Energie: E.On: Von Eschwege nach Europa

KommentarEnergie: E.On: Von Eschwege nach Europa

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WirtschaftsWoche-Reporter Andreas Wildhagen

Der Richterspruch des BGH verbietet E.On den Einstieg bei den Stadtwerken an der Werra und eröffnet neue Chancen jenseits der Grenzen.

Der Kartellsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) hat gesprochen: Der Strom- und Gasriese E.On darf nicht mit einer Minderheitsbeteiligung bei den Stadtwerken Eschwege einsteigen. Damit bestätigten die Richter heute eine Entscheidung des Bundeskartellamts, dass E.On eine weitere Ausdehnung auf dem Flickenteppich von insgesamt 900 deutschen Stadtwerken untersagt. Der Konzern ist bereits bei über zweihundert Regionalversorgern engagiert und übt dort über ein Netzwerk von Mandaten in den Aufsichtsratsgremien einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Preisgestaltung aus. Gift für den Wettbewerb – befanden nun auch die höchsten Richter der Republik. Andere Anbieter wie Vattenfall hätten kaum eine Chance, eine ähnliche Marktmacht aufzubauen.

Doch der Schrecken des Verbots, bei den Stadtwerken an der Werra einzusteigen, hält sich nicht nur bei E.On in Grenzen. Denn schon lange will sich das Unternehmen von seiner größten Stadtwerkebeteiligung, der Thüga, trennen. Die Holding, in der 110 Kommunalversorger zusammengefasst sind, wacht mit ihren Beteiligungen über einen Umsatz von 15,5 Milliarden Euro. 3,5 Millionen Strom- und Gaskunden werden über die Thüga versorgt. Die Sperre in Eschwege ist für E.On der Beweis, dass es Wachstum im Inland kaum mehr geben kann.

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So strebt der Großversorger ins Ausland, um seine Operationsbasis auf ganz Europa zu verbreitern. Der Rückzug aus der Thüga geht einher mit dem Entschluss, sich auch vom deutschen Leitungsnetz zu trennen. Der Richterspruch beschleunigt diesen Rückzug auf Raten im deutschen Stammland nur noch. E. On wird in Zukunft internationaler und weniger deutsch sein. Damit entzieht sich der Konzern aber auch dem Einfluss, den manchen glauben, noch immer ausüben zu können, weil Versorger irgendwie staatsnah wirken. Besonders Politiker meinen, eine Entscheidungsbefugnis oder zumindest ein nicht unerhebliches Mitspracherecht bei der Strategie der Energiekonzerne zu haben. Das Urteil über Eschwege wird E.On darin bestärken, sein Gewicht von Deutschland weg zu verlagern.

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