Einzelhandel: Netto setzt auf Ombudsmann

Einzelhandel: Netto setzt auf Ombudsmann

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Sorgt für heftige Diskussionen auf wiwo.de: Die Discounter-Kette Netto

von Henryk Hielscher

Harscher Ton und schlechte Bezahlung, E-Mail-Kontrollen und ungültige Betriebsratswahlen – die Personalpolitik von Netto Markendiscount sorgte in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen. Nun steuert der Discounter gegen – mit einem unabhängigen Ombudsmann.

Veranstaltungen für die Mitarbeiter, die so geannten Teamtage, halfen wenig, Ansagen aus der Zentrale wurden ignoriert, selbst Betriebsräte stießen auf Misstrauen - nun muss ein unabhängiger Ombudsmann ran. Bei der Edeka-Tochter Netto Marken-Discount, Deutschlands drittgrößtem Discounter hinter Aldi und Lidl, steht künftig der Wiesbadener Strafrechtler Alfred Dierlamm als unabhängiger Ansprechpartner für Kunden und Geschäftspartner, vor allem aber für die Mitarbeiter zur Verfügung.

Besteht der Verdacht, dass gegen geltendes Recht oder gegen die Unternehmensrichtlinien verstoßen wurde, können sich betroffene Mitarbeiter künftig direkt an Dierlamm wenden. Der Ombudsmann sei grundsätzlich zur Verschwiegenheit verpflichtet. Alle Hinweise würden auf Wunsch anonym behandelt, heißt es in einer Pressemitteilung von Netto.

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Hohes Pensum

In den vergangenen Monaten sah sich Netto erheblicher Kritik ausgesetzt. Die WirtschaftsWoche und andere Medien hatten mehrfach über die umstrittene Personalpolitik des Discounters berichtet. „Das Pensum sei kaum zu schaffen, die Gehälter unterdurchschnittlich und die Wertschätzung gering“, hatte die WirtschaftsWoche etwa in einem der Artikel ehemalige Mitarbeiter zitiert. Zudem hatte das Arbeitsgericht Weiden zwei Betriebsratswahlen bei Netto für unwirksam erklärt. Auch in Online-Foren und bei der Gewerkschaft Verdi waren schwere Vorwürfe gegen Netto erhoben worden. So sollen Arbeitszeitregelungen verletzt worden sein. Zuletzt hatte die WirtschaftsWoche über umstrittene E-Mail-Auswertungen in der Region Süd berichtet.

Die Netto-Spitze hatte die Vorwürfe bisher stets zurück gewiesen und Probleme zwischen Führungskräften und Filialmitarbeiter überwiegend als Einzelfälle dargestellt. Inzwischen scheint die Führungsgruppe um Netto-Chef Franz Pröls jedoch weitergehenden Handlungsbedarf erkannt zu haben, schon um Gefahren für das Unternehmensimage abzuwenden. So wurde unlängst ein Mindestlohn für Aushilfen eingeführt. Mit Dierlamm wurde nun ein renommierter Experte angeheuert, der mit seinem Ruf dafür bürgt, dass Hinweisgeber künftig Verdachtsfälle melden können, ohne Nachteile fürchten zu müssen.

Alfred Dierlamm

Dierlamm ist selbständiger Rechtsanwalt in der Wiesbadener Sozietät Dierlamm Rechtsanwälte mit den Tätigkeitsschwerpunkten Wirtschaftsstrafrecht, Steuerstrafrecht und Umweltstrafrecht. Zudem hat er eine Honorarprofessur der Universität Trier für Strafrecht und Strafprozessrecht, insbesondere Steuer- und Wirtschaftsstrafrecht, inne.

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