Einzelhandel: Metro-Chef Cordes sieht kaum Chancen für Karstadt-Übernahme

Einzelhandel: Metro-Chef Cordes sieht kaum Chancen für Karstadt-Übernahme

von Henryk Hielscher

Eine Übernahme der insolventen Warenhauskette Karstadt durch den Konkurrenten Metro (Kaufhof) wird immer unwahrscheinlicher.

Metro-Chef Cordes sieht kaum Chancen für Karstadt-Übernahme

„Momentan sind die Chancen für eine Übernahme von Karstadt-Warenhäusern sehr gering“, sagte Metro-Chef Eckhard Cordes der am Montag erscheinenden WirtschaftsWoche. Da die Insolvenzverwaltung nur Gebote für Karstadt als komplettes Unternehmen akzeptiere, werde Metro kein Angebot abgeben. „Metro wird auf keinen Fall für Karstadt als Ganzes bieten“, unterstreicht Cordes.

Auch auf eine Prüfung der Bücher werde Metro verzichten: „Ich habe immer gesagt, dass Metro einzig an einer nennenswerten Anzahl von Häusern interessiert ist. Wenn aber nur das Komplettpaket zum Verkauf steht, dann ist eine Prüfung für beide Seiten Zeitverschwendung“, so Cordes.

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Eine Komplett-Übernahme von Karstadt mache keinen Sinn für die Metro. „Wir müssten die Karstadt-Hauptverwaltung übernehmen – Kaufhof hat aber schon eine. Wir müssten zahlreiche Standorte übernehmen, die ökonomisch keinen Sinn machen. Wir hätten eine doppelte IT, eine doppelte Logistik. Kurz: Es kämen hohe Belastungen auf uns zu, etwa Abfindungen für Mitarbeiter oder Schließungskosten für unrentable Filialen. Außerhalb einer Insolvenz wäre das enorm teuer.“

Der Chef des größten deutschen Handelskonzerns äußert indirekt Kritik an der Strategie von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg, Karstadt nur als Ganzes zu verkaufen. „Es gibt in Deutschland langfristig keinen Platz für zwei große Warenhausanbieter“, sagte Cordes der WirtschaftsWoche. „Dies muss man ehrlich kommunizieren, auch gegenüber den Mitarbeitern von Karstadt, die in den vergangenen Jahren immer wieder unter falschen Versprechungen gelitten haben“, betont Cordes. Eine Konsolidierung der Kaufhauslandschaft sei unvermeidlich.

In Zweifel zieht der Metro-Chef die Aussage des Insolvenzverwalters, dass es zahlreiche ernsthafte Interessenten für Karstadt gebe. „Uns ist niemand eingefallen – zumindest kein strategischer Investor. Dass ein Handelskonzern nach Deutschland geht, Karstadt als Ganzes kauft und sich damit in den Wettbewerb zu Kaufhof begibt, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.“ Auch das Interesse von Finanzinvestoren stellt Cordes infrage: „Ich bezweifle, dass diese Karstadt isoliert kaufen würden.“

Mit dem eigenen Warenhausgeschäft, das langfristig ebenfalls verkauft werden sollt, ist der Konzernchef unterdessen zufrieden. „Kaufhof macht uns so viel Freude, dass wir nicht unter Verkaufsdruck stehen“, so Cordes. Die Sparte habe im vergangenen Jahr trotz Wirtschaftskrise „deutlich schwarze Zahlen geschrieben und Marktanteile gewonnen“, so der Konzernchef. „Das heißt, unsere Warenhäuser haben auch ohne Karstadt eine gute Zukunftsperspektive. Wir werden Kaufhof also nicht per Notverkauf verschleudern, sondern abwarten, bis wir einen angemessenen Preis erzielen können.“

Metro-Chef Cordes erwartet 2010 „bessere Entwicklung“

Eckhard Cordes, Chef des größten deutschen Handelskonzerns Metro, zeigt sich im Interview mit der WirtschaftsWoche zuversichtlich für die Geschäftsentwicklung im Jahr 2010. Die Lage bleibe zwar „herausfordernd“, so Cordes. „Dass wir 2010 eine bessere Entwicklung erwarten, können Sie aber schon daran sehen, dass wir unser Investitionsvolumen erhöhen und deutlich mehr Neueröffnungen planen. Bei der Expansion treten wir wieder mehr aufs Gaspedal.“

In einem Trading Statement hatte Metro am vergangenen Dienstag Zahlen vorgelegt, nach denen der Konzernumsatz im vergangenen Jahr um 3,5 Prozent auf 65,5 Milliarden Euro sank. „Bedenkt man das schwierige wirtschaftliche Umfeld, ist das ein zufriedenstellendes Ergebnis“, sagte Cordes der WirtschaftsWoche. Vor allem der Verfall osteuropäischer Währungen hat dem Handelskonzern 2009 zu schaffen gemacht. „Rechnet man die dramatische Abwertung der Währungen heraus, ist der Umsatz sogar um 0,2 Prozent gestiegen, auch das Ebit fällt währungsbereinigt deutlich besser aus. Wir liefern, was der Finanzmarkt von uns erwartet“, so Cordes.

Die Geschäftsentwicklung von Metro im laufenden Jahr werde vor allem vom Osteuropa-Geschäft dominiert. „Ich erwarte nicht, dass wir im Januar und Februar schon einen deutlichen Schub nach oben bekommen. Aber man kann aus der Analyse der vergangenen Monate immerhin den Eindruck gewinnen, dass wir in Osteuropa den Boden erreicht haben“, sagte Cordes der WirtschaftsWoche.

In Deutschland schreite die Sanierung der Metro-Tochter Real voran. „Bei Real stimmt die Richtung“, so Cordes. „Wir hatten aber 2009 einen mörderischen Preiswettbewerb. Lebensmitteldiscounter haben den Markt mit einem Dutzend Preissenkungswellen überzogen. Das hat auch Real Rendite gekostet, weil wir bei einigen Produkten mitziehen mussten. Aber das Entscheidende ist: Vor drei Jahren hätte ein Preiswettbewerb in diesem Ausmaß Real vermutlich umgebracht, inzwischen können wir dank unserer von den Kunden gut angenommenen Eigenmarken mithalten. Real-Chef Joël Saveuse hat also sehr gute Arbeit geleistet.“

Obwohl die SB-Warenhauskette die angestrebte Rendite von zwei bis drei Prozent nach wie vor verfehlt, ließ Konzernchef Cordes offen, ob Real verkauft werden soll. „Wir haben nie eine Frist nach dem Motto formuliert: Wenn ihr bis 2010 nicht liefert, werdet ihr verkauft. Wir haben nur gesagt, dass wir mittelfristig eine Rendite von zwei bis drei Prozent anstreben“, sagte Cordes. „Voraussichtlich Ende diesen Jahres wollen wir klären, ob wir dieses Ziel in absehbarer Zeit erreichen können oder nicht. Damit treffen wir aber noch keine Entscheidung, was letztlich mit Real passiert.“

In einen Börsengang der Metro-Elektronikhändler Media Markt und Saturn sieht Cordes derzeit „keinen Vorteil“. Es gebe aber auch ohne Börsengang genug Wachstumsperspektiven für Media-Saturn: „Wir testen gerade Online-Shops in Österreich und den Niederlanden. Läuft alles nach Plan, starten wir danach auch in Deutschland. Zudem diskutieren wir, ob wir mit Eigenmarken aktiv werden“, sagte Cordes der WirtschaftsWoche.

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