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Elektrokonzern: Stellenabbau bei Siemens ist ohne Alternative

von Michael Kroker

Der Elektrokonzern Siemens hat angekündigt, 4200 Stellen in seiner IT-Sparte SIS abzubauen, davon 2000 in Deutschland. Der Schritt ist notwendig, weil die Münchner im IT-Geschäft seit Jahren mit den Kosten hinterher hecheln. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Michael Kroker.

Michael Kroker
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„Wir wollen einen Rahmen schaffen, damit sich die Sparte regional und geschäftlich fokussierter im Wettbewerb behaupten kann“, sagte Siemens-Chef Peter Löscher. Das war Ende Dezember 2009 im Interview mit der WirtschaftsWoche. Wenn man so will, war dies die vorgezogene – wenn auch verklausulierte – Zusammenfassung dessen, womit der Münchner Elektrokonzern heute für Furore sorgt: Siemens streicht in seiner IT-Sparte SIS insgesamt 4200 Stellen, das sind rund 12 Prozent der weltweit 35.000 Beschäftigten.

Deutschland ist überproportional betroffen: Hierzulande sollen 2000 von 9700 SIS-Leuten gehen, fast 21 Prozent aller Mitarbeiter. Mit dann nur noch 30.800 Mitarbeitern soll SIS vom 1. Oktober 2010 an, dem Beginn des kommenden Geschäftsjahres, als komplett eigenständiges Unternehmen an den Start gehen.

„Wir müssen die SIS-Organisation dem gesunkenen Geschäftsvolumen anpassen“, so Siemens-Personalvorstand Siegfried Russwurm am Donnerstagnachmittag. Allein im vergangenen Geschäftsjahr fiel der Umsatz um 13 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Steuern schrumpfte von 144 Millionen Euro 2008 auf zuletzt 90 Millionen Euro. Dies also zur „geschäftlichen Fokussierung“. Die von Löscher im Dezember angesprochene regionale Fokussierung heißt nach heutiger Lesart: Konzentration auf die Kernmärkte in Europa, Amerika und Asien sowie die Reduzierung der SIS-Landeseinheiten um ein Viertel.

Für die SIS-Beschäftigten bedeutet die Entscheidung der Siemens-Führung einen harten Schnitt – obwohl sie ja durch Löschers Ankündigung der Verselbstständigung im Dezember schon vorgewarnt waren. „Wir sind entsetzt über die Höhe des Stellenabbaus“, so Birgit Steinborn, stellvertretende Gesamtbetriebsratschefin von Siemens, im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. „Das ist ein reines Restrukturierungsprogramm – Aussagen für die Zukunft fehlen völlig.“ Überdies ist es nicht das erste Mal, dass der IT-Ableger von Siemens strategische Umorientierungen und Abbaumaßnahmen über sich ergehen lassen muss. Löscher-Vorvorgänger Heinrich v. Pierer hatte der Sparte – seinerzeit noch unter dem Namen Siemens Business Services (SBS) – größere Selbstständigkeit verliehen, um auch im Geschäft mit Fremdkunden mitmischen zu können. Die Strategie ging wegen des steigenden Preisdrucks und Managementfehlern nicht auf. Pierer-Nachfolger Klaus Kleinfeld integrierte die Sparte 2007 wieder. Jetzt erfolgt zum 1. Oktober also die nächste Rolle zurück.

Verhandlungen stets erfolglos

Dennoch ist der jetzige Schritt alternativlos: Jahrelang sind erst Pierer, dann Kleinfeld und jetzt Löscher durch die Unternehmenslande getingelt und haben SBS/SIS wie sauer Bier zu Verkauf angeboten. Mal sollte der Interessent der US-Wettbewerber CSC sein, dann der japanische Partner Fujitsu, zuletzt sprach Siemens offenbar mit der Deutschen Telekom. Doch stets blieben die Verhandlungen erfolglos, unter anderem deshalb, weil „in dem Laden zu viel umgebaut werden müsse“, wie es oft aus dem Umfeld der einstigen Interessenten hieß. Will Siemens ein zweites Desaster wie im Falle des überhasteten Verkaufs der Handy-Sparte an BenQ mit der späteren Pleite vermeiden, muss das Management um Löscher eben selber restrukturieren und verschlanken.

Genau das macht Personalchef Russwurm jetzt. Denn SIS hat in dem personalintensiven Service-Geschäft – unter anderem durch den Schwerpunkt im Hochlohnland Deutschland – einen Kostennachteil gegenüber Konkurrenten wie etwa IBM oder Accenture, die Teile ihres Standardgeschäfts längst in Indien oder anderswo abwickeln. Vielleicht ist für die betroffenen Siemensianer immerhin eines tröstlich: Die Kriegskassen von Siemens sind gut gefüllt, weil der Konzern auch in der größten Wirtschaftskrise der jüngeren Geschichte Milliardengewinne eingefahren hat. Chefpersonaler Russwurm hat denn auch klargestellt, man wolle den Abbau so sozialverträglich wie möglich gestalten und betriebsbedingte Kündigungen sollten nur das allerletzte Mittel sein. Dann sollte er sich auch nicht lumpen lassen und bei den Abfindungen großzügig sein. Immerhin hat Russwurm indirekt bereits angedeutet, dass er dies vorhat – eine Summe für die jetzt notwendigen Restrukturierungskosten wollte er nämlich nicht nennen.

Und es mag für die Betroffenen ebenfalls nicht tröstlich sein: Aber auch insgesamt passt die heutige Ankündigung ins Bild. Denn viele Beobachter erwarteten 2010 einen Fortgang des Sparprogramms bei Siemens. So prophezeite im Januar die WirtschaftsWoche, dass Siemens am Ende des laufenden Geschäftsjahrs 20.000 Leute weniger an Bord haben werde. Zusammen mit dem Ende Januar bekannt gegebenen Abbau von 2000 Jobs im Industriegeschäft hat Löscher durch den Schnitt bei SIS nun schon rund ein Drittel jener Prognose erreicht.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 06.05.2010, 21:07 UhrAnonymer Benutzer: Fatima

    Der Stellenabbau bei Siemens, sowohl bei Energie alsauch bei indusstrie wurde allein durch interne Kosteneinsparziele verursacht. Dieser Druck kam aus Geldgier und nicht aus Wettbewerbsgründen zustande.
    Klartext: Nicht die Kosten sind im internationalen Wettbewerb zu hoch sondern manchen Aktionäre ist die Gewinnspanne zu niedrig.
    Es perifde dass Siemensmitarbeiter gekündigt werden weil das Managment fahrlässige Fehlentscheidungen getroffen hat.

  • 29.04.2010, 18:18 UhrAnonymer Benutzer: Ein SIS-Mitarbeiter

    Anscheinend sind Journalisten heutzutage nicht mehr in der Lage, Aussagen des Managements eines Unternehmens kritisch zu hinterfragen. Da ist es doch sehr viel einfacher, alles kritiklos nachzuplappern.
    Fakt ist, dass der Siemens Konzernvorstand dem SiS-Vorstand konzerninterne iT-Kostensenkungen vorgegeben hat, welche bei SiS einen Einbruch des Umsatzes und damit des Vorsteuerergebnisses im monatlich zweistelligen Millionenbereich bewirkten.
    im gleichen Atemzug beschwert sich dann der Konzernvorstand über diesen Umsatzeinbruch und verwendet ihn als begründung für den ach so nötigen Stellenabbau. Perfider geht es wohl nicht mehr.

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