. Seine Ankündigung, den Pleiteschutz für private Einlagen bis 2025 von 1,5 Millionen Euro auf 437.500 Millionen Euro je Gläubiger zu reduzieren, platzierte der BdB mitten in eine Serie von Schreckensnachrichten aus der europäischen Geldbranche.

Die Zweifel der Finanzmärkte an der Bonität der Banken haben nun auch bedeutende französische und italienische Institute erfasst: Ratingagenturen senken die Daumen, Aktionäre stoßen Finanzwerte ab und Ökonomen warnen vor dem Sturm südeuropäischer Sparer auf ihre Konten. Da kommt es auf eine weitere Negativnachricht wohl nicht an, scheint sich das private Bankenlager in Deutschland gedacht zu haben.

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Tatsächlich hat die geplante Schrumpfung der Garantie für Bankguthaben keine Panik unter den Kunden ausgelöst. Betroffen sind Giro- und Sparkonten sowie Tages- und Festgelder von Privatpersonen und Unternehmen. Der Schutz bleibt auch nach seiner drastischen Reduzierung sowohl absolut als auch im internationalen Vergleich hoch. Durchschnittliche Sparer dürften allenfalls nach dem Verkauf ihres Häuschens oder bei Auszahlung einer Lebensversicherung Guthaben anhäufen, die über den Garantiebetrag hinausgehen.

Magische Bankverbindung

Enger wird es da schon für Firmenkonten. Unternehmen müssen ihre Guthaben auf unterschiedliche Institute streuen, um den Gesamtbetrag weiter abzusichern. Doch das Schutzversprechen ist ohnehin abstrakt. Im Rettungstopf steckt lediglich ein einstelliger Milliardenbetrag, im Notfall müssen die liquiden Mittel also erst mobilisiert werden. Bei der Lehman-Pleite 2008 half Steuergeld, die Verbindlichkeiten des Einlagensicherungsfonds der privaten Banken zu decken. Schon im Jahr davor war das Notsystem, dem Großinstitute wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank angehören, wegen der Rettung der Düsseldorfer Hypothekenbank an seine Grenzen gestoßen.

Die Erfahrung zeigt: In letzter Konsequenz müssen Privatleute und Unternehmen darauf vertrauen, dass die Sicherungssummen schon irgendwie aufgebracht werden. Das abstrakte Versprechen von Bundeskanzlerin Angela Merkel aus dem September 2008, wonach die Spareinlagen sicher seien, mag manchen Sparer vor Schlafstörungen bewahren. Doch nicht jedem reicht das.

Wer dem Wort der Kanzlerin misstraut, der muss ein Konto bei der Notenbank eröffnen. Die Währungshüter können nicht pleite gehen – notfalls zahlen sie Guthaben eben mit frisch gedrucktem Geld aus. Dieser Notausgang steht jedoch nur Inhabern einer Banklizenz zur Verfügung. Große Unternehmen, insbesondere aus der Autoindustrie, haben Finanztöchter gegründet, die über Notenbankkonten verfügen. Über diese Bankverbindung der besonderen Art können sie sich mit Bargeld beliefern lassen oder liquide Mittel sicher bunkern.

Siemens soll von diesem Modell laut Medienberichten schon Gebrauch gemacht haben. Demnach hat der Technologiekonzern über seine konzerneigene Bank eine halbe Milliarde Euro bei einem französischen Kreditinstitut abgebucht und bei der EZB deponiert. Kein Wunder, dass auch andere Unternehmen sich magische Konten wünschen. So wollte der Versicherungskonzern Talanx eine Bankverbindung bei der Bundesbank einklagen. Doch der Versuch scheiterte vor Gericht kläglich. Für Privatpersonen ist der Notausgang aus dem Geschäftsbankensektor ohnehin gesperrt. Normalsparer müssen daher dem Wort der Kanzlerin vertrauen.

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