Einzelhandel: Kartellfahnder durchsuchen Edeka-Zentrale

Einzelhandel: Kartellfahnder durchsuchen Edeka-Zentrale

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Edeka-Hauptgebäude in Hamburg: Fahnder durchsuchten heute die Firmenzentrale - eine Stunde vor der Edeka-Jahrespressekonferenz

Wenn es darum geht, Deutschlands größten Lebensmittelhändler zu ärgern, beweist das Bundeskartellamt besonderes Gespür. Eine Stunde vor der Jahrespressekonferenz ließ die Behörde die Edeka-Zentrale in Hamburg durchsuchen. Edeka wird verdächtigt, seine Lieferanten unrechtmäßig unter Druck gesetzt zu haben.

Die Aktion war gut geplant: Nur eine Stunde bevor Edeka-Chef Markus Mosa seine Geschäftszahlen präsentierte, bekam der Konzern ungebetenen Besuch. Beamte des Bundeskartellamtes standen mit einem Durchsuchungsbeschluss vor der Hamburger Konzernzentrale.

Die Ermittler gingen dem Verdacht nach, dass Deutschlands größter Lebensmittelhändler seine Nachfragemacht missbraucht, um Lieferanten unter Druck zu setzen. Damit erreicht ein Konflikt seinen vorläufigen Höhepunkt, der vor fast einem Jahr begann.

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Ende Juni 2008 hatte das Bundeskartellamt die Übernahme des Tengelmann-Discounters Plus durch Edeka erlaubt - allerdings unter strikten Auflagen. Denn schon im Vorfeld hatten viele Hersteller – und mit ihnen das Kartellamt – befürchtet, dass Edeka die zusätzliche Markmacht ausnutzen würde, um den Lieferanten einen so genannten „Hochzeitsrabatt“ abzutrotzen.

Inzwischen sieht das Bundeskartellamt die Befürchtungen offenbar bestätigt. Edeka, so der Verdacht, soll Lieferanten aufgefordert oder veranlasst haben, ihnen ohne sachlich gerechtfertigten Grund Vorteile zu gewähren.

Routinemäßiges Stöhnen

Bei Edeka wollte man die Vorwürfe nicht kommentieren. In der Edeka-Mitarbeiterzeitung hatte Mosa jüngst jedoch zum Gegenschlag ausgeholt und eine „Konzerntration auf Lieferantenseite“ beklagt. Im Übrigen, so Mosa, breche nach jeder Akquisition im deutschen Lebensmittelhandel „routinemäßig das Stöhnen über die vermeintliche Nachfragemacht des Handels aus“.

Auf Seiten der Industrie sieht man das etwa anders. Denn tatsächlich hat Edeka den Druck auf die Hersteller in den vergangenen Monaten deutlich erhöht. In Schreiben, die der WirtschaftsWoche vorliegen, ließ der Konzern seine Lieferanten wissen: Die Zusammenarbeit müsse „mit einem entsprechenden Zahlungsziel auch Ihrerseits unterstützt werden". Im Klartext forderte Edeka mehr Zeit, um Rechnungen für bereits gelieferte Waren zu begleichen - eine Art Fristverlängerung für zinslose Lieferantenkredite.

Der Markenverband interpretierte die Zahlungsziel-Schreiben als "Anzapfversuch" und erwirkte eine gerichtliche Verfügung dagegen. Zudem berichteten etliche Lieferanten davon, dass sie auch die Preise für Edeka reduzieren sollten. "Im Grunde", so vermutete ein Lebensmittelhersteller, "sollen wir jetzt den Kauf von Plus finanzieren." Ganz ähnlich wertet offenbar auch das Kartellamt das Vorgehen von Edeka.

Discounttochter Netto als Edeka-Wachstumstreiber

Dabei wollte Edeka heute eigentlich mit ganz anderen Nachrichten für Schlagzeilen sorgen. Während die Beamten die Räume durchkämmten, präsentierte Mosa die Edeka-Bilanz für 2008. Danach hat der Konzern hat vor allem dank der Discounttochter Netto mit einem Umsatzplus im Lebensmitteleinzelhandel von 4,9 Prozent abgeschlossen. 32 Milliarden Euro Umsatz spülten die Kunden in die Edeka-Kassen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) für die Gruppe stieg 2008 um zwei Prozent auf rund 1,19 Milliarden Euro.

Der Wachstumstreiber des Konzerns ist die Discounttochter Netto, die insgesamt um 12,4 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro zulegte. Auf vergleichbarer Fläche steigerte Netto den Umsatz um knapp fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Auch in diesem Jahr soll das Wachstum allein schon durch die Übernahme von mehr als 2 300 Plus-Filialen weitergehen. Zudem  will Edeka in den kommenden drei Jahren mehr als 1.450 Märkte in Deutschland eröffnen, kündigte Mosa an. Darunter 600 Edeka-Supermärkte sowie 850 neue Netto-Standorte.

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