EnBW-Chef Hans-Peter Villis: "Jeder kann betroffen sein"

EnBW-Chef Hans-Peter Villis: "Jeder kann betroffen sein"

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Hans-Peter Villis

Der Chef des Energieversorgers EnBW bezeichnet seinen eigenen Konzern als atomlastig, klagt über die Netzbetreiber und fürchtet Stromengpässe in Baden-Württemberg.

Herr Villis, Sie leiten einen staatlich dominierten Energieversorger in Baden-Württemberg, wo nun ein grüner Ministerpräsident regiert. Sie sind Atombefürworter, Winfried Kretschmann ist das Gegenteil. Er will, dass EnBW aus der Kernkraft aussteigt. Das riecht nach Zoff.

Villis: Herr Kretschmann ist ein vernünftiger Mann und Realist. Für mich ist Kernenergie kein Selbstzweck, ich bin Energiewirtschaftler und ebenfalls Realist. Und als Energiemanager stehe ich unter anderem auch für den Ausbau der erneuerbaren Energien bei der EnBW und für Energieeffizienz. Wenn sich das Land nun als neuer Gesellschafter mit den Themen der EnBW näher als bisher befasst, werde ich alles tun, um es dabei zu unterstützen. Operativ will Herr Kretschmann aber nicht bei uns eingreifen, das hat er mir bereits versichert. Das ist ja auch nicht sein Job als künftiger Ministerpräsident, das ist Aufgabe des Aufsichtsrates und des Vorstands von EnBW.

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Im Mai kann es nach Gerüchten aus den Chefetagen der Energiewirtschaft zu einer Stromlücke kommen wegen der Abschaltung von Atomkraftwerken und weiteren Revisionen, sodass 13 von 17 deutschen Meilern dann keinen Strom mehr liefern?

Villis: Bei uns steht eine seit rund einem Jahr geplante Revision im Kernkraftwerk Philippsburg II an. Da Philippsburg I und auch Neckarwestheim 1 durch das Moratorium vom Netz sind, stehen beide Reaktoren für die Stromversorgung nicht zur Verfügung. Die für die Stabilität der Netze wichtigen Reserveleistungen sind somit deutlich reduziert, das heißt, Stromausfälle werden damit wahrscheinlicher. Wir fürchten, dass es zu Problemen kommen kann. Diese werden insbesondere in Süddeutschland auftreten. Wir als EnBW werden jedoch alles Mögliche tun, dass es so weit nicht kommt.

Droht bei Daimler wegen Stromausfällen ein Stillstand der Bänder?

Villis: Ich kann nicht ganz ausschließen, dass wir als EnBW in Ausnahmesituationen kurzfristig nicht in der Lage sein werden, die von den deutschen Netzbetreibern benötigten Strommengen ersatzweise zur Verfügung zu stellen – auch wenn wir noch über Kapazitäten bei alten Kohlekraftwerken verfügen, die wir bei Bedarf mit hohen CO2-Kosten hochfahren. Eine solche Ausnahmesituation in den Netzen würde aber alle Stromerzeuger und alle Netzbetreiber in Deutschland und sogar darüber hinaus herausfordern.

Noch mal, bei Daimler kann es zu Versorgungsproblemen kommen?

Villis: Daimler steht hier stellvertretend für Verbraucher. Wenn es zu Instabilitäten im Netz kommt, könnte jeder in Deutschland davon betroffen sein. Das ist im Bereich des Möglichen. Denn wenn wichtige Erzeugungsanlagen vom Netz genommen werden, kann ich nicht zu 100 Prozent garan-tieren, dass es auch zu Spitzenlastzeiten immer genug Strom in Deutschland gibt. Erzeugung und Verbrauch müssen sich immer noch die Waage halten, das ist Physik.

Hohes Gut

Ihr neuer Mehrheitseigner, das grün-rot-regierte Baden-Württemberg, verlangt das von EnBW aber, auch um zu beweisen, dass Atomkraftwerke ersetzbar sind.

Villis: Die Netzstabilität ist ein hohes Gut, und es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir alles tun, um diese aufrechtzuerhalten. Ob die Kernkraft kurzfristig ersetzbar ist oder ob wir sie noch eine absehbare Zeit benötigen, darüber gibt es divergierende Meinungen. Zudem haben wir auch noch einen zweiten Großaktionär, die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke OEW. Die halten ebenfalls 46,55 Prozent. Richtig ist, dass die EnBW noch auf Kernenergie angewiesen ist und deshalb ein Stück weit neu aufgestellt werden muss. Das will auch ich. Und deshalb investieren wir ja auch erheblich in erneuerbare Energien.

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