Einzelhandel: Bio-Kette Basic: Alles muss raus

Einzelhandel: Bio-Kette Basic: Alles muss raus

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Basic-Bio-Markt in München

Machtkämpfe und Intrigen erschüttern die Handelskette Basic. Nun proben die Aktionäre den Befreiungsschlag: Auf der morgigen Hauptversammlung in München soll der Aufsichtsrat der Bio-Truppe komplett ausgetauscht werden. Auch der Abgang des Vorstandschefs steht offenbar bevor.

Die Karriere des Josef Spanrunft erreichte am 12. November 2007 kurz nach 20 Uhr ihren Höhepunkt. Der Chef der Bio-Kette Basic stand auf der Bühne des Berliner Maritim-Hotels und bekam einen weißen Porzellanbären überreicht. Das Publikum applaudierte, Spanrunft strahlte. Der Bio-Manager hatte an jenem Novembertag den Deutschen Handelspreis erhalten - eine der wichtigsten Auszeichnungen der Branche. Acht Monate später sind die Basic-Aktionäre von der Leistung des Vorstands offenbar nicht mehr allzu angetan. Spanrunft steht nach Informationen der WirtschaftsWoche unmittelbar vor dem Abgang.

Schon morgen, wenn sich die Aktionäre der Gesellschaft in München zur Hauptversammlung treffen, dürfte die Entscheidung fallen, heißt es in der Branche. Auch sonst gilt für das Aktionärstreffen des zweitgrößten deutschen Biohändlers das inoffizielle Motto „Alles muss raus". So drängen die Anteilseigner auf einen kompletten Austausch des Aufsichtsrats. Statt der bisherigen Mitglieder Georg Schweisfurth, Margit Baumgartner und Hilmar Muhle sollen der ehemalige Daimler-Vorstand Dieter Maier und Arbeitnehmervertreter Erich Adams in das Gremium einziehen. Zudem soll Giancarlo Bianciardi, ein Vertreter des Basic-Hauptaktionärs Asi Nature Holding, einen Aufsichtsratsposten bekommen.

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Die Personalien sind der Höhepunkt eines beispiellosen Machtkampfes im Bio-Reich. Angefangen hat alles im Juli 2007. Damals wird bekannt, dass die Schwarz-Gruppe, zu der die umstrittene Discount-Kette Lidl gehört, 23 Prozent von Basic übernommen hat. Ein Sturm der Entrüstung bricht los: Kunden boykottieren Basic, Lieferanten kündigen die Zusammenarbeit auf. Auch intern sorgt der Deal für Diskussionen und spaltet die Führungsspitze in zwei Lager.

Auf der einen Seite stehen die Lidl-Befürworter - allen voran Johann Priemeier, damals Basic-Finanzvorstand und zugleich der größte Einzelaktionär des Unternehmens. Auf der anderen Seite führt Lidl-Gegner Georg Schweisfurth, der damals rund 22 Prozent an Basic hält, das Regiment. Über die Motive des schweisfurthschen Widerstands rätselt man im Unternehmen noch heute. Denn zunächst habe Schweisfurth keine Bedenken gegen Lidl geäußert, heißt es. Erst als er von Lidl keine Zusage für einen Vorstandsposten bekommen habe, sei „Schweisfurth zum Anführer der Lidl-Kritiker geworden", sagte ein Manager der Schwarz-Gruppe unlängst der „tageszeitung". Schweisfurth weist diese Darstellung zurück.

Wie auch immer. Die Anti-Lidl-Fraktion - zu der sich kurz entschlossen auch Vorstandschef Spanrunft gesellt - hat Erfolg. Am 9. November kapituliert die Schwarz-Gruppe und erklärt ihren Abschied aus dem Basic-Aktionärskreis. Kurz zuvor war Lidl-Befürworter Priemeier entmachtet worden - mit höchst seltsamen Methoden.

Am 5. November hatte der Basic-Aufsichtsrat in einen 14-Punkte-Katalog angebliche Verfehlungen Priemeiers aufgelistet. Der Finanzvorstand, so heißt es darin, sei nicht nur für den Ansehensverlust von Basic verantwortlich. Es bestehe auch der „Verdacht auf Untreuehandlungen zulasten der Basic AG" - ein Todesurteil für den Manager. Priemeier wurde daraufhin als Vorstand abberufen, musste sein Büro sofort räumen und bekam Hausverbot bei Basic. Zu diesem Zeitpunkt sieht es so aus, als hätte die Spanrunft/Schweisfurth-Fraktion ihre Macht endgültig gesichert. Dass es keine Belege für die Untreue-These gibt, störte das Duo nicht. Inzwischen musste das Unternehmen den Fehler faktisch eingestehen. In einer Basic-Pressemitteilung vom 29. Mai heißt es kleinlaut: „Erhobene Vorwürfe werden nicht mehr wiederholt".

Im April wird Priemeiers Position weiter gestärkt. Die Asi-Gruppe, die schon seit Längerem 16 Prozent an Basic hält, übernimmt zusätzlich den ausstehenden Lidl-Anteil und wird so zum größten Einzelaktionär. Gemeinsam verfügen Asi und Priemeier nun über die Mehrheit bei Basic und könnten so auf der Hauptversammlung ihre Positionen durchsetzen. Zeit wird es.

Nach den Querelen um den Lidl-Einstieg brachen die Umsätze in den 26 Basic-Filialen ein. Im ersten Halbjahr 2008 musste das Unternehmen offenbar einen Rückgang von mehr als zehn Prozent verkraften. Aus dem Wachstumsunternehmen Basic ist längst ein Sanierungsfall geworden.

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