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Energie: Neuer Chef soll Probleme bei E.On lösen

von Andreas Wildhagen

Johannes Teyssen wird heute zum neuen Chef von E.On bestellt, der Nachfolger von Wulf Bernotat steht vor Riesenproblemen. Wer ist der neue, starke Mann beim größten deutschen Energiekonzern?

Johannes Teyssen wird am 11. August  zum künftigen Chef des Energiekonzerns E.On bestellt Quelle: Kai-Uwe Knoth/E.On
Johannes Teyssen wird am 11. August zum künftigen Chef des Energiekonzerns E.On bestellt Quelle: Kai-Uwe Knoth/E.On

Er ist Sohn eines Richters – wie sein Vorgänger – und kommt wie der noch amtierende E.On-Chef Wulf Bernotat aus Niedersachsen. Johannes Teyssen, 49, noch Vize und künftiger Lenker des größten deutschen Energieriesen, ist knapp zehn Jahre jünger als Bernotat, der wohl schon im Herbst und damit ein halbes Jahr vor Vertragsablauf aus dem Düsseldorfer Konzern ausscheidet.

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Teyssen wird auf dem Top-Sessel des Unternehmens (86 Milliarden Euro Umsatz, 1,6 Milliarden Euro Gewinn, 93.000 Mitarbeiter) viele Probleme lösen müssen: Die EU-Kartellbehörde zwang den Konzern nach Preisabsprachen zum Verkauf hochprofitabler Kraftwerke und zum Verkauf des Stadtwerkekonsortiums Thüga. Anderen Geldstrafen, die aus früheren Kungeleien bei der Gasversorgung entstanden sind, kann E.On nicht entgehen. Teyssen soll zudem E.On vom hohen Ross alter Monopol-Kraftmeierei herunterholen.

Ein idealer Job für den Hildesheimer, der Geschäftspartnern schmeichelt – um ihnen später scharfsinnig die Unausweichlichkeit von Strompreiserhöhungen vorzurechnen. Jurist Teyssen, der über einen Vergleich des deutschen und US-amerikanischen Strafrechts an der Universität Göttingen promovierte, soll Begeisterung für das lokale Energiegeschäft im Konzern entfachen – und die ausgedienten Vorbilder Exxon, und Shell, die in supranationalen Kategorien denken, über Bord werfen.

Vorlieben: Ein Tiefstapler

Zur Besprechung der Energiemanager im Kanzleramt paradieren die Fahrer der Vorstandschefs mit ihren Oberklasseschlitten gern protzig und prestigebewusst an der Schranke vorbei – damit die Kameras das rollende Aufgebot der Macht auch ja unverwackelt in die Linse bekommen. Hinten, nie auf dem Beifahrersitz, haben es sich die Strategen von Strom und Gas kommod gemacht. Nicht so Teyssen, zu dessen Privilegien zwar auch ein eigener Fahrer samt 7er-BMW gehört, der aber als zweiter Mann bei E.On, der gern Vorstandschef werden möchte, im Vorfeld kühle Zurückhaltung demonstriert.

Seht her, ich bin ein Pragmatiker mit Kostenbewusstsein. So nimmt er von der E.On-Niederlassung Unter den Linden in Berlin gerne ein Taxi zur Kanzlerin. Verblüfft schauen die Zaungäste auf die demonstrative Bescheidenheit, die signalisiert: Hier kommt kein Strombonze, sondern ein Stadtwerker, der seine regionale Herkunft nicht vergessen hat. Diese von ihm geliebte Bescheidenheitsattitüde, die Sympathien ergattern soll, halten viele für Berechnung. Eine andere Vorliebe ist der Fußball. Teyssen ist Bayern-München-Fan wie Mentor Ulrich Hartmann. Da kann man nichts falsch machen.

Vorbilder: Sandige Bodenhaftung

Eine Expertise, in Auftrag gegeben vom Aufsichtsrat, analysierte kürzlich das Profil des E.On-Managements. Es wurde viel Atmosphärisches vermisst. Im Auftreten sei der Chef nicht emotional genug, so die Botschaft der Untersuchung. Bernotat als kalter Fisch? Nachfolger Teyssen wird unter Strommanagern mehr „emotionale Intelligenz“ zugebilligt, so ein E.On-Regionalfürst aus Niedersachsen. Den Wanderer Teyssen schildern Kenner als naturverbunden. Der Hildesheimer liebe das sandige norddeutsche Land.

Kein Zufall, dass unter seiner Ägide PreussenElektra das Gedenkzimmer des romantischen Dichters Hermann Löns im Heide-Museum restaurieren ließ. Die Naturverbundenheit des Heide-Lyrikers gehöre zu Teyssens Leitbildern, sagen seine Landsleute. E.On-Manager in der Zentrale, an Bernotats Weltläufigkeit gewöhnt, müssen umschalten. Wer bodenständig denkt, wird oft unterschätzt. Da könnten sich bei dem ehrgeizigen Teyssen manche schnell vertun.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.11.2009, 14:21 UhrAnonymer Benutzer: iPhonist

    Dass Teyssen eine Hang zu Strickjacken hat ist ja noch richtig.
    Darin den Muff einer Kreisstadt oder die Zurückhaltung alten Landadels oder etwas dazwischen zusehen sollte man dem Leser überlassen.
    Aber die Hastra von einem niedersächsischen Regionalversorger mit Sitz in Hannover zu einem helmstedter Stadtwerk zu machen ist einfach schlecht recherchiert.

  • 12.08.2009, 20:24 UhrAnonymer Benutzer: Vates

    Die Strompreise haben im Gegensatz zu Öl und Gas die Abwärtsbewegung der Preise nach dem letzjährigen Hoch von 147 Dollar beim Rohöl nicht nachvollzogen.

    Dies spült kräftige Sonderprofite in die Stromkonzernkassen.

  • 11.08.2009, 15:04 UhrAnonymer Benutzer: Mike Wood

    Gala? bunte? Das Goldene blatt?

    Wen interessiert es denn hier auf der Wirtschaftswoche bitteschön, wer welche Anzüge trägt und vielleicht zu viel wiegt?

    Das trifft wohl auf gute 85% der Manager aus allen branchen und bereichen zu. Und damit sit dann alle wieder in der Norm. Top-Verdiener mit Gummischuh....ist wirklich nichts neues. Da bedarf es keiner Hervorhebung eines Einzelnen. Mich würde mehr interssieren, kann der Mann mit Mitarbeitern......kommunizierne....und Mensch sein....also z. b. mit sozialer intelligenz führen. Dann.....vor allem dann.....ist mir der Anzug Jacke wie Hose.

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