
Er ist Sohn eines Richters – wie sein Vorgänger – und kommt wie der noch amtierende E.On-Chef Wulf Bernotat aus Niedersachsen. Johannes Teyssen, 49, noch Vize und künftiger Lenker des größten deutschen Energieriesen, ist knapp zehn Jahre jünger als Bernotat, der wohl schon im Herbst und damit ein halbes Jahr vor Vertragsablauf aus dem Düsseldorfer Konzern ausscheidet.
Teyssen wird auf dem Top-Sessel des Unternehmens (86 Milliarden Euro Umsatz, 1,6 Milliarden Euro Gewinn, 93.000 Mitarbeiter) viele Probleme lösen müssen: Die EU-Kartellbehörde zwang den Konzern nach Preisabsprachen zum Verkauf hochprofitabler Kraftwerke und zum Verkauf des Stadtwerkekonsortiums Thüga. Anderen Geldstrafen, die aus früheren Kungeleien bei der Gasversorgung entstanden sind, kann E.On nicht entgehen. Teyssen soll zudem E.On vom hohen Ross alter Monopol-Kraftmeierei herunterholen.
Ein idealer Job für den Hildesheimer, der Geschäftspartnern schmeichelt – um ihnen später scharfsinnig die Unausweichlichkeit von Strompreiserhöhungen vorzurechnen. Jurist Teyssen, der über einen Vergleich des deutschen und US-amerikanischen Strafrechts an der Universität Göttingen promovierte, soll Begeisterung für das lokale Energiegeschäft im Konzern entfachen – und die ausgedienten Vorbilder Exxon, und Shell, die in supranationalen Kategorien denken, über Bord werfen.
Vorlieben: Ein Tiefstapler
Zur Besprechung der Energiemanager im Kanzleramt paradieren die Fahrer der Vorstandschefs mit ihren Oberklasseschlitten gern protzig und prestigebewusst an der Schranke vorbei – damit die Kameras das rollende Aufgebot der Macht auch ja unverwackelt in die Linse bekommen. Hinten, nie auf dem Beifahrersitz, haben es sich die Strategen von Strom und Gas kommod gemacht. Nicht so Teyssen, zu dessen Privilegien zwar auch ein eigener Fahrer samt 7er-BMW gehört, der aber als zweiter Mann bei E.On, der gern Vorstandschef werden möchte, im Vorfeld kühle Zurückhaltung demonstriert.
Seht her, ich bin ein Pragmatiker mit Kostenbewusstsein. So nimmt er von der E.On-Niederlassung Unter den Linden in Berlin gerne ein Taxi zur Kanzlerin. Verblüfft schauen die Zaungäste auf die demonstrative Bescheidenheit, die signalisiert: Hier kommt kein Strombonze, sondern ein Stadtwerker, der seine regionale Herkunft nicht vergessen hat. Diese von ihm geliebte Bescheidenheitsattitüde, die Sympathien ergattern soll, halten viele für Berechnung. Eine andere Vorliebe ist der Fußball. Teyssen ist Bayern-München-Fan wie Mentor Ulrich Hartmann. Da kann man nichts falsch machen.
Vorbilder: Sandige Bodenhaftung
Eine Expertise, in Auftrag gegeben vom Aufsichtsrat, analysierte kürzlich das Profil des E.On-Managements. Es wurde viel Atmosphärisches vermisst. Im Auftreten sei der Chef nicht emotional genug, so die Botschaft der Untersuchung. Bernotat als kalter Fisch? Nachfolger Teyssen wird unter Strommanagern mehr „emotionale Intelligenz“ zugebilligt, so ein E.On-Regionalfürst aus Niedersachsen. Den Wanderer Teyssen schildern Kenner als naturverbunden. Der Hildesheimer liebe das sandige norddeutsche Land.
Kein Zufall, dass unter seiner Ägide PreussenElektra das Gedenkzimmer des romantischen Dichters Hermann Löns im Heide-Museum restaurieren ließ. Die Naturverbundenheit des Heide-Lyrikers gehöre zu Teyssens Leitbildern, sagen seine Landsleute. E.On-Manager in der Zentrale, an Bernotats Weltläufigkeit gewöhnt, müssen umschalten. Wer bodenständig denkt, wird oft unterschätzt. Da könnten sich bei dem ehrgeizigen Teyssen manche schnell vertun.













