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Einzelhandel: Real-Sanierung in der entscheidenden Phase

von Henryk Hielscher

Zwei Jahre bleiben Joël Saveuse, um die sieche Ladenkette Real zu sanieren. Wie groß die Erfolgschancen sind, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Real-Markt in Neuss: In den Regalen sollen bald 1000 neue Eigenmarken-Artikel stehen. Quelle: Frank Reinhold für WirtschaftsWoche
Real-Markt in Neuss: In den Regalen sollen bald 1000 neue Eigenmarken-Artikel stehen. Quelle: Frank Reinhold für WirtschaftsWoche

Der Mann, der Real retten soll, greift zum Schuhkarton, reißt die Kiste auf und hält zwei nagelneue Turnschuhe der Marke Chuck Taylor in den Händen. Andächtig verfolgen die Mitarbeiter im Real-Markt in Neuss, wie Joël Saveuse die Schuhe zwecks besserer Präsentation ganz oben auf den Stapel mit Aktionsware stellt. 39,95 Euro sei ein toller Preis, lobt der Unternehmens-Chef und nähert sich sodann den Kinderjacken, die „ganz fantastisch warm halten“.

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Seit einem Jahr tingelt der oberste Verkäufer der SB-Warenhauskette Real so durch seine 349 Märkte in Deutschland, inspiziert hier, korrigiert dort – und predigt mit französischem Akzent, dass es wieder aufwärts geht mit den Selbstbedienungswarenhäusern.

Der 55-jährige gebürtige Franzose, der aus dem vorzeitigen Ruhestand an der Côte d’Azur zurück in die Mühen der Ebene kam, steht vor einer Mammutaufgabe: Er soll den Turn-around schaffen bei der angeschlagenen Metro-Tochter Real. Bevor Saveuse anheuerte, waren innerhalb von zwei Jahren drei Manager an der Aufgabe gescheitert, die Ladenkette zu sanieren. Schneller noch als die Führungskräfte schwanden die Kunden.

Teure Produkte, Lagerhallen-Flair und Wartezeiten an den Kassen, die empfindliche Gemüter an Shopping in der DDR erinnerten, trieben jedes Jahr rund eine Million Käufer in die Flucht. Als Metro-Chef Eckhard Cordes daher im Mai ankündigte, die „notwendigen Konsequenzen“ zu ziehen, falls Real nicht binnen zwei Jahren eine Umsatzrendite von drei Prozent schafft, schien der Verkauf der Sparte besiegelt.

Lag es an der Drohung, greifen die Konzepte? Jedenfalls hat sich, seit Cordes deutlich wurde, das Bild sichtbar gewandelt. Im ersten Halbjahr 2008 stieg der Real-Umsatz trotz mieser Konsumlaune um erstaunliche 6,3 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro. Wichtiger noch: Die Kunden kommen zurück. Seit Jahresbeginn strömten zwei Millionen Menschen mehr in die Läden als im Vorjahreszeitraum. Saveuse hat die Öffnungszeiten fast flächendeckend bis 22 Uhr verlängert, die Preise gesenkt und vor allem eine rund 40 Millionen Euro teure Werbekampagne auf den Weg gebracht. Aber reicht das?

„Insgesamt ist Real auf einem deutlich besseren Weg als noch vor einem Jahr“, sagt Metro-Chef Cordes gegenüber der WirtschaftsWoche. Und auch die Tatsache, dass die Kunden zurückkehren, sei ein gutes Zeichen.

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