Ende der Ära Bernotat : Dauerkronprinz Teyssen steht bei E.On in den Startlöchern

Ende der Ära Bernotat : Dauerkronprinz Teyssen steht bei E.On in den Startlöchern

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ARCHIV - Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzender des Stromproduzenten E.ON Energie AG laechelt zu Beginn der Jahrespressekonferenz des Unternehmens am 16. Juni 2005 in Muenchen in die Kamera. E.ON-Chef Wulf Bernotat wird den Chefsessel im Mai 2010 raeumen. Zur Nachfolgeregelung machte der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Hartmann zunaechst keine Angaben. Als Kronprinz gilt jedoch der seit 2007 fuer das operative Geschaeft zustaendige stellvertretende Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen.

E.On-Vizechef und Dauerkronprinz Johannes Teyssen wird offenbar die Führung von E.On übernehmen. Teyssen wird den Energiekonzern von Grund auf umkrempeln. Denn es sieht nicht gut aus, im Innern des Hauses E.On.

Wie ein Marathonläufer wirkt er - der 49-jährige Jurist Johannes Teyssen, der nach Angaben von E.On-Managern noch vor der Sommerpause den noch amtierenden Wulf Bernotat auf dem Chefposten von E.On nachfolgen soll. Der Hildesheimer, der bereits seit fünf Jahren im Konzernvorstand den Strom- und Gasvertrieb verantwortet, hat drei Attribute: den langen Atem eines Langstreckenläufers, die Zähigkeit eines Kaugummis und jede Menge Ehrgeiz.

Er verfügt über die besondere Eigenschaft, über lange Zeitdistanzen im Verborgenen seine Machtposition auszubauen, den Kopf jedoch für Publicity und Talkrunden eigentlich nie ins Scheinwerferlicht zu strecken - bisher jedefalls nicht. Doch das wird sich nun ändern. Wulf Bernotat, der im Konzern geachtete - und von einer Seelenruhe gesegnet, die an äußerliche Gleichgültigkeit grenzt - will nicht mehr als 62-Jähriger den größten privaten Energiekonzern Europas mit 87 Milliarden Euro Umsatz führen.

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Rein rechnerisch wird er im Mai 2010 ausscheiden - ob er in den Aufsichtsrat wechselt ist ungewiss. Aber schon weit vorher - schon in wenigen Wochen, wie hochrangige E.On-Manager versprechen, wird Dauerkronprinz Teyssen die Führung von E.On übernehmen und die Ära Bernotat beenden. Das Unternehmen steht nicht gut da - nach Kriterien der Energiewirtschaft, die sich nie mit Luftballonherstellern oder Automobilproduzenten vergleichen würde.

Johannes Teyssen soll bald vieles anders machen bei E.ON - zumindest in den Kernbereichen

Natürlich geht es dem wirtschaftlichen Umfeld noch viel dreckiger. Energiewirtschaft vergleicht sich mit Energiewirtschaft, und schaut mit einer Prise nonchanlanter Blasiertheit im Zweifelsfall nur auf sich selbst. Man ist sein eigener Motor und brauchte keinen Antrieb über Branchenvergleiche, Benchmarking oder Konkurrenzbeobachtung.

Und es sieht es nicht gut aus im Inneren des Hauses E.On. Johannes Teyssen soll bald vieles anders machen, zumindest in Kernbereichen. Der Gewinn hat sich zuletzt auf ein Sechstel reduziert und beträgt nur noch 1,3 Milliarden Euro. Der Grund: Hohe Wertberichtigungen auf Endesa-Unternehmensteile in Italien und auf E.On-Unternehmen in den USA, die nicht allein auf Bernotat zurückzuführen sind, aber dummerweise in seine Amtszeit fallen.

Zuviel Pech darf ein Vorstandschef nicht haben. Dass andere Vorstandschefs auch Pech haben - wen interessiert’s bei E.On? Der 6000 Kilometer von der Düsseldorfer Konzernzentrale entfernt liegende sibirische Stromproduzent OGK-4 sei zu teuer eingekauft worden und über die Kilometer- und Kulturdistanzen schwer zu kontrollieren, sagen Bernotats Inhouse-Kritiker.

Zur russischen Managementkultur gehört nun einmal das, was als Korruption im Westen verpönt ist. Die russische Strommarktliberalisierung, die den Russen natürlich wie im Westen höhere Strompreise einbrocken würde, liegt politisch in weiter Ferne. Treffen der E.On-Spitze mit Wladimir Putin in der Duma bringen nur Lippenbekenntnisse für die Liberalisierung - die aber nötig ist für Gewinne für E.On aus Russland.

Dass die Komplettübernahme des spanischen Versorgers Endesa nicht geklappt hat, ist Bernotat bei E.On nur halb verziehen worden. Ihm wurden mangelnde politische Sensibilitäten im Umgang mit der spanischen Regierung vorgeworfen, die Endesa quasi als ihr Eigentum betrachtet.

Nichts Besonders in der Energiewirtschaft.

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