Energie: Atom und Rome

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Atomkraftwerk Philippsburg (Baden-Württemberg)

Auf dem Podium eines nagelneuen Veranstaltungszentrums der alten Agrippinawerft am Kölner Rheinufer saßen das Oberhaupt des deutschen Club-of-Rome, der Chef des Kölner Energieversorgers Rheinenergie und der Rektor einer Bonner Realschule, die gerade einen Klimapreis gewonnen hat. Eine 13-jährige Schülerin bringt den Club-of-Rome-Chef mit Ihrer Frage in Verlegenheit.

Wer hat den größten Mut? Der Chef des deutschen Club-of-Rome, ein in Lübeck ansässiger Unternehmer, Jahrgang 1960, oder eine Bonner Schülerin, Jahrgang 1996? Das Mädchen, das auf die Emilie-Heyermann-Realschule geht, greift im Plenum beherzt zum Mikrophon und stellt mit sicherer Stimme eine Frage: Ob denn die Solarkraftwerke in der Wüste, die der Manager gerade als Lösung des Energie- und Klimaproblems vorgeschlagen hat, überhaupt sinnvoll seien. Denn immerhin müssten ja gigantische Leitungen von den sonnenbeschienenen Wüsten in die deutschen Wohnzimmer gelegt werden, die nicht gerade billig seien dürften. Besser sei es doch, die Solaranlagen gleich auf die Dächer der Häuser zu bauen, um die Leitungen zu sparen.

Die Frage verblüfft den Club-of-Rome-Strategen, der mit seinem Vorschlag eine offizielle Idee seiner internationalen Organisation promotet - eine Idee, die so phantasievoll wie unrealistisch ist. Das Mädchen Pia Charlotte Lorenz - sie geht in die Klasse 7a ihrer gerade mit einem Klimapreis geehrten Schule -  wird nun von den Experten des Podiums mit Belehrungen bombardiert. Erstens hat es Club-of-Rome-Chef Max Schön nicht so gemeint, bekommt sie zu hören, weil Schön ja für den Energiemix eintritt, also auch für Windräder und Gaskraftwerke. Solardächer in Deutschland seien ja auch ziemlich sinnlos, sagt der Chef des Kölner Energieversorgers Rheinenergie. Nun muss sie von ihrem Lehrer, den Bonner Konrektor Erwin Hülzhörster gerettet werden. Solardächer trügen dazu bei, auch symbolisch Mut zu machen, dass das Klimaproblem lösbar ist und nichts anderes habe seine couragierte Schülerin gemeint.

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Eiertanz eines Managers

Es wird für Schön an diesem Abend zu einem Eiertanz. Er fordert, dass sich nicht nationale Eigenbrötler, sondern "Weltökologen" der künftigen Energieproduktion annähmen. Wenn er von Lübeck nach Hamburg führe, würde er "keine Angst" haben, wenn er an einem Atomkraftwerk vorbeikommt. Und dann spricht er sich klar und deutlich für eine Atompolitik aus, die man von einem Club-of-Rome-Chef nicht erwartet hätte: "Ich bin für die Verlängerung von Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke, möchte aber das dies im Gesamtzusammenhang der Energieversorgung gesehen wird, zu der auch die Erneuerbare Energien, sprich Windräder und Solardächer, gehören."

Nachdem er das gesagt hat, bekommt er einen gehörigen Schreck: Nein, er möchte sich mit diesem Satz in der Öffentlichkeit nicht zitieren lassen. Schließlich lässt er sich erweichen, seine Forderung nach dem Ausstieg aus dem Ausstiegsbeschluss von Rot-Grün könne in der Öffentlichkeit zitiert werden, wenn dabei seine Liebe zu den Windrädern nicht verloren geht.

Geht nicht verloren, so wenig wie der bleibende Eindruck, dass eine intelligente Nachwuchsbürgerin mehr Mumm in den Knochen hat als ein gestandener Unternehmer und Weltuntergangsprophet, der die Zukunft der Atomkraft eigentlich nur hinter vorgehaltener Hand etwas verlängert sehen will.

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