Einzelhandel: Showdown für Arcandor

Einzelhandel: Showdown für Arcandor

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Eine Kundin traegt sich am Freitag, 5. Juni 2009, im Karstadt Kaufhaus in Potsdam in von der Belegschaft ausgelegten Listen zum Erhalt der Kaufhauskette ein. Der angeschlagene Mutterkonzern Arcandor hofft auf Staatshilfen zur Sanierung. (AP Photo/Sven Kaestner) ---A customer signs a list created by Karstadt employees to demand help for Karstadt's owner Arcandor company in the Karstadt departement store in Potsdam, Germany, June, 5, 2009. Sign reads: we fight for Karstadt. (AP Photo/Sven Kaestner)

Fast wirkt es wie Ironie der Geschichte: Vor Jahren ging man hier zu Lande noch gegen die übermächtigen Warenhausgiganten auf die Straße - zur Rettung kleiner Tante-Emma-Läden.

Jetzt wankt mit Karstadt selbst einer der Riesen und die Mitarbeiter wollen mit Mahnwachen und Demonstrationen, staatliche Unterstützung erzwingen. Ob die Proteste etwas bewirken werden, ist offen. Das Schicksal von Arcandor wird in Berlin entschieden. Drei mögliche Szenarien:

Szenario I: Der harte Schnitt

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Erhält Arcandor keinerlei Staatshilfen, muss Konzernchef Karl-Gerhard Eick spätestens am kommenden Freitag Insolvenz anmelden. „Ich nehme heute jeden Tag die persönliche Verantwortung für zusätzliche Warenbestellungen auf mich",  sagte Eick jüngst im Interview mit der WirtschaftsWoche. "Das heißt, ich sage jeden Tag auf's Neue: Ja, ich bekomme das hin, ich kann das finanzieren. Aber das kann ich nur so lange tun, so lange es eine Chance gibt.“

Sagt Berlin generell "Nein", muss Eick diese Konsquenz ziehen, denn auch wenn Notverkäufe von Unternehmensteilen noch ein wenig Geld in die Kassen des Konzern spülen würden, wären die entsprechenden Transaktionen bis Freitag nicht umzusetzen. Dann jedoch werden Kredite über 650 Millionen Euro fällig, die Arcandor nicht aus eigener Kraft begleichen kann.

Kein Interesse an der Hauptverwaltung

Eine Insolvenz würde jedoch nicht bedeuten, dass die Tochterunternehmen Karstadt, die Versandsparte Primondo (Quelle) und der Reiseanbieter Thomas Cook von heute auf morgen ihren Geschäftsbetrieb einstellen.

Thomas Cook wäre von einer Arcandor-Insolvenz am wenigsten betroffen. Die Gesellschaft ist rechtlich eigenständig. Das bedeutet: Der Reisebetrieb geht ganz normal weiter. Die Gläubigerbanken, an die die Thomas-Cook-Anteile verpfändet wurden, würden in den nächsten Monaten nach einem Übernahme-Interessenten Ausschau halten. 

Auch bei Karstadt und Quelle würde der Geschäftsbetrieb erst einmal weiterlaufen. Ein Insolvenzverwalter müsste versuchen, die Unternehmensteile zu verkaufen. Zwar hat die Metro-Tochter Kaufhof Interesse an Karstadt angemeldet, sie würde im Insolvenzfall aber nur einen Teil des Filialnetzes übernehmen. Schon bei einer Fusion würden 40 bis 50 Standorte wegfallen. Bei einem Kauf aus der Insolvenz heraus könnte die Zahl noch deutlich steigen. Vor allem Doppelstandorte und Verlustbringer würden wohl wegfallen.

In 33 Städten sind beide Warenhausunternehmen mit mindestens einer Filiale vertreten. Auch für die Versandsparte – insbesondere die Spezialversender – gibt es Interessenten. So hat die Hamburger Otto-Gruppe bereits Kaufbereitschaft signalisiert.

Dramatisch dürfte der Stellenabbau unterdessen in der Essener Hauptverwaltung von Karstadt ausfallen. Wer auch immer das operative Geschäft übernimmt, an dem teuren Verwaltungsapparat mit 2000 Mitarbeitern besteht kaum Interesse.

Szenario II: Der Mittelweg

Aktuell sieht es so aus, als würde Arcandor zwar nicht die gewünschten Bürgschaften über 650 Millionen Euro erhalten, dafür aber einen so genannten Rettungsbeihilfekredit über 437 Millionen Euro. Arcandor-Chef Eick betonte, Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hätten dem Unternehmen „in persönlichen Gesprächen die Hand gereicht und uns diese Lösung empfohlen“.

Eicks Problem ist allerdings, dass die Summe nicht reicht um den 650-Millionen-Euro-Kreit zu bedienen. Ob die Banken bereit sind ihre Tranchen auf der Notkreditbasis zu verlängern und wie Eick den Differenzbetrag überbrücken will, ist derzeit noch unklar.

Zumindest die Bundesregierung erwartet ein stärkeres Engagement der Arcandor-Eigentümer, der Familie Schickedanz und der Privatbank Sal. Oppenheim. Beide zusammen halten etwa 60 Prozent der Anteile. Die Eigentümer hätten aus Sicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel Mittel und Möglichkeiten, um dem Unternehmen zu helfen, heißt es in Berlin.

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