Elektrokonzern: Siemens-Chef legt seinen Managern Daumenschrauben an

Elektrokonzern: Siemens-Chef legt seinen Managern Daumenschrauben an

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Siemens-Chef Peter Löscher: Bislang kann die Schmiergeldaffäre dem Elektrokonzern nichts anhaben - doch der Kampf gegen die Korruption hat viele Fronten

Bei der Vorstellung der Quartalszahlen gab Siemens-Chef Peter Löscher heute den erfolgreichen Firmenlenker: Im Gepäck hatte er ein kräftiges Umsatzplus und gut gefüllte Auftragsbücher. Bislang schlägt die Korruptionsaffäre nicht auf den Geschäftserfolg durch – doch einige Maßnahmen und Dokumente zeigen, an wie vielen Fronten Löscher zu kämpfen hat.

Siemens-Chef Peter Löscher kann zufrieden sein: Die Affäre um Schmiergeldzahlungen und schwarze Kassen bei Siemens kann den Erfolgen des Elektrokonzerns bislang nichts anhaben. Von April bis Juni 2008 steigerte Siemens sein operatives Ergebnis auf 2,1 Milliarden Euro, ein Drittel mehr als im Vorquartal. Auch beim Konzernumsatz und beim Auftragseingang gab es Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich.

Einzig und allein der Gewinn nach Steuern brach im Vergleich zum Vorquartal um ein Drittel auf 1,4 Milliarden Euro ein. Löscher erklärte dies mit einem Sondereffekt im Zeitraum Januar bis März, der den Gewinn im ersten Quartal aufgebläht habe.

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Laut Eigenangaben kommt Löscher bei Stellenabbau und Sparprogramm gut voran, an den Wachstumszielen hält er trotz der schwächeren Weltkonjunktur fest. Nach wie vor gilt somit Löschers Vorgabe, doppelt so schnell wie die Weltwirtschaft wachsen zu wollen. Das könnte ihm bei einer schwächeren globalen Konjunktur sogar leichter fallen.

Manager-Gehälter mit Compliance-Verpflichtung

Eine echte Management-Neuerung hatte Löscher heute auch in petto – und ihre Auswirkung fällt erst auf den zweiten Blick auf. Ab Oktober 2008 tritt ein neues Vergütungsschema für Siemens-Manager in Kraft. Abhängig von ihrer Position müssen sie Siemens-Titel im Gegenwert von 50 bis 300 Prozent ihres jährlichen Brutto-Fixeinkommens dauerhaft halten.

500 hochrangige Siemens-Manager will Löscher so zum Besitz von Aktien des eigenen Unternehmens zwingen. Kursverluste werden die Manager in Zukunft mehr schmerzen als bisher. Dahinter steckt das Kalkül, dass sie sich schon allein aus diesem Grund künftig genauer an die Anti-Korruptionsvorschriften halten werden.  

Die Daumenschrauben setzt Löscher seinen wichtigsten Untergebenen aber auch mit einer anderen Vergütungs-Neuerung an. Denn künftig wird ein Teil des Gehalts danach bemessen, wie stark sich der Manager an die Compliance-Vorschriften gehalten hat. Bei den Top50-Managern des Konzerns hängt somit ein Siebtel des Manager-Bonuses von der Einhaltung der Vorschriften ab.

Kampf gegen Korruption ist noch nicht gewonnen

Doch all diese Maßnahmen zeigen auch, wie sehr der Konzern mit der Korruption im eigenen Haus zu kämpfen hat. An wie vielen Fronten Löscher präsent sein muss, offenbart ein Dokument mit dem unscheinbaren Titel „Rechtsstreitigkeiten – Drittes Quartal des Geschäftsjahres 2008.“ Auf acht Seiten listet der Konzern penibel die Ermittlungen wegen Korruptionsdelikten auf. Gegen Siemens-Mitarbeiter wird in Deutschland, Norwegen, Italien, Russland, Österreich, Malaysie, Polen, den USA und noch einigen anderen Ländern ermittelt – unter anderem ausgerechnet in Nigeria.

Solche Rechtsstreitigkeiten sind teuer: Von April bis Juni hat Siemens 119 Millionen Euro an externe Berater bezahlt. Diese Aufwendungen standen laut dem Dokument „im Zusammenhang mit den Untersuchungen mutmaßlicher Verstöße gegen Anti-Korruptionsgesetze und […] Maßnahmen zur Beseitigung von Schwächen des internen Kontrollsystems.“ Seit Oktober 2007 hat Siemens mehr als 400 Millionen Euro an Anwälte und Berater überwiesen.

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