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Energie: Duell von E.On und Enel verschärft sich

von andreas.wildhagen@wiwo.de

Gerade sechs Wochen ist es her, dass E.On in Spanien seine Pläne aufgeben musste, Endesa zu übernehmen. Der italienische Stromkonzern Enel funkte E.On-Chef Wulf Bernotat dazwischen. Nun setzt sich der Zweikampf in Russland fort. Enel-Chef Fulvio Conti hat Bernotat wieder übertrumpft.

dpa

Der Kampf der europäischen Energiekonzerne um Größe und Einflussgebiete setzt sich fort. Er wird zu einem Kampf zweier Männer, von denen gesagt wird, dass sie sich nicht sonderlich mögen: E.On-Vorsitzender Wulf Bernotat und Enel-Chef Fulvio Conti. Erst fuhr Conti dem E.On-Lenker in die Parade, als sein italienischer Stromkonzern Enel ein Konkurrenzangebot für Endesa abgab. Was Bernotats Pläne vereitelte, die deutsche E.On AG zum größten Energieversorger Spaniens zu machen. Jetzt schlägt Conti ein zweites Mal zu: E.On muss seinen Plan aufgeben, 25,03 Prozent an der russischen Stromgesellschaft OGK - 5 zu übernehmen. OGK-5 betreibt vier Kraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 8700 Megawatt. Enel überbot in der Auktion den Mindestpreis um fast 300 Millionen Euro und übertraf mit einem Aufschlag von 15 Prozent auf die gegenwärtige Börsenbewertung auch die Erwartungen der Analysten. "Wir konnten wegen unserer strengen Finanzierungsregeln nicht weiter aufstocken", heißt es bei E.On. Es fehlte also an 300 Millionen Euro, um zum Stromproduzenten mit Gewicht in Russland aufzusteigen. Das jedenfalls ist das erklärte strategische Ziel von E.On. Deutsche Marktbeobachter schütteln den Kopf über E.Ons Niederlage. Denn 300 Millionen Euro betrugen auch die Beratungskosten von Investmentbankern, Lobbyisten, Agenturen und Anwältskanzleien in Deutschland, Spanien und USA, die E.On aufbot, um Endesa - schliesslich vergeblich - ganz zu bekommen. "Die Beträge stehen in keinem Verhältnis", sagt ein Analyst. Noch vor wenigen Tagen hat E.On ein ehrgeiziges Investitionsprogramm in Höhe von 60 Milliarden Euro bekanntgegeben, um das zu tun, was in der Energiewirtschaft zur Zeit ganz oben auf der Agenda steht: wachsen und in neue Absatzgebiete vorstoßen, mit neuen Erzeugerkapazitäten und Kunden. Doch bisher war Enel immer ein bisschen schneller. Dabei hat E.On gegenüber den Italienern die weitaus bessere Ausgangsposition. E.On ist ein rein privates Unternehmen geworden, das streng nach Kapitalmarktregeln geführt wird. Enel dagegen ist zu einem Viertel immer noch staatlich. Darin gleicht Enel mehr dem deutschen E.On-Konkurrenten RWE, der seine Expansionspläne zur Zeit vollständig auf Eis gelegt hat. Aber das italienische Temperament des Enel-Chefs scheint ihn gegenüber den Niedersachsen Bernotat immer wieder in die Pole-Position bei Übernahmekämpfen zu bringen. Sein Temperament merkt man Conti dabei nicht an. Er wirkt stoisch, lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Darin ähnelt er Bernotat. Doch im Gegensatz zu dem Deutschen, der stur sein Ziel verfolgt und sich zurückzieht, wenn das Operationsfeld unübersichtlich wird, ist Conti zu spontanen, ja unberechenbaren Reaktionen zu Entschlüssen fähig. So wie bei Endesa - und jetzt bei OGK. Er wird auch bei weiteren Großprojekten E.On auf der Spur bleiben. Das nächste Ziel ist Finnland. Dort will der Staatskonzern Outokumpu ein Gemeinschaftsunternehmens gründen, dass ein Kernkraftwerk von bis zu 1800 Megawatt bauen will. E.On ist Favorit bei diesem Geschäft. Aber E.On war auch Favorit des Endesa-Managements und auch bei den Russen ziemlich nah dran - bevor Conti kam. Auch Enel würde gern ein Atomkraftwerk bauen, und für E.On bedeutete der Einstieg in Finnland auch der Wiedereinstieg in den Bau und den Betrieb von Kernkraftwerken, was in Deutschland politisch strikt verpönt ist. Vielleicht ist es das Umfeld, das Enel-Chef Conti etwas quirliger handeln lässt als Bernotat. Die Konzernzentralen unterscheiden sich fundamental. Während Bernotat in einem ruhigen Marmorbau residiert - hinter den Mauern eines Düsseldorfer Museums - wird Conti schon durch die schrille Geräuschkulisse vor seinem Geschäftsdomizil in Rom in permanenten Erregungszustand gehalten. Nach Spanien und Russland - nun Finnland. Das wenigsten bringt vielleicht etwas Abkühlung.

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