Ekkehard Schulz: Letzter Auftritt des ThyssenKrupp-Chefs

Ekkehard Schulz: Letzter Auftritt des ThyssenKrupp-Chefs

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Der scheidende ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz hält in Essen seine letzte Pressekonferenz ab

von Andreas Wildhagen

In der funkelnagelneuen Konzernzentrale in Essen tritt Ekkehard Schulz erstmals zur Bilanzpressekonferenz auf - gleichzeitig auch zum letzten Mal. Er scheidet aus, beendet seine Berufslaufbahn und wird einfacher Aufsichtsrat.

Die Bühne ist neu, der Hauptdarsteller in Ehren silberschimmernd ergraut: Ekkhard Schulz, fast zehn Jahre lang Chef des Technologie- und Stahlkonzerns ThyssenKrupp, gibt seine letzte professionelle Vorstellung. Nach schweren Verlustjahren des Unternehmens, dem er vierzig Jahre lang diente, kann er nun erleichtert Entwarnung geben: Die große Stahlkrise ist vorbei, die viel zu teuer geratenen Investitionen in zwei Stahlwerke in Übersee - Brasilien und USA - sind in der Konzernrechnung voll verdaut. Das Unternehmen steht zwar nicht glänzend, aber mit verheilten Blessuren aus der großen Stahlkrise der Jahre 2008 und 2009 wieder halb gesundet da. Prognose: Optimistisch. Der historische Umzug der alten Düsseldorfer Konzernzentrale nach Essen ist durchgezogen. Der 1999 zu ThyssenKrupp fusionierte Konzern atmet nun vollends Krupp-Atmosphäre auf dem Gelände der alten Krupp-Gussstahlfabrik. Nun wendet Kapitän Schulz den Bug des Schwerschiffes in Richtung Wachstum. Das Ruder muss er abgeben. Am 21. Januar ist Schluss. Dann übernimmt Nachfolger Heinrich Hiesinger, ein ehemaliger Siemens-Manager, das Kommando - und Ekkehard Schulz geht in Pension.

Wachstum in Sicht

Die Voraussetzungen für Hiesinger und das Abgangs-Szenario für den unter Deutschlands Topmanagern beliebtesten Vorstandschef Schulz könnte nicht günstiger sein. Man hat jedenfalls in der Branche noch vor ein paar Monaten mit Schlechterem gerechnet. Nun wird weiteres Wachstum voraus gesichtet. Für Deutschland hat die Wirtschaftsvereinigung Stahl, die Lobbyvereinigung der Industrie, weiteren Schub der Rohstahlproduktion angekündigt, die allerdings etwas niedriger als in diesem Jahr ausfallen soll. Die heimische Branche rechnet nach Berichten von Reuters 2010 mit einem Plus von 35 Proeznt auf knapp 44 Millionen Tonnen. Was 2011 ergibt, das wird Ekkehard Schulz am Dienstag in Essen erläutern. Die boomende deutsche Exportindustrie, Autohersteller und Maschinenbau, bringen auch die Stahlzulieferer wieder ins Licht der Konjunktursonne. Die Hochöfen laufen wieder unter Volldampf, was kann es Schöneres für einen gelernten Hütteningenieur wie Ekkehard Schulz geben? So ziemlich gar nichts.

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Die Hauptversammlung wird für ihn zum Abschiedsfest. Dass er den Konzern nur im Stahl sanierte, den Industrie- und Automotive-Bereich aber so ziemlich unbeackert ließ, werden die Aktionäre ihm verzeihen. Allen voran der Großaktionär, die Krupp-Stiftung, die über 25 Prozent an ThyssenKrupp hält. Bis zuletzt hat die Stiftung unter Berthold Beitz und Gerhard Cromme, der auch Aufsichtsratschef von Thyssenkrupp ist, Schulz die Stange gehalten. Obwohl sich die Investitionen der zwei Neubau-Stahlwerke in Übersee auf 4,5 Milliarden Euro verdreifachten, konnte Schulz sein Sanierungswerk beginnen - und nun in Ehren von der großen Stahlbühne abtreten.

In ein bescheidenes Pensionärsdasein fällt Schulz dabei nicht. Ehemalige ThyssenKrupp-Vorstandschefs leben wie die Fürsten. Das Beispiel zeigt das Schloß, das der ehemalige Thyssen-Chef Dieter Spethmann in Düsseldorf bewohnt. Auch Heinz Kriwet residiert mit Rheinblick wie ein Stahlbaron außer Diensten. Schulz wird auch weiterhin Mitglied des Kuratoriums der Krupp-Stiftung sein, ein einfaches Mitglied - so wie im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp - eher ein Zuhörer, kein bohrender Frager.

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