Energie: Ein Rätsel namens Strompreis

Energie: Ein Rätsel namens Strompreis

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Stromzähler: Im intelligenten Haus von morgen schalten sich die Geräter erst ein, wenn der Strompreis am günstigsten ist

von Andreas Wildhagen

Der Verbraucher zahlt mehr - und es ist so gut wie egal, welche Argumente herumschwirren. Auch wenn Preise für Rohstoffe und Emissionszertifikate sinken - einen Grund gibt es immer, warum solche Effekte vielleicht beim Industrie-, aber niemals beim Haushaltskunden ankommen

Es ist verflixt - der Strompreis steigt. Strom wird in Deutschland ab 2010 für Millionen Verbraucher teurer. Mehr als 40 Energieversorger, darunter die Konzerne Vattenfall und EWE, ziehen die Preise an. Die Stromkosten steigen teilweise um fast 14 Prozent.

Woran liegt das? In den vergangenen Monaten sind einige Kostenfaktoren für den Strompreis gefallen. Industrie und private Stromverbraucher halten die Hand auf: Sie wollen etwas davon haben, dass zum Beispiel in den vergangenen achtzehn Monaten die Preise für Emissionszertifikate wegen der nachlassenden Wirtschaftsleistungen, Kurzarbeit und Stillständen, zum Beispiel von Hochöfen, bis zu 30 Prozent gesunken sind. Trotzdem sinkt der Strompreis nicht auf breiter Front - bei den Haushaltskunden jedenfalls nicht.

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Strompreise für Industriekunden sinken

Das hat einen einfachen Grund. Im Gegensatz zu Verträgen von Tarifkunden orientieren sich die Strompreise der Industrie sehr eng an der Strombörse in Leipzig. Für einen Industriekunden ist bei schwankenden Notierungen an der Börse von größter Bedeutung, wann er kauft. Seit Mitte 2008 sind die Preise für Lieferungen für das Jahr 2010 an der Strombörse stark gefallen. Zwischen dem Höchststand im Juli 2008 von 89 Euro pro Megawattstunde auf dem Tiefstand im Februar 2009 liegen 52 Prozent! Der Tarif für Haushaltskunden blieb von diesem Einkaufsvorteil unberührt.

Der Industriekunde allerdings profitiert. Stefan Dobelke, Chef der Strom-Einkaufsgenossenschaft mit dem etwas sperrigen Namen "Gesellschaft für Stromwirtschaft" mit Sitz in Mülheim an der Ruhr, ist Profi-Einkäufer für Industriekunden mit gewaltiger Grund- und Spitzenlast - mit so mächtigen Stromkunden wie Buderus, Bosch oder Salzgitter. Er sagte jetzt der WirtschaftsWoche: "Für einen typischen Kunden aus der Industrie reduziert sich der Strompreis für 2010 um 20 Prozent".

Privatkunden gehen leer aus

Und der Privatkunde mit seinem stromfressenden Flachbildschirm und seiner voltgierigen Waschmaschine? Er geht leer aus. Immer wieder wird gegenüber dem Privatkunden auf die hohen Investitionen gerade auch bei regenerativen Energien, Solar und Wind, hingewiesen, die es angeblich völlig unmöglich machen, die Strompreise für Haushaltskunden, in gleicher Höhe wie sie die Industriekunden nun angenehm zu spüren bekommen, zu senken.

In einem Zeitungsgespräch nahm E.On-Chef Wulf Bernotat allen Hoffnungen auf Preissenkungen den Wind aus den Segeln. Der schnelle Umbau des Energiemarktes weg von Kohle- und Atomkraftwerken hin zu Wind- und Sonnenkraftwerken werde teuer. "Der Verbraucher wird die Rechnung bezahlen müssen."

Schaut man sich die Strompreisbestandteile genauer an, so ergibt sich folgendes Bild: Der Anteil staatlich verordneter Lasten beträgt 40 Prozent. 60 Prozent kommen aus Großhandelspreisen, Vertrieb und Netzentgelten. Zu dem 40-Prozent-Block der staatlichen Abgaben gehören zwei Prozent Abgaben aus dem Kraftwärme-Kopplungsgesetz, neun Prozent Konzessionsabgaben an die Gemeinden, durch die Strom geleitet wird, elf Prozent Stromsteuer.

Die Börsenpreise orientieren sich vor allem nicht an den wirtschaftlich arbeitenden Kernkraft- und Kohlekraftwerken, sondern an den Gaskraftwerken. Nach einem Verrechnungsschlüssel der im Börsenhändlerjargon "Merrit Order" genannt wird, richtet sich der Börsenpreis immer nach dem letzten stromeinspeisenden Kraftwerk mit den höchsten Grenzkosten - und das sind Gaskraftwerke, die vom Verfall der Preise für Emissionszertifikate nur wenig profitieren. Ergo: Der Hauhaltskunden guckt in die Röhre.

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