Einzelhandel: Tchibo: Gute Stimmung im Kaffeehaus

Einzelhandel: Tchibo: Gute Stimmung im Kaffeehaus

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Eine Filiale der Tchibo Holding in Hamburg

Weniger bringt mehr: Nach dem Hamburger Kaffeeröster Tchibo die Zahl seiner Filialen im vergangenen Jahr reduziert hat, steigt der Gewinn wieder. Ob Tchibo tatsächlich die Wende gelungen ist, oder die Zahlen nur eine Momentaufnahme sind, bleibt aber offen. Die Melange aus Kaffee und Schnäppchen hat viel von ihrem Reiz verloren.

Die Testergebnisse kamen zur Unzeit. Mancher Kaffee schmecke „modrig-muffig“ oder nach „feuchter Pappe“, monierten Tester der Stiftung Warentest in einer heute veröffentlichten Untersuchung. Auch eine Mischung von Tchibo – der Gran Cafe – wurde von der Testern mit der Note „mangelhaft“ abgewatscht. Ausgerechnet.

Denn eigentlich wollte Tchibo heute endlich mal wieder mit positiven Nachrichten glänzen. „Seit Juni 2008 sind wir auf dem richtigen Weg“, sagte der Finanzvorstand der Tchibo-Holding Maxingvest, Yves Müller, bei der Präsentation der Bilanz für 2008. „Tchibo“, so sein Fazit, „hat die Trendwende geschafft.“

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Tatsächlich sind die Zahlen solide und geben Hoffnung auf eine Besserung des Geschäfts. Doch Anlass zum Jubel besteht nicht. Auf vergleichbarer Fläche ist der Umsatz im zweiten Halbjahr 2008 um sechs Prozent gewachsen. Im Gesamtjahr ging er allerdings noch um neun Prozent auf 3,22 Milliarden Euro zurück, nachdem der größte Kaffeeverkäufer in Deutschland sein Vertriebsnetz ausgedünnt hatte. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg auf 71 nach 23 Millionen Euro im Vorjahr.

Tchibo hat Trends verschlafen

Ob damit die grundsätzlichen Probleme von Tchibo bewältigt sind, darf bezweifelt werden. Discounter wie Aldi, Lidl und Kaufland verkaufen Gartenscheren, Jacken und Pfannen in ihren Läden oft preiswerter als Tchibo.

Immer wieder hat das Hamburger Kaffeeimperium versucht gegenzuhalten. Früher konterten es die Billig-Attacken noch mit der Qualität der Ware und neuen Ideen wie Mobilfunk- oder Reiseofferten. Später sollte der ehemalige Chefdesigner von adidas, Michael Michalsky, Tchibo mit frischer Mode und einem neuen Label zu mehr Glamour verhelfen. Doch der Michalsky-Plan misslang.

Unterdessen wurden im Kaffeebereich gleich mehrere Trends verschlafen. Coffeeshops wie Starbucks und Balzac machten Tchibo vor, wie man mit Latte macchiato und anderen Neuigkeiten junge Leute begeistert. Auch den Trend zu Einzelportionen in der Maschine, den so genannten Pads, nahm Tchibo zunächst nicht ernst.

Immerhin: Inzwischen wurde im Kaffeebereich eine Aufholjagd gestartet, die erste Erfolge zeigt. Zugleich hat das Unternehmen auf Fläche verzichtet, die sich nur schwer vermarkten ließ.

Optimismus in der Holding

Tchibo hatte 2008 sein Netz um elf Prozent auf rund 900 Filialen ausgedünnt. Die Menge der unverkauften Waren sei seither um 30 Prozent gesunken, hieß es heute.

Auch auf Holding-Ebene ist man optimistisch. Für das laufende Jahr stellte der scheidende Vorstandschef Arno Mahlert einen trotz der Rezession stabilen Umsatz und eine leichte Ergebnisverbesserung in Aussicht. „Wir nehmen die Krise schon sehr ernst und wissen, dass das nicht in zwei bis drei Monaten vorbei sein wird“, sagte Mahlert, der sein Amt an den Familieneigentümer Michael Herz und den ehemaligen Drägerwerk-Manager Thomas Holzgreve übergibt. Doch die Beseitigung alter Fehler werde das Ergebnis nach oben treiben.

„Viel ist noch zu tun bei Tchibo“, sagte Mahlert. „Aber wir wissen, wie es geht.“ Bis zum nächsten Jahr soll sich die Umsatzrendite auf fünf Prozent mehr als verdoppeln. Dafür will sich Tchibo aus Großbritannien zurückziehen, während das Geschäft in Osteuropa und der Türkei ausgebaut werden soll.

Zum Maxingvest-Konzern der Familie Herz gehören auch gut 50 Prozent am Tesa- und Nivea-Hersteller Beiersdorf. Dessen erfolgreiches Jahr ließ den Konzernüberschuss vor Steuern von 613 auf 880 Millionen Euro steigen. Der Umsatz stieg um 1,4 Prozent auf 9,19 Milliarden Euro.

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