Einzelhandel: Metro-Chef Cordes: "Kein Platz für zwei"

Einzelhandel: Metro-Chef Cordes: "Kein Platz für zwei"

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Eckhard Cordes (AP Photo/Roberto Pfeil)

von Stephanie Heise und Henryk Hielscher

Metro-Chef Eckhard Cordes über die schwindenden Chancen einer Übernahme des Konkurrenten Karstadt, die ruinösen Preisschlachten im deutschen Einzelhandel und neue Expansionsziele.

Herr Cordes, wo haben Sie Ihre Weihnachtseinkäufe gemacht?

Ob Sie mir das jetzt glauben oder nicht – ich habe bei Saturn in Düsseldorf auf der Königsallee eingekauft und eine Kleinigkeit im Kaufhof am Marienplatz in München. Das argentinische Rinderfilet fürs Weihnachtsessen kam aus unserem Cash&Carry-Großmarkt in München Schwabing.

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Dann waren Sie offenbar ein guter Kunde der Metro-Gruppe. Wie lief Ihr Weihnachtsgeschäft insgesamt?

Gut, insbesondere hier in Deutschland. Der Trend, dass die Leute immer später ihre Geschenke kaufen, hat zu einer tollen Woche vor Heiligabend geführt und danach gab es noch drei sehr gute Verkaufstage vor Silvester. Für unsere Sparten bedeutet das: die Elektronikketten Media Markt und Saturn gut, Kaufhof gut, die Real-SB-Warenhäuser Real gut. Die Cash&Carry-Großmärkte liefen nicht ganz so gut, aber besser als in den Vormonaten.

Wie sind Ihre Erwartungen für 2010?

Eins ist sicher, die Lage bleibt herausfordernd. Wir brauchen noch einige Monate, um mehr Verlässlichkeit zu bekommen. Dass wir 2010 eine bessere Entwicklung erwarten, können Sie aber schon daran sehen, dass wir unser Investitionsvolumen von 1,6 auf 1,9 Milliarden Euro erhöhen und deutlich mehr Neueröffnungen planen Bei der Expansion treten wir wieder mehr aufs Gaspedal.

Wo wollen Sie investieren?

Unsere Wachstumsschwerpunkte liegen für C&C und Media-Saturn in Osteuropa und Asien, bei Real werden wir sogar ausschließlich in Osteuropa neue Märkte eröffnen. Wir glauben also daran, dass der Markt trotz der Schwäche, unter der Osteuropa aufgrund der globalen Wirtschaftskrise gelitten hat und noch leidet, wieder kommt. Zudem bauen wir unser Engagement in Nordafrika aus und starten den ersten Cash&Carry-Markt in Ägypten. Und in China expandieren wir mit Media-Markt

Die Übernahme des insolventen Wettbewerbers Karstadt fehlt auf Ihrer Agenda. Stehen die Chancen so schlecht?

Momentan sind  die Chancen für eine Übernahme von Karstadt-Warenhäusern sehr gering.

Haben Sie plötzlich das Interesse an Karstadt verloren?

Im Gegenteil: Ich bin überzeugt davon – wie übrigens auch weite Teile des früheren Karstadt-Managements –, dass die Übernahme eines nennenswerten Teils von Karstadt-Häusern und deren Zusammenfügung mit den profitablen Kaufhof-Standorten zu einer Warenhaus AG ökonomisch sinnvoll wäre und eine interessante Wettbewerbsperspektive bieten kann. Es gibt in Deutschland langfristig keinen Platz für zwei große Warenhausanbieter. Dies muss man ehrlich kommunizieren, auch gegenüber den Mitarbeitern von Karstadt, die in den vergangenen Jahren immer wieder unter falschen Versprechungen gelitten haben. Das sollte man nicht wiederholen. Denn der Markt muss sich irgendwann konsolidieren und mit ihrer Warenhaus-Kompetenz wäre Metro mit Kaufhof der beste Neugestalter der deutschen Kaufhauslandschaft.

Wo liegt dann das Problem?

Die Insolvenzverwaltung akzeptiert nur Gebote für Karstadt als komplettes Unternehmen. Damit ist die Hürde für eine Rettung von vielen Arbeitsplätzen sehr hoch gelegt.  Wir haben aber von Anfang an klar kommuniziert: Metro wird auf keinen Fall für Karstadt als Ganzes bieten.

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