Einzelhandel: Agentur für Arbeit genehmigt Kurzarbeit bei Praktiker

Einzelhandel: Agentur für Arbeit genehmigt Kurzarbeit bei Praktiker

Die Baumarktkette Praktiker darf als erstes Einzelhandelsunternehmen die Mitarbeiter kurzarbeiten lassen. Wie die WirtschaftsWoche erfuhr, hat die zuständige Saarbrücker Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) dem Unternehmen heute informell mitgeteilt, dass es die Voraussetzungen für konjunkturell bedingte Kurzarbeit erfüllt und dass die Praktiker-Mitarbeiter Kurzarbeitergeld bekommen werden.

Am morgigen Dienstag soll ein entsprechendes Schreiben der BA-Regionaldirektion in der Praktiker-Unternehmenszentrale im saarländischen Kirkel eintreffen.

4.000 der insgesamt 14.000 Mitarbeiter sind von der Maßnahme betroffen und arbeiten überwiegend 12 Prozent weniger. Sie erhalten entsprechend weniger Lohn, der nun von der Bundesagentur zu 60 Prozent ausgeglichen wird. Beschäftigte mit Kindern werden 67 Prozent des entgangenen Netto-Gehalts ersetzt. Kurz gearbeitet wird in bundesweit 84 von insgesamt 260 Filialen in Deutschland.

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Im Fall Praktiker hat erstmals eine Arbeitsagentur anerkannt, dass der Arbeitsausfall eines Einzelhandelsunternehmens konjunkturell bedingt ist und andauern wird. Die Praktiker-Genehmigung könnte somit als Muster für Kurzarbeitspläne anderer Handelsunternehmen dienen. Unter anderem plant die Metro-Gruppe in 10 ihrer 15 Metro-Großhandelmärkte Kurzarbeit.

Die Genehmigung für die Baumarktkette Praktiker war keineswegs sicher. Werner Schade, Leiter der BA-Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland, hatte angekündigt, er persönlich werde sich die von Praktiker eingereichten Unterlagen „genau ansehen“. Albrecht Hornbach, Großaktionär der Baumarktkette Hornbach, hatte Praktiker vorgeworfen, der Konkurrent versuche „sich auf Kosten der Mitarbeiter und mit Hilfe der Sozialkasse zu finanzieren“.

Praktiker-Personalvorstand Karl-Heinz-Stroh wehrt sich im WirtschaftsWoche-Interview gegen die Hornbach-Kritik. Stroh droht, sich gegen den Vorwurf „notfalls mit juristischen Mitteln“ zu wehren. „Wir können nur davon warnen, Vorwürfe wie ,Missbrauch der Sozialkasse’ in die Welt zu setzen. Denn das würde ja bedeuten, dass wir der Bundesagentur gegenüber Unterlagen benutzen oder Angaben machen, die den tatsächlichen Gegebenheiten nicht entsprechen.“ Im Gegenteil hätten Beschäftigte und Praktiker als Arbeitgeber auch den Anspruch, in der Krise Mittel der Arbeitsagentur in Anspruch nehmen zu können. „Kurzarbeitergeld ist ein Anspruch der Mitarbeiter, wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind! Nicht wir als Unternehmen, sondern die betroffenen Mitarbeiter erhalten die Versicherungsleistung von der Bundesagentur für Arbeit, genau wie beim Arbeitslosengeld. Nur ist im Kündigungsfall die Belastung für die Arbeitslosenversicherung und damit die Beitragszahler deutlich höher. Es ist also auch im allgemeinen Interesse, wenn wir das mildere Mittel der Kurzarbeit dem wesentlich härteren Schritt einer Kündigung vorziehen – da wo es gemäß den erforderlichen Voraussetzungen möglich ist. Im Übrigen zählen unsere Mitarbeiter und wir als Arbeitgeber auch zu den Beitragszahlern der Sozialversicherung.“

Stroh ist sich bewusst, dass Praktiker ein Präzedenzfall für den Einzelhandel sein könne. „In den Vorgesprächen mit der Bundesagentur hatten wir stets den Eindruck gewonnen, dass das Instrument Kurzarbeit auch im Einzelhandel anwendbar ist und dass man mit den entsprechenden Fakten die relevanten Kriterien dafür erfüllen kann“, so Stroh.

Praktiker will mit der Kurzarbeit die Teams in den Märkten auch bei Absatzschwankungen halten. Stroh: „Wir haben nach Möglichkeiten gesucht, die Beschäftigung möglichst vieler Mitarbeiter zu sichern. Wenn uns das gleichzeitig die Rolle eines Pioniers im Einzelhandel eingebracht hat, soll es uns recht sein.“

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