EM-Einwurf: Keine Rede von Córdoba

EM-Einwurf: Keine Rede von Córdoba

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WirtschaftsWoche-Redakteur Hans Jakob Ginsburg

30 Jahre nach der Schmach von Córdoba. WirtschaftsWoche-Redakteur Hans Jakob Ginsburg zum heutigen EM-Spiel Deutschland gegen Österreich.

Haben Sie es nicht auch schon seit Tagen satt? Diese ständige Erinnerung an die Schmach von Córdoba, an das Wunder von Córdoba, diese aus deutscher Sicht so blöde Niederlage gegen Österreich bei der Weltmeisterschaft in Argentinien vor 30 Jahren.

Natürlich haben auch wir uns mit diesem Spiel bei der WM 1978 in Argentinien beschäftigt, als uns vor dieser Europameisterschaft die Idee kam, frühere interessante Begegnungen mit den Gegnern der deutschen Mannschaft Revue passieren lassen. Aber was jetzt passiert ist, geht zu weit. Bloß wegen des unterirdischen deutschen Kroatien-Spiels und der, sagen wir mal, passablen Darbietung der Österreicher gegen Polen machen die Kollegen von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" das österreichische Siegtor von 1978 zum Titelfoto auf Seite eins.

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Mein in anderen Zusammenhängen sehr sympathischer österreichischer Kollege prophezeit uns ein "Córdoba 2.0" und gibt mir den Tipp, diese Formulierung würde sich doch sehr lustig ausmachen an dieser Stelle. Finde ich nicht.

21.06.1978 in Córdoba Quelle: dpa

21.06.1978 in Córdoba (Argentinien): Österreich, mit Stürmer Walter Schachner (r.), schlägt Deutschland 3:2, mit Kapitän Berti Vogts (M.)

Bild: dpa

Schon seltsam, weil selbst die Österreicher sonst unsere gemeinsame Fußballgeschichte vergessen haben. Ganz gut so, denn wenn mein erwähnter Kollege von den beiden Länderspielen des Jahres 1931 erfährt - deutsche Heimniederlage in Berlin und Auswärtsniederlage in Wien, erst 0:6, dann 0:5 - schnappt er völlig über oder versinkt angesichts der weiteren Entwicklung in landestypischen Weltschmerz.

In den frühen 30er-Jahren waren die Österreicher eine Weile wohl die beste Nationalmannschaft der Welt, 1934 bei der ersten WM-Teilnahme reichte es dann doch nur zum vierten Platz nach einer 2:3-Niederlage gegen eine deutsche Elf. Von der ist ein Foto überliefert, auf dem sich die Mannschaft mit Hitlergruß dem Publikum in Neapel präsentiert.

Den längsten rechten Arm hat ein blonder Torwart namens Hans Jakob, nach dem ich ganz bestimmt nicht heiße. Bei der nächsten WM war er auch dabei, aber nur auf der Ersatzbank. Im Tor des Großdeutschen Reichs stand 1938 ein gewisser Rudolf Raftl von Rapid Wien: Ein Vierteljahr nach dem Anschluss Österreichs hatte der Reichstrainer und Parteigenosse Sepp Herberger auf höheren Befehl die politische Entwicklung auf dem Spielfeld nachzuvollziehen und mit einer gemischten Equipe von dreizehn Spielern aus dem "Altreich" und neun Wienern anzutreten.

Sieg auf dem Weg zum WM-Sieg 1954

Damals lief die WM von Anfang an nach K.o.-System, und k.o. gingen die Deutschen in der ersten Runde gegen die Schweiz: Erstes Spiel 1:1 nach Verlängerung, Wiederholungsspiel nach 2:0-Führung 2:4, weil reichsdeutsche Kämpfer und österreichische Ballkünstler überhaupt nicht zusammen fanden. An der schrecklichen weiteren Geschichte Europas hat die Episode nichts geändert, Fußball ist halt eine prinzipiell schöne Nebensache, sonst nichts.

Was uns natürlich nicht hindert, aus der Geschichte zu lernen. Zum Beispiel aus dem 6:1-Triumph Deutschlands im Halbfinale der Weltmeisterschaft 1954 in Basel: mit einem erfolgreich entnazifizierten Bundessepp, je zwei Toren der Brüder Fritz und Ottmar Walter aus Kaiserslautern, des Nürnbergers Max Morlock und des Kölners Hans Schäfer.

Morlock und Schäfer waren acht Jahre später die Mannschaftskapitäne (damals hieß das immer noch Spielführer) beim Endspiel um die Meisterschaft des DFB (siehe Bild links oben).

Und was lernen wir jetzt daraus? Ganz einfach: Wenn Deutschland bei einer WM gegen Österreich gewonnen hat, gewinnen wir hinterher auch jedes Spiel.

Wenn...

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