Energie : Duell in Moskau

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RWE-Chef Jürgen Großmann

RWE-Chef Jürgen Großmann ringt mit dem Rivalen E.On um eine enge Partnerschaft mit dem russischen Staatskonzern Gazprom. Das soll die Probleme nach dem Atomausstieg lösen.

In einem Punkt wurde RWE-Chef Jürgen Großmann gerade von seinem Kollegen bei der Düsseldorfer E.On überholt: Johannes Teyssen hat die große Nach-Fukushima-Strategiedebatte im Aufsichtsrat schon hinter sich, Großmann muss diese bei RWE in Essen noch durchstehen. Das dürfte kein Spaß werden: Teyssen wurde zur Frage, wie es mit E.On und der deutschen Energiewirtschaft nach dem schnellen Abschalten der Atomkraftwerke weitergehen soll, vom Aufsichtsrat regelrecht „gegrillt“, wie ein Kontrolleur berichtet. Großmann steht eine solche intensive Befragung Anfang August noch bevor.

Beide Vorstandschefs scheinen hinter den Kulissen abseits der grellen Scheinwerfer bereits eine Antwort auf die quälenden Fragen der Aufsichtsräte vorzubereiten: Der Ausweg aus dem Dilemma nach dem Berliner Blitzausstieg aus der Kernenergie soll die Energiewirtschaft in Russland sein, genauer gesagt eine engere Partnerschaft mit dem staatsmonopolistisch regierten, mächtigen Energiekonzern Gazprom. In diesem nicht unbedingt handzahm auftretenden Partner sehen sowohl Großmann als auch Teyssen die Lösung für viele ihrer Probleme.

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Beide Großstromer stecken in der Sackgasse. Investitionen in Windparks allein reichen nicht für den Ersatz der 17 Atommeiler ab 2022, so viel steht fest. Eine Alternative sind neue Gaskraftwerke. Deren Bau lohnt sich aber nur dann, wenn die Investoren billig an das Erdgas herankommen, preiswerter, als es die zurzeit noch gültigen Langfristverträge, in der Branche Long Term Contracts (LTC) genannt, bisher zulassen. Die Versorger brauchen günstiges Gas, damit Gaskraftwerke profitabel laufen – und für diese neuen Lieferverträge müssen sich die Deutschen mit den Russen, die über 30 Prozent der weltweiten Erdgasvorräte verfügen, an einen Tisch setzen.

Bislang hat RWE das Russlandgeschäft buchstäblich verschlafen. Während sich Erzfeind E.On Bohrrechte auf sibirischen Gasfeldern sicherte und die europäischen Wettbewerber reihum Lieferverträge mit Gazprom abschlossen, ging RWE stets leer aus. Wohl aus Trotz legte sich Großmann mit dem Moskauer Gasriesen an: Anfang 2008 trat RWE dem Konsortium zum Bau der Nabucco-Pipeline bei, durch die Gas aus Zentralasien unter Umgehung Russlands in die EU geleitet werden soll. Großmann manövrierte sein Unternehmen damit in die Sackgasse: Zum einen wird Nabucco wohl nie gebaut, da die Gasquellen fehlen. Zum anderen verprellte er den eigentlichen Wunschpartner Gazprom.

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