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Einzelhandel: Discounter greifen Vollsortimenter mit Nobelmärkten an

von Noch Fragen? mario.brueck@wiwo.de

Aldi, Lidl & Co. rüsten auf. Aus den Billigheimern mit ihren trostlosen Zweckbauten und den 08/15-Sortimenten entsteht die neue Generation der Nachbarschaftsläden.

Hans Reischl war sich ganz sicher. „Der Discount hat seinen Zenit überschritten“, raunzte der legendäre Chef des Handelskonzerns Rewe: „Weil die Vollversorger ihre Kostenstruktur so im Griff haben, dass sie ihm Paroli bieten können. Und wenn sie dann noch eine höhere Dienstleistung erbringen wie längere Ladenöffnungszeiten, dann bleibt für den Discounter nicht mehr sehr viel an Profilierungsmöglichkeiten übrig.“ Das sagte der damalige Rewe-Lenker im August 1997. Der Umsatzanteil von Aldi, Lidl, Penny & Co. am gesamten Lebensmittel-Einzelhandel lag bei gut 30 Prozent. Und Mister Rewe mit seiner Prophezeiung furchtbar daneben. Heute kommen die Billigketten auf über 41 Prozent, und ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen. Vor allem, weil die Discounter nun in neue Regionen vorstoßen, um ihr Wachstumstempo zu halten: Sie greifen die traditionellen Vollsortimenter mit hochwertigen Waren, schickem Design und modernster Technik an. Dieser Konzentrationsprozess geht zulasten der kleinen Supermärkte, deren Zahl sich in den vergangenen Jahren schon fast halbiert hat. Im vergangenen Jahr erzielten die Discountketten ein Umsatzplus von 6,6 Prozent, während der gesamte Einzelhandel nur um vier Prozent zulegte. Deutschland ist das Land der Discounter. Knapp 15.000 Aldi-, Lidl-, Penny-, Plus-, Norma- oder Netto-Läden gibt es hier. Jeder vierte Lebensmittelladen ist ein Discounter. Von der Zahl der Standorte haben die Billigläden sogar die Tankstellen überrundet. Beim Preis und bei den Kosten scheinen die Verkaufsmaschinen auch künftig konkurrenzlos. Discount ist zum Normalfall geworden. Für Alain Caparros, einer von Reischls Nachfolgern auf dem Rewe-Chefsessel, steht fest: Der Discount in Deutschland werde über Jahrzehnte eine „unvermindert starke Stellung“ einnehmen. Müßig sei es, „darüber zu spekulieren, ob der Discount bereits an seine natürliche Wachstumsgrenze gestoßen ist oder bald stoßen wird“. Ganz im Gegenteil: Die Discounter sind mitten in einem Veredelungsprozess. Ihre Leistungen gehen immer weiter über niedrige Preise hinaus – die sind längst selbstverständlich. Heute bieten sie abgepacktes Frischfleisch, Obst und Gemüse ebenso wie Wellness-, Bio- und Gesundheitsprodukte oder tiefgefrorene Entenbrust und frische Nudelspezialitäten. Sie halten ihre Läden länger offen, akzeptieren EC-Karten und nehmen beim Versuch, die Pestizidbelastungen bei Obst und Gemüse unter die gesetzlich vorgeschriebenen Höchstmengen zu drücken, sogar eine Vorreiterstellung in der Handelsbranche ein.

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