Elektromobilität: Chinas geplatzter Traum

Elektromobilität: Chinas geplatzter Traum

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Elektroauto BYD E6

von Matthias Kamp

Vom gefeierten Star zum Krisenkonzern: Der chinesische Batterie- und E-Autohersteller BYD hat größere Probleme als bisher angenommen. Absatz und Gewinn befinden sich im freien Fall. Jetzt muss Daimlers Partner in China Stellen abbauen.

Vier goldene Säulen säumen den Eingang zur Konzernzentrale von BYD im südchinesischen Shenzhen. Davor stehen mehrere silberfarbene Pkw der Modellreihe F3DM – das Hybridfahrzeug von BYD. Einige sind an die rot-weißen Ladestationen angeschlossen. Auf dem Vorplatz fahren leise surrend Autos der Reihe E6 auf und ab. Es ist das Vollelektrofahrzeug des chinesischen Konzerns. Arbeiter in blauen Overalls laufen zwischen den Werkshallen und Bürogebäuden.

Nach außen herrscht bei BYD („Build your Dreams“) Routinebetrieb. Doch hinter den Mauern in Shenzhen rumort es kräftig. Von 2700 Stellen in der Verkaufsabteilung des Unternehmens sollen noch 800 übrig bleiben, hat BYD-Chef Wang Chuanfu entschieden. „Das sind sehr schlechte Nachrichten“, raunen sich die Mitarbeiter auf den Fluren bei BYD zu. Niemand werde entlassen, versucht indes Konzernsprecher Paul Lin zu beruhigen, es handele sich lediglich um eine Optimierung der Prozesse im Verkauf. Mit dem Stellenabbau zieht Wang die Konsequenzen aus den zuletzt immer schlechteren Zahlen, die das Unternehmen vorgelegt hat. Von April bis Juni sank der Gewinn bei BYD um 99 Prozent. Für das dritte Quartal rechnet das Unternehmen nun mit einem Verlust. Von Januar bis Juli schrumpfte der Pkw-Absatz des Herstellers um 23 Prozent, während der Gesamtmarkt in China um 5,9 Prozent zulegte.

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Bis vor kurzem Wunderkind der Branche

Dabei galt das Unternehmen, das einst als Hersteller von Handyakkus begonnen hatte, bis vor kurzem noch als Wunderkind der Branche. Investorenlegende Warren Buffett steckte 225 Millionen US-Dollar für einen zehnprozentigen Anteil in den Konzern. Auch deutsche Konzernlenker von Dieter Zetsche (Daimler) bis Martin Winterkorn (Volkswagen) standen bei „Chairman Wang“, wie sie den BYD-Chef ehrfürchtig nennen, Schlange, um eine Audienz zu bekommen. Vor allem BYDs vermeintlicher Vorsprung bei der Batterietechnik beeindruckte die Deutschen. Damit, so das Kalkül, könnten die Chinesen zu einem der weltweit führenden Anbieter von Autos mit Hybrid- und Elektroantrieben werden. Mit Daimler betreibt BYD seit gut einem Jahr ein Joint-venture. Die angepeilte Partnerschaft mit Volkswagen kam dagegen nie über eine Absichtserklärung hinaus.

Doch auch mit Preissenkungen von 20 Prozent konnte der Konzern mit seinen zehn Fabriken und 200000 Mitarbeitern den Absturz nicht aufhalten. Die Modelle gelten als phantasielos, manche Experten werfen BYD vor, schlicht ältere Modelle ausländischer Anbieter abgekupfert zu haben. Schon im vergangenen Jahr kam es zu einem Riesenkrach zwischen der Konzernspitze und den rund 1000 Händlern. Als die Regierung die Subventionen für Kleinwagen strich und der Absatz bei BYD zu sinken begann, belieferte das Unternehmen die Händler weiter mit Pkw. Die stauten sich dann auf den Höfen der Autohäuser. Inzwischen hat BYD nur noch 800 Händler.

Als regelrechter Reinfall muss das Geschäft mit Pkw und Bussen mit Alternativantrieben gelten. Lediglich einige Hundert Autos des Hybridmodells F3DM hat BYD bislang verkauft. Das Auto gilt als technisch nicht ausgereift, ebenso wie das Vollelektrofahrzeug E6. Dessen Markteinführung hat Konzernchef Wang immer wieder verschoben. Nun soll das Modell Ende des Jahres in die chinesischen Autohäuser kommen. Im kommenden Jahr will BYD das Fahrzeug nach Europa und in die USA exportieren. Zurzeit fahren in der Stadt Shenzhen im Rahmen eines Versuchs rund 300 E6 als Taxis.

In Changsha in Zentralchina hat Wang eine Fabrik für Elektrobusse gebaut. Kapazität: 3000 Stück pro Jahr. Doch auch hier läuft das Geschäft eher schleppend. In Changsha fährt ein Elektrobus, im südchinesischen Shenzhen zwei. In Spanien, Deutschland, den Niederlanden und Frankreich führt BYD zurzeit Pilotversuche mit den Ökobussen durch. Grund für das enttäuschende Geschäft mit den Elektro- und Hybridfahrzeugen in China ist auch der Streit in der Regierung um Subventionen. Bisher fördern die Behörden die Ökoautos versuchsweise in fünf Städten. Eine landesweite Regelung steht noch aus. Experten wie die Analysten bei IHS Global Insight sind sich inzwischen sicher, dass Chinas Regierung ihre Ziele zur Verbreitung von Elektrofahrzeugen verfehlen wird. Eine Million E-Autos sollen nach den Plänen der Behörden 2015 auf Chinas Straßen fahren.

Die Zusammenarbeit mit Daimler bleibe von der Krise bei BYD unberührt, betont Sprecher Paul Lin. In zwei Jahren werde man ein gemeinsames Elektroauto auf den Markt bringen. Design und Entwicklung seien bereits abgeschlossen, derzeit laufe die versuchsweise Produktion.

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