Einzelhandel: Das Trauerspiel der Online-Supermärkte

Einzelhandel: Das Trauerspiel der Online-Supermärkte

Bild vergrößern

Buchpakete von Amazon: Der Internet-Versandhändler will nun auch frische Lebensmittel auf Bestellung liefern.

von Henryk Hielscher

Zu teuer, schlecht gekühlt, zu viel Verpackung – Experten und Verbraucherschützer kritisieren die Leistungen von Online-Lebensmittelhändlern.

Alain Caparros fand deutliche Worte: „Es war abenteuerlich“, fasste der Rewe-Chef seine Einkaufserlebnisse bei Online-Supermärkten zusammen. „Sie müssen eine halbe Woche vorher bestellen“, so Caparros, „und wenn die Ware kommt, brauchen Sie allein für die vielen Verpackungen einen zusätzlichen Müllcontainer, ganz zu schweigen von den Versandkosten.“ Caparros will beweisen, dass es besser geht. Ab dem kommenden Jahr will Rewe selbst im Online-Handel mitmischen, hatte Caparros im Interview mit der WirtschaftsWoche angekündigt.

Dass sich die Shopping-Erfahrungen des Rewe-Chefs durchaus verallgemeinern lassen, zeigt eine neue Untersuchung des Dortmunder Fraunhofer Instituts. Das Fazit: Die Leistungen der bisherigen Online-Anbieter seien „verbesserungswürdig“. Bei einer Stichprobe des Instituts wurden eingedrückte Konservendosen, eine geöffnete Packung Hackfleisch und schlecht gekühlte Milch geliefert. Keine der vier Test-Bestellungen mit jeweils 17 Produkten konnte alle Anforderungen erfüllen.

Anzeige

Knackpunkt ist die Frische

Auch Verbraucherschützer hatten die Online-Angebote in den vergangenen Wochen immer wieder kritisiert: Zu teuer, zu wenig transparent. Die Verbraucherzentrale Hamburg prüft derzeit sogar rechtliche Schritte gegen den Online-Einzelhändler Amazon, weil dieser die Lebensmittel in seinem Angebot nicht ausreichend kennzeichne.

Nicht nur für Rewe scheinen solche Probleme ein Ansporn zu sein, eigene Angebote zu starten. So kündigte die hessische Supermarktkette Tegut gemeinsam mit dem bereits bestehenden Online-Lebensmittel-Anbieter Gourmondo einen neuen Internet-Supermarkt an. Metro will die Zahl der Großmarkt-„Drive-In“-Stationen weiter erhöhen, in denen online bestellte Ware zu einer bestimmten Uhrzeit abgeholt werden kann. Auch der Hamburger Versandhändler Otto zeigte bereits Interesse am Online-Lebensmittelhandel.

Ob sich die Angebote der Händler allerding kurzfristig rechnen darf bezweifelt werden.  „Ein Lebensmittel-Lieferservice mit Frische ist in Deutschland nicht profitabel machbar“, sagt Experte Björn Weber vom Handelsinformationsunternehmen Planet Retail. Auch wenn der Online- Supermarkt in anderen Ländern schon weitaus etablierter sei als in Deutschland - profitabel sei er dort meistens auch nicht. Europaweit behaupte nur die Einzelhandelskette Tesco aus Großbritannien, dass sie mit diesem Service schwarze Zahlen schreiben würde. Knackpunkt ist die Frische: Lebensmittel dürften nicht in einem normalen Styropor-Paket zum Kunden geliefert werden. „Das ist unverantwortlich.“ Anstelle dessen müssten spezielle Lieferwagen mit Kühltechnik angeschafft werden - das schlägt auf den Preis. „Wir haben ausgerechnet, dass das alles zusammen den Kunden dann durchschnittlich etwa neun Euro mehr kostet als direkt im Laden - das ist weit über der Schmerzgrenze.“

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%