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Einzelhandel: Showdown für Arcandor

von Henryk Hielscher

Fast wirkt es wie Ironie der Geschichte: Vor Jahren ging man hier zu Lande noch gegen die übermächtigen Warenhausgiganten auf die Straße - zur Rettung kleiner Tante-Emma-Läden.

Eine Kundin traegt sich am Quelle: AP
Eine Kundin traegt sich am Freitag, 5. Juni 2009, im Karstadt Kaufhaus in Potsdam in von der Belegschaft ausgelegten Listen zum Erhalt der Kaufhauskette ein. Der angeschlagene Mutterkonzern Arcandor hofft auf Staatshilfen zur Sanierung. (AP Photo/Sven Kaestner) ---A customer signs a list created by Karstadt employees to demand help for Karstadt's owner Arcandor company in the Karstadt departement store in Potsdam, Germany, June, 5, 2009. Sign reads: we fight for Karstadt. (AP Photo/Sven Kaestner) Quelle: AP

Jetzt wankt mit Karstadt selbst einer der Riesen und die Mitarbeiter wollen mit Mahnwachen und Demonstrationen, staatliche Unterstützung erzwingen. Ob die Proteste etwas bewirken werden, ist offen. Das Schicksal von Arcandor wird in Berlin entschieden. Drei mögliche Szenarien:

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Szenario I: Der harte Schnitt

Erhält Arcandor keinerlei Staatshilfen, muss Konzernchef Karl-Gerhard Eick spätestens am kommenden Freitag Insolvenz anmelden. „Ich nehme heute jeden Tag die persönliche Verantwortung für zusätzliche Warenbestellungen auf mich",  sagte Eick jüngst im Interview mit der WirtschaftsWoche. "Das heißt, ich sage jeden Tag auf's Neue: Ja, ich bekomme das hin, ich kann das finanzieren. Aber das kann ich nur so lange tun, so lange es eine Chance gibt.“

Sagt Berlin generell "Nein", muss Eick diese Konsquenz ziehen, denn auch wenn Notverkäufe von Unternehmensteilen noch ein wenig Geld in die Kassen des Konzern spülen würden, wären die entsprechenden Transaktionen bis Freitag nicht umzusetzen. Dann jedoch werden Kredite über 650 Millionen Euro fällig, die Arcandor nicht aus eigener Kraft begleichen kann.

Kein Interesse an der Hauptverwaltung

Eine Insolvenz würde jedoch nicht bedeuten, dass die Tochterunternehmen Karstadt, die Versandsparte Primondo (Quelle) und der Reiseanbieter Thomas Cook von heute auf morgen ihren Geschäftsbetrieb einstellen.

Thomas Cook wäre von einer Arcandor-Insolvenz am wenigsten betroffen. Die Gesellschaft ist rechtlich eigenständig. Das bedeutet: Der Reisebetrieb geht ganz normal weiter. Die Gläubigerbanken, an die die Thomas-Cook-Anteile verpfändet wurden, würden in den nächsten Monaten nach einem Übernahme-Interessenten Ausschau halten. 

Auch bei Karstadt und Quelle würde der Geschäftsbetrieb erst einmal weiterlaufen. Ein Insolvenzverwalter müsste versuchen, die Unternehmensteile zu verkaufen. Zwar hat die Metro-Tochter Kaufhof Interesse an Karstadt angemeldet, sie würde im Insolvenzfall aber nur einen Teil des Filialnetzes übernehmen. Schon bei einer Fusion würden 40 bis 50 Standorte wegfallen. Bei einem Kauf aus der Insolvenz heraus könnte die Zahl noch deutlich steigen. Vor allem Doppelstandorte und Verlustbringer würden wohl wegfallen.

In 33 Städten sind beide Warenhausunternehmen mit mindestens einer Filiale vertreten. Auch für die Versandsparte – insbesondere die Spezialversender – gibt es Interessenten. So hat die Hamburger Otto-Gruppe bereits Kaufbereitschaft signalisiert.

Dramatisch dürfte der Stellenabbau unterdessen in der Essener Hauptverwaltung von Karstadt ausfallen. Wer auch immer das operative Geschäft übernimmt, an dem teuren Verwaltungsapparat mit 2000 Mitarbeitern besteht kaum Interesse.

Szenario II: Der Mittelweg

Aktuell sieht es so aus, als würde Arcandor zwar nicht die gewünschten Bürgschaften über 650 Millionen Euro erhalten, dafür aber einen so genannten Rettungsbeihilfekredit über 437 Millionen Euro. Arcandor-Chef Eick betonte, Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hätten dem Unternehmen „in persönlichen Gesprächen die Hand gereicht und uns diese Lösung empfohlen“.

Eicks Problem ist allerdings, dass die Summe nicht reicht um den 650-Millionen-Euro-Kreit zu bedienen. Ob die Banken bereit sind ihre Tranchen auf der Notkreditbasis zu verlängern und wie Eick den Differenzbetrag überbrücken will, ist derzeit noch unklar.

Zumindest die Bundesregierung erwartet ein stärkeres Engagement der Arcandor-Eigentümer, der Familie Schickedanz und der Privatbank Sal. Oppenheim. Beide zusammen halten etwa 60 Prozent der Anteile. Die Eigentümer hätten aus Sicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel Mittel und Möglichkeiten, um dem Unternehmen zu helfen, heißt es in Berlin.

24 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.06.2009, 10:03 UhrAnonymer Benutzer: Realist

    jedenfalls ist eines nach der Europawahl ganz klar. Niemand will die Schuldenpolitik der Sozialdemokraten!!! Also bleibt nur die insolvenz. Uns das ist auch gut so!!

  • 07.06.2009, 23:45 UhrAnonymer Benutzer: Matrix65

    Es ist nur noch peinlich und lächerlich wie Arcandor agiert und es zeigt, was für schlechte Händler sie sind und warum sie in dieser Situation sind.
    Statt eine echte Lösung zu finden und vor allem vorzuschlagen, spielen sie sich auf, stellen inakzeptable Forderungen gegenüber Metro (sonst hätte Cordes nicht so reagiert) und versuchen auch noch Druck auf die Regierung auszuüben. Aber Merkel und Co. werden sich sicher nicht unter Druck setzen lassen. ich hoffe es zumindest! Jetzt bringen sie auch noch, viel zu spät, Primondo ins Spiel und fordern die Regierung auf hiefür eine Lösung zu finden (Notkredit), statt eine vorzuschlagen. Wie kann man nur so agieren? Es ist mir völllig unverständlich! Arcandor muss eine Lösung finden und nicht die anderen aber wer macht Vorschläge? Doch nur Cordes und die bundesregierung und Arcandor spielt sich immer noch als Macker auf, obwohl ihnen das Wasser bis zum Hals steht:"Nein das wolllen wir nicht, das ist uns nicht genug Geld, wir wollen unter Gleichen verhandeln, wie wollen eine Fusion und keinen Kauf"! Der Schaden den das image des Unternehmens gerade nimmt ist aus meiner Sicht in mehreren hundert Millionen Euro Umsatz zu beziffern. Aber das vergessen die Herren da oben wieder einmal. Es ist alles so chaotisch und daran ist nur Arcandor Schuld! Kein vernünftiger Mensch würde da auch nur einen Euro hineinstecken! Als Konzernmitarbeiter sage ich nur: hoffentlich kommt morgen der insolvenzantrag. Es wäre eine Erlösung!

  • 07.06.2009, 23:39 UhrAnonymer Benutzer: modo

    ich hoffe nur morgen ist endlich Schluß! Für Arcandor.

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