
Online-Banking nur noch vom Büro aus, private E-Mails bleiben unbeantwortet – für Katharina Sommer ist ihr kaputtes Notebook eine kleine Katastrophe. Zusätzliches Pech für die 29-jährige Berlinerin: Die einjährige Garantie auf das Gerät ist abgelaufen. Als Sommer bei ihrem Computerhändler vorspricht, ist sie schockiert: Die Reparatur des einst 1800 Euro teuren, nicht ganz zwei Jahre alten Notebooks soll 1000 Euro kosten. Letzter Versuch: ein Anruf bei der Hersteller-Hotline, Sommer bittet um Kulanz. Der Mitarbeiter lehnt ab: „Hätten Sie eine Garantieverlängerung gekauft, könnten wir helfen.“
Inzwischen bieten viele Händler und Hersteller von Fernsehern, Waschmaschinen und Computern Garantieverlängerungen an. Die Unternehmen – oder eine Versicherung im Hintergrund – garantieren dann drei bis fünf Jahre lang für die Qualität ihrer Geräte. Auf den ersten Blick für die Käufer eine feine Sache – ist ein Gerät defekt, gibt es keine nervigen Diskussionen über die Schuldfrage und keine teuren Reparaturen. Doch eine noch feinere Sache sind die Garantieverlängerungen für die Anbieter: Sie erzielen mit dem – nach Ansicht von Fachleuten oft stark überteuerten – Service deutlich bessere Gewinnmargen als mit dem Produktverkauf.
Das Geschäftsmodell mit den Garantien profitiert davon, dass die zweijährige gesetzliche Gewährleistungsfrist für den Käufer ihre Tücken hat: Geht ein Gerät mehr als ein halbes Jahr nach dem Kauf kaputt, muss nach deutschem Recht der Käufer nachweisen, dass es schon bei der Übergabe mangelhaft war. Und das gelingt ohne größeren Aufwand nur selten.
Verlässliche Zahlen, wie groß das Marktvolumen für Garantieverlängerungen hierzulande ist, gibt es nicht. Branchenkennern zufolge dürfte es mehrere Hundert Millionen Euro betragen. Ein Manager aus der Versicherungsbranche erwartet, dass der Markt sich in den kommenden fünf bis acht Jahren verzehnfacht. Kein Wunder, dass der Versicherungsriese Allianz konzernnahen Kreisen zufolge über einen Einstieg ins Geschäft nachdenkt. Denkbar wäre eine Partnerschaft mit dem Online-Versender Amazon. Der bietet in Deutschland noch keine Garantieverlängerungen an, denkt dem Vernehmen nach aber darüber nach. Auch der Elektronikhersteller Sony überlegt, ob er den Verkauf von Garantien über den eigenen Shop in Berlin hinaus ausweiten soll.
Das Bedürfnis der Kunden nach Sicherheit vor dem frühen Exitus technischer Geräte nimmt offenbar zu – auch wenn diese teuer ist. Verbraucher zahlen im Extremfall bis zu 70 Prozent vom Geräteneupreis für die Garantieverlängerung. „Mondpreise“ nennt das der Hamburger Versicherungsprofessor Martin Nell.
Eines der teuersten Angebote macht die MediMax-Kette, die zum Düsseldorfer Fachmarktverbund ElectronicPartner gehört. Für ihre „Maxigarantie“ auf ein 1099 Euro teures Notebook von Sony etwa verlangt sie monatlich zwölf Euro. „Mit einem kleinen monatlichen Betrag verlängern Sie Ihren Garantieschutz auf fünf Jahre und sind damit gegen unvorhergesehene und hohe Reparaturkosten bestens abgesichert“, heißt es auf der MediMax-Web-Site. Über fünf Jahre Garantielaufzeit summiert sich das auf 720 Euro.
Zwar sind bei dem Angebot, das MediMax zusammen mit dem britischen Garantieversicherer Domestic & General entwickelt hat, auch Fall-, Stoß-, Wasser- und Sandschäden versichert. Doch selbst beim 600-Euro-Fernseher, der nur daheim auf der Kommode steht, kassiert MediMax über fünf Jahre 360 Euro für die Zusatz-Garantie.
Wegen solcher Preise sind Garantieverlängerungen umstritten: „Viele Angebote sind hart an der Grenze zur Unanständigkeit“, urteilt ein deutscher Brancheninsider. Im US-Bundesstaat Florida sind sie teilweise verboten, um die Bevölkerung zu schützen. Die US-Unternehmensberatung Gartner rät Firmen, keine Garantieverlängerungen für PC zu kaufen. Sie seien „teuer und unnötig“. Kaputte Rechner auszutauschen sei billiger.
Günstiger als bei MediMax kommen Kunden beim Fachmarktverbund Expert weg. Bei Heimelektronik im Wert von 1100 Euro zahlen sie für eine auf fünf Jahre verlängerte Garantie einmalig 179 bis 225 Euro, je nachdem, mit welchem Versicherer der Fachhändler zusammenarbeitet und um welches Produkt es sich handelt. Aber auch manche Expert-Händler bieten ein Ratenmodell an, hinter dem hier der Spezialversicherer Wertgarantie steht. Bei ihm zahlen Kunden je Gerät insgesamt 444 Euro. Nimmt der Käufer in den fünf Jahren die Garantie in Anspruch, erhöht sich anschließend die Ratenzahlung, im teuersten Fall käme der Kunde auf insgesamt 660 Euro für die verlängerte Garantie.
Das Geschäft lohnt sich: Je verkauftem Vertrag bleiben 5 bis 40 Euro beim Shop, berichtet Oliver Wittig, Produktmanager für Versicherungen bei Expert. Den Rest kassieren die Versicherer dahinter. „Einige Läden können davon ihre Miete zahlen“, sagt Wittig. Ein süddeutscher Expert-Shop habe 2008 rund 5000 Abschlüsse verkauft.
Das beste Geschäft aber machen Branchenexperten zufolge Händler, die Garantien auf eigenes Risiko anbieten wie MediaMarkt und Saturn – mit zusammen acht Milliarden Euro Jahresumsatz die größten Elektronikhändler Deutschlands. Sie bieten Garantieverlängerungen zwar schon seit Mitte der Neunzigerjahre an. Seit einigen Monaten aber zieht die Werbung dafür kräftig an. Konzernnahen Kreisen zufolge greifen inzwischen 20 Prozent der Media-Saturn-Kunden, die versicherbare Geräte kaufen, zur Garantieverlängerung.













