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Einzelhandel: Karstadt-Aufsichtsratschef schmeißt wegen Berggruen hin

von Henryk Hielscher

Als Rewe-Chef Alain Caparros vor fünf Monaten zum Aufsichtsratschef der frisch aus der Insolvenz entlassenen Warenhauskette Karstadt gekürt wurde, galt die Personalie als Beleg für die Sanierungsfähigkeit des Unternehmens. Jetzt sucht Caparros entnervt das Weite.

Alain Caparros, Quelle: dapd
Alain Caparros, Vorstandsvorsitzender der Rewe-Gruppe Quelle: dapd

Mit der Rolle und Funktion von deutschen Aufsichtsräten konnte sich Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen bislang offenbar nicht so recht arrangieren. Schon seit geraumer Zeit gibt es Hinweise über knatschige Karstadt-Kontrolleure, die sich von Berggruen vor vollendete Tatsachen gestellt fühlten. Nun kam es zum Eklat.

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Ausgerechnet Alain Caparros, Vorstandschef des Handelkonzerns Rewe und nicht nur der profilierteste Vertreter in dem Gremium sondern auch dessen Vorsitzender legte sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder. Das "unterschiedliche Verständnis über die Rolle des Aufsichtsrates in der strategischen Ausrichtung des Unternehmens", wird als Begründung in einer Pressemitteilung von Rewe genannt.

Karstadt hüllt sich in Schweigen

Seltsam genug ist dabei, dass Rewe die Mitteilung herausgibt. Normalerweise können sich die Beteiligten zumindest noch auf eine gemeinsame Sprachregelung und Erklärung einigen. Doch von Karstadt war erst einmal nichts zu hören – wie so oft in den vergangenen Monaten. Anlass - wenn auch nicht alleinige Ursache - für den Eklat soll ein Interview von Nicolas Berggruen gewesen sein, heißt es in der Branche.

Darin hatte der deutsch-amerikanische Inverstor nochmals klar gestellt, dass es eine Trennung der operativen Bereiche – also der Warenhäuser, der Premiumfilialen und der Sporthäuser - geben soll. "Die Positionierung in drei getrennte Einheiten soll jetzt passieren", sagte er der "FAZ". Der Karstadt-Aufsichtsrat hatte der Entscheidung aber offenbar noch nicht zugestimmt, zumindest aber die Details noch nicht erörtert. Wie soll die Teilung erfolgen? Wird es künftig etwa drei verschiedene Kontrollgremien für die drei Bereiche geben, oder aber einen gemeinsamen Holding-Aufsichtsrat? Kurz: Berggruen hatte Tasachen geschaffen – Caparros zog die Konsequenzen. Für die Zukunft von Karstadt ist das Hickhack ein schlechtes Zeichen.

Programme sind vage

Denn erst vor fünf Monaten war Caparros zum Aufsichtsratschef gewählt worden. Berggruen hatte die Entscheidung damals noch mit den Worten kommentiert: „Seine Handelserfahrungen und seine strategische Kompetenz sind für das Unternehmen außerordentlich wichtig.“ Nun muss er auf den Ratgeber verzichten und sich voll auf seinen Vorstandschef Andrew Jennings verlassen. Doch auch an Jennings wachsen die Zweifel. Zu zögerlich agiert der Karstadt-Chef, mit öffentlichen Erklärungen oder Präsentationen seines Sanierungsplans hält er sich auffällig zurück. Das verwundert um so mehr, als der Konzern noch vor wenigen Monaten lautstark um die Unterstützung der Öffentlichkeit buhlte. Die Steuerzahler waren bei der Insolvenz des Konzerns zudem die größte Gläubigergruppe – Antworten, wie es nach der Insolvenz nun weiter geht, blieb der Konzern bislang trotzdem schuldig. Auch in den Filialen sind bislang kaum Neuerungen zu entdecken.

Lediglich in einem internen Schreiben hat Jennings seinen Führungskräften einen vagen Aufgabenkatalog vorgelegt, der in sechs bis zwölf Monaten umgesetzt werden soll. Projekte sind etwa die "Modernisierung der Laden-Infrastrukturen", die Spezialisierung und leistungsbezogenere Bezahlung der Verkaufsteams sowie der Aufbau eines "neuen Kundenbindungsprogramms", das im Juni startet. Zudem entwickelt der Konzern die Filiale in Düsseldorf zum "Focus- und Laborkaufhaus", in dem er neue Shopkonzepte erprobt. Übergeordnetes Ziel sei es, die "Servicestandards in unseren Geschäften zu erhöhen" und die Marke Karstadt zu verjüngen.  Ob das gelingt ist allerdings fraglich. Die angekündigten Investitionen in Höhe von 75 Millionen Euro klingen angesichts des Zustands vieler Filialen nach Homöopathie. Zudem drängt die Zeit. Im Herbst 2012 läuft der Sanierungsvertrag aus, der bislang die Lohnkosten dämmt. Dann wird es ungleich schwerer, Geld zu verdienen. In dieser Woche beginnt auch der erste Prozess des Insolvenzverwalters Klaus-Hubert Görg gegen den früheren KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff. Dabei dürften erneut auch die Schwächen des Warenhauskonzerns beleuchtet werden.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 11.04.2011, 18:45 UhrAnonymer Benutzer: Steigenberger

    Der REWE-Chef weiss als erfahrener Handelsprofi, dass die Karstadt-blaupausen, die berggruen u. Jennings jetzt medial placieren ohne starke Kapitalunterlegung nicht zu realisieren sind.
    Wenn nur 18 Karstadthäuser pro Jahr renoviert werden sollen,
    dann wird vor allem die Fläche in den Klein/-Mittelstädten, die kein "Weltstadtangebot" bieten können - allein aus Platzmangel- darunter leiden.
    Der clevere berggruen saniert die Premiumhäuser u. Sportfilialen, der Rest wird - aus wirtschaftlichen Gründen- weitergegeben oder zugemacht.
    Nur so kann der investor seinen Millionenschnitt machen ( ca. 2013)

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