Einzelhandel: Drogeriekette dm plündert Schlecker

Einzelhandel: Drogeriekette dm plündert Schlecker

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Kasse einer dm-Filiale

von Henryk Hielscher

Angriff der Anthroposophen: Die Karlsruher Handelskette dm will Deutschlands Drogeriekönig Anton Schlecker vom Thron stoßen. Schon im kommenden Jahr könnte dm zur neuen Nummer Eins avancieren.

Lange Zeit schien im deutschen Drogeriemarkt nur eine Regel zu gelten: Schlecker dominiert das Geschäft, irgendwo weiter hinten in der Liga der größten Schampoo-, Creme-, Deo-Verkäufer Deutschlands tummeln sich derweil Anbieter wie dm, Rossmann oder Müller. Doch mit der gewohnten Hackordnung  könnte bald Schluss sein: dm schickt sich an, den Seifenkönig von der Schwäbischen Alb vom Thron zu stoßen.

"Die Rangfolge könnte sich schon im nächsten Jahr ändern", sagte dm-Marketing- und Einkaufschefin Petra Schäfer heute bei der Vorstellung der dm-Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2009/2010 in Düsseldorf. Auch Unternehmenschef Erich Harsch betonte, dass dm „in absehbarer Zeit die Nummer eins unter Deutschlands Drogeriemärkten werden“ könnte.

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Während Schlecker seit Jahren „erdrutschartig“ Umsätze einbüße, wie Schäfer formuliert, scheint dm ein Abonnement auf Wachstum gebucht zu haben. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr steigerte das Karlsruher Unternehmen seinen Umsatz in den europaweit 2400 Filialen um 8,7 Prozent auf 5,65 Milliarden Euro. Ohne Neueröffnungen soll das Wachstum bei drei bis vier Prozent gelegen haben.

2011 will beim Umsatz erstmals die Sechs-Milliarden-Euro-Grenze überschreiten, das entspräche einer Steigerung von mehr als sechs Prozent. In den 1185 deutschen Filialen erzielte das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von knapp 4,1 Milliarden Euro. 2011 sollen rund 100 neue Filialen dazu kommen. Langfristig sieht das Unternehmen sogar ein Potenzial für bis zu 2000 dm-Märkte in der Bundesrepublik.

Zum Gewinn machte dm zwar keine Angaben. Es sei jedoch „höher ausgefallen als wir eigentlich wollten“, sagte Schäfer. Vor diesem Hintergrund wurde in Deutschland eine Sonderzahlung von 600 Euro an jeden Mitarbeiter ausgeschüttet. Das dürfte ganz im Sinne von Unternehmensgründer Götz Werner sein, einem überzeugten Anthroposophen, der die Ideen des Waldorfschulen-Begründers Rudolf Steiner in die Unternehmenswelt überführt hat. Inzwischen hat Werner seine dm-Anteile an eine Stiftung übertragen. Dennoch deutet sich eine familieninterne Nachfolge an. Bei der Vorstellung des Jahresergebnisses wurde auch bekannt, dass Werners Sohn Christoph ab 2011 in die erweiterte Geschäftsleitung des Drogeriemarkt-Filialisten aufgeommen wird. Dort soll er vor allem das Marketing- und Beschaffungressort verstärken, sagte Unternehmenschef Harsch. Nach ein bis zwei Jahren in dem Gremium  könnte Christoph Werner dann in die Geschäftsführung aufrücken.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt dürfte der Kampf zwischen dm und Schlecker entschieden sein. Der Trend ist klar: Während dm kräftig wächst, sinkt Schleckers Umsatz kontinuierlich und mit steigendem Tempo. Laut einer Analyse des Marktforschungsunternehmens GfK brachen die Erlöse der Schwaben in den ersten vier Monaten 2010 in den deutschen Filialen um 16 Prozent ein, 1,7 Millionen Käuferhaushalte seien zur Konkurrenz abgewandert. „Das ist mehr als jeder zehnte bisherige Käufer von Schlecker", schreibt GfK-Experte Wolfgang Twardawa. Das Unternehmen wollte die Zahlen nicht kommentieren.

Auch neue Konzepte – etwa größere Filialen – scheinen bisher nicht den gewünschten Erfolg zu bringen. Schlecker hatte in den vergangenen Jahren zahlreiche kleinere Filialen geschlossen und dafür auf größere so genannte XL-Filialen gesetzt.

Allerdings hatte das neue Filialkonzept zu Streit mit der Gewerkschaft Verdi geführt. Denn Schlecker hatte in den XL-Läden überwiegend Leiharbeitnehmer des Zeitarbeitsunternehmens Meniar  eingesetzt. Inzwischen wurde die Zusammenarbeit mit Meniar beendet und Schlecker feilt wieder an neuen Konzepten. Im Mittelpunkt steht dabei „Schlecker kompakt", eine modernisierte Variante des traditionellen Konzepts kleiner Läden, heißt es in der Branche.

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