Einzelhandel: Bäcker-Revolte: Aldi-Brötchen vor Gericht

Einzelhandel: Bäcker-Revolte: Aldi-Brötchen vor Gericht

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Aldi-Filiale, Foto: Dirk Krüll für WirtschaftsWoche

von Henryk Hielscher

Um die Backautomaten des Lebensmitteldiscounters Aldi ist ein bizarrer Streit entbrannt. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks klagt gegen Aldi wegen Verbrauchertäuschung, muss seine Mitglieder im Grunde aber selbst fragen: Bräunst Du schon oder backst Du noch?

Bäcker oder Toaster?  Mit dieser Frage muss sich demnächst das Landgericht Duisburg befassen. Dort hat der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks am Montag eine Klage gegen Aldi Süd wegen irreführender Werbung eingereicht.

Stein des Anstoßes sind die neuen Backstationen, mit denen Aldi den Bäckern Konkurrenz macht. Aldi Süd wirbt dafür mit Slogans wie „Ab sofort backen wir den ganzen Tag Brot und Brötchen für Sie: Frisch aus dem Ofen - direkt in die Tüte“. Der Discounter, so der Vorwurf der Bäckerlobby, backe aber gar nicht frisch, sondern würde Brot und Brötchen lediglich aufwärmen. Außerdem halte sich Aldi bei Produktbezeichnungen wie etwa „Roggenmischbrot“ nicht an die gängigen Bezeichnungen, beklagt der Hauptgeschäftsführer des Bäckerverbandes, Amin Werner. Für die Bäcker ist das Verbrauchertäuschung.

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Eigenwilliges Berufsverständnis

Doch gar so einfach ist die Sache nicht. „Von einer Verbrauchertäuschung kann keineswegs die Rede sein“, teilte Aldi Süd mit. Der in den Aldi-Filialen verwendete „Backofen“ sei eine technische Innovation. „In einem separaten Raum werden vom Lieferanten bezogene Teiglinge gebacken, im Ofen findet aufgrund der langen Erhitzung eine sogenannte Verkleisterung des Mehls statt“, heißt es zu den Details. Von einer bloßen „Bräunung“ der Ware könne deshalb nicht gesprochen werden, erklärte das Unternehmen. Außerdem würden die Kunden darauf hingewiesen, dass der Discounter die verwendeten Teiglinge von einem Lieferanten beziehe. Auch den Vorwurf der unkorrekten Produktbezeichnung wies das Unternehmen zurück.

Ob der Discounter seine Brötchen nun backt oder nur bräunt, dürften den meisten Kunden ohnehin egal sein. Sie wissen, dass sie bei Aldi ein günstiges Fertigprodukt erhalten. Viel interessanter ist die Frage, ob die Verbraucher dies auch beim Bäcker um die Ecke erwarten. Denn der Vorwurf in der Klageschrift, an keiner Stelle werde deutlich, „dass tatsächlich ein Großbackunternehmen die wesentlichen Backschritte weit entfernt von den Filialen industriell vornimmt“, dürfte sich mühelos auch auf etliche der 14.500 Backbetriebe übertragen lassen, die der Verband vertritt.

Auch sie backen oft nicht mehr komplett selbst sondern werden mit Teigrohlingen beliefert, die in den Filialen nur noch erhitzt werden. Mit der reinen Handwerkslehre hat das letztlich wenig zu tun. Schon der Streit, ob der Begriff „Backen“ an eine bestimmte Erwärmungsdauer gekoppelt ist, beweist ein recht eigenwilliges Berufsverständnis. Genau da liegt das Problem: Die Produkte vieler so genannter Bäcker sind austauschbar. Echte Bäcker, die das Mehl noch kneten, den Teig zubereiten und nicht nur Fertigware in den Ofen schieben, dürften von den Aldi-Plänen indes wenig zu befürchten haben.

Seit 2009 hat der Discounter nach eigenen Angaben mehrere hundert Filialen mit dem sogenannten „Backofen“ ausgestattet, der die Kunden „auf Knopfdruck“ innerhalb weniger Minuten mit warmem Brot und Brötchen versorgt. Das Unternehmen will das Konzept in den nächsten Jahren flächendeckend umsetzen. Mehr als 1.780 Filialen in Süd- und Westdeutschland sollen dann ofenwarme Backwaren anbieten.

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