Einzelhandel: Die Osteuropa-Falle

Einzelhandel: Die Osteuropa-Falle

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Einkaufswagen vor einem Metro-Markt in Dortmund.

von Henryk Hielscher

Der frühere Wachstumsmarkt Osteuropa wird zur Krisenregion für Deutschlands Händler. Der Metro-Konzern vermeldet dort zweistellige Umsatzverluste. Auch anderen Unternehmen drohen durch Währungsturbulenzen und Konsumzurückhaltung heftige Einbrüche.

Die Zahlen sind verheerend: Um 12,8 Prozent brach der Umsatz des Handelskonzerns Metro im vergangenen Jahr in Osteuropa ein. Der Düsseldorfer Konzern, der mit Cash&Carry-Großmärkten, der Elektronikkette Media Markt und der SB-Warenhauskette Real in der Region vertreten ist, verbuchte 2009 rund 15,8 Milliarden Euro Umsatz in Osteuropa. Ein Jahr zuvor waren es noch stolze 18,1 Milliarden Euro.

Dem Umsatzschwund bei Metro dürften bald weitere Horrorzahlen aus anderen Unternehmen folgen. Denn in den vergangenen Jahren ließ es sich kaum ein deutscher Händler nehmen, in Osteuropa Filialen zu eröffnen. Vom Schmuckkonzern Bijou Brigitte über den Discountriesen Aldi bis zum Versandhändler Otto und dem Kaffeeröster Tchibo siedelten sich deutsche Handelskonzerne gleich reihenweise in der vermeintlich kraftstrotzenden Wirtschaftsregion an. Doch inzwischen ist die Pionierstimmung vielerorts blanker Panik gewichen.

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Abgerechnet wird in Euro

Denn seit der Hochphase der Finanzkrise sind die osteuropäischen Währungen teilweise dramatisch abgestürzt. Die Angst vor Staatsbankrotten sorgt für zusätzliche Belastungen der osteuropäischen Währungen. Doch abgerechnet wird in Euro. Viele Händler beziehen ihre Ware aus dem westeuropäischen Raum und bilanzieren in Euro.

Schlimmer noch: Inzwischen kühlt auch die Konsumneigung im Osten offenbar merklich ab. So verzeichnete Metro in der Region auch wechselkursbereinigt im vierten Quartal noch einen Umsatzrückgang von 1,5 Prozent. Für die früheren Wachstumsgaranten ist das ein herber Absturz.

Einen Vorgeschmack auf das Osteuropa-Desaster hatte vor wenigen Tagen bereits die Baumarktkette Praktiker gegeben: Bei Praktiker sanken die im internationalen Geschäft generierten Umsatzerlöse um 15,6 Prozent auf rund 1,05 Milliarden Euro. In lokaler Währung gerechnet, ging der Auslandsumsatz um satte 6,7 Prozent zurück.

Und weitere Horrorzahlen könnten bald folgen. Heute dürfte sich etwa der Parfümerie- und Buchhändler Douglas bei der Bilanzkonferenz zu seinen Geschäften in Osteuropa äußern. Der Handelskonzern hat in den vergangenen Jahren Dutzende Parfümerien in Russland, Lettland und Litauen eröffnet.

Auch die Lebensmittelhändler werden wohl von der Osteuropa-Grippe erwischt.  Vor allem Kaufland dürfte leiden: Der Großflächendiscounter, der wie Lidl zur Schwarz-Gruppe gehört, gilt in Bulgarien, Rumänien und Tschechien als Marktführer im Lebensmittelhandel und ist auch mit Märkten in Polen und Ungarn vertreten. Ähnlich umtriebig ist der Kölner Rewe-Konzern samt Discounttochter Penny in Osteuropa. Zudem ist die Rewe-Großhandelstochter Selgros im Osten präsent.

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