Einzelhandel: Outletkaufhaus TK Maxx drängt in den deutschen Markt

Einzelhandel: Outletkaufhaus TK Maxx drängt in den deutschen Markt

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T.K. Maxx-Filiale in London

von Thomas Stölzel

Das US-Outletkaufhaus TK Maxx will in Deutschland 300 Filialen eröffnen. Der Zeitpunkt könnte kaum günstiger sein.

Es sieht schon etwas liederlich aus, nach einem besucherreichen Einkaufssamstag bei TK Maxx auf Dresdens Einkaufsmeile Prager Straße. Auf dem Boden liegen Blusen, die Kundinnen beim Wühlen durch meterlange Kleiderständer versehentlich heruntergerissen haben. Manch unentschlossenem Käufer ist das eine oder andere T-Shirt im Schnäppchenrausch aus der Hand gefallen, als er zwei Meter weiter ein schöneres entdeckt hat. Dass in dem Ambiente vor allem Kleidung teurer Designermarken wie Calvin Klein, Valentino und Versace über den Bügeln hängt, darauf dürfte auf den ersten Blick niemand kommen, der den Outlethändler aus den USA nicht kennt.

Tatsächlich ist der rotweiße Schriftzug von TK Maxx den meisten Deutschen unbekannt. Das soll sich jetzt ändern: Binnen weniger Jahre will die hierzulande inzwischen mit 20 Filialen vertretene Kette ihr Netz auf 300 deutsche Kaufhäuser ausbauen. Bundesweit sollen Schnäppchenjäger dort zum Beispiel einst 499 Euro teure Kenzo-Blazer für 60 Euro finden, rote Thomas-Burberry-Jacken für 37 Euro oder Designerjeans von True-Religion, die regulär 280 Euro kosten, für 89,99 Euro. Die Zahl von 300 Läden ist ambitioniert: Die Textilkette Peek & Cloppenburg etwa hat nur 90 deutsche Filialen. Doch der Zeitpunkt für die Outletkette könnte kaum besser sein. Die Kunden wollen sparen, zugleich sind Ladenflächen preiswert zu haben.

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Bundesrepublik gilt als größter Modemarkt Europas

Zudem gilt die Bundesrepublik mit einem Volumen von 50 Milliarden Euro als größter Modemarkt Europas. Der Bekleidungshandel hat die Rezession fast schadlos überstanden – 2008 mit einem Umsatzplus von 1,3 Prozent, im ersten Halbjahr 2009 mit einem Minus von 1,5 Prozent. Dabei ist das Outletsegment, in dem Modehersteller Überbestände abstoßen, verglichen mit den USA unterentwickelt.

Die Finanzkrise befeuert regelrecht das Wachstum von TK Maxx. Nicht nur, dass die Kunden, die der Händler mit Rabatten von 20 bis 60 Prozent oder mehr lockt, schnäppchenhungrig sind. Auch laden Hersteller wie Tommy Hilfiger, Dolce & Gabbana und O’Neill nun liebend gern Lagerbestände beim 1956 in Neuengland gegründeten TJX-Konzern ab, der Mutter von TK Maxx. Denn fast alle hatten zu Krisenbeginn zu viel Ware produziert.

Weil die Designer so ihre teuren Lagerbestände zu Geld machen können, wird TK Maxx zur Liquiditätsquelle. Schnelles Geld ist wichtig in Zeiten, in denen Banken zögerlich Kredite vergeben. Bereits in früheren Rezessionen hatte sich TJX als Finanzier der Textilbranche bewährt – trotz der Nachlässe, die Hersteller gewähren, damit Ware für den Billigheimer interessant ist. In ihren 2600 Läden erwirtschaftete die TJX-Gruppe so 2008 rund 19 Milliarden Dollar Umsatz und 880 Millionen Dollar Nettogewinn. Neben TK Maxx – in Amerika tritt die Kette unter dem Namen TJ Maxx auf – gehören auch das US-Outletkaufhaus Marschalls sowie Möbeloutlets zum Konzern.

Heer von Einkäufern

Um Ware aufzutreiben, beschäftigt TK Maxx ein weltweites Heer an Einkäufern. Das darf 365 Tage im Jahr zuschlagen, wann immer es gute Angebote von einem der 10 000 Lieferanten wittert. Das unterscheidet die Kette von normalen Textilhändlern. Die kaufen oft zwei bis vier Mal jährlich groß ein und erhalten die Mode sukzessive geliefert. Ein Teil der Ware stammt deshalb laut TK Maxx aus aktuellen Kollektionen. Zu den deutschen Lieferanten des Konzerns zählt neben Adidas auch Hugo Boss. „Die Einkäufer kontaktieren uns, wir geben ihnen eine Liste darüber, was wir noch auf Lager haben“, sagt eine Boss-Sprecherin. „Die wählen aus, wir schicken die Ware zu.“ Begutachten würden die TK-Maxx-Einkäufer diese nicht.

Um die Wachstumsziele in Deutschland umzusetzen, braucht TK Maxx Ladenflächen – der Zeitpunkt für die Suche ist ideal. Mietpreise bei Neuverträgen sind laut Makler Jones Lang LaSalle seit Krisenbeginn um bis zu zehn Prozent gesunken. Auch werden Läden in Schieflage geratener Handelsriesen frei. So quartierte sich TK Maxx in Wuppertal in eine frühere Filiale des pleitegegangenen Modehändlers Wehmeyer ein. In Köln mietet der Riese mit der Textilkette C&A und dem Elektronikhändler Saturn ein altes Hertie-Haus. Und in Hamburg bezog er zwei Etagen eines Ex-Karstadt-Gebäudes.

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