Energie: Siemens geht Atomallianz mit Rosatom ein

Energie: Siemens geht Atomallianz mit Rosatom ein

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Handschlag: Rosatom-Generaldirektor Sergey Kirienko (re.) begrüßt Siemens-Chef Peter Löscher

Die Unterschrift unter dem Joint-Venture-Vertrag mit den Russen ist trocken. Siemens will mit dem Nuklearausrüster Rosatom paktieren, um in die Liga der größten Zulieferer für Atomkraftwerke aufzurücken. Da war Siemens bereits einmal - zusammen mit dem französischen Ausrüster Areva, den Siemens nun verlassen muss.

Zum Schluss ging es ruckzuck. Nachdem vor drei Wochen der komplette Siemens-Vorstand in Russland war, um sich als kommender Zulieferer für Atomkraftwerke  zu emfehlen, macht der Münchner Technologiekonzern nun Nägel mit Köpfen: Mit dem russischen Nukleartechnikkonzern Rosatom hat Siemens gestern ein Joint-Venture unterschrieben, um künftig das zu bauen, was in Deutschland verpönt ist: Atomkraftwerke. Siemens will da zusammen mit Rosatom bald zum weltgrößten Ausstatter von Kernkraftwerken werden. Eigentlich verfügt Siemens auf diesem Gebiet über immense Erfahrung. Seit 2001 steckte das Siemens-Know-how in dem deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmen Areva. Doch der damalige Siemens-Vorstandschef Heinrich v. Pierer glaubte offensichtlich nicht mehr an die Zukunft von Kernkraftwerken und akzeptierte eine Option, dass die Franzosen den Anteil der Deutschen übernehmen. Diese Option zog das Pariser Areva-Management nun, und jetzt beginnen die Verhandlungen, was das 34-prozentige Paket von Siemens an Areva wert ist. Spätenstens im Herbst soll der Ausstieg von Siemens aus Areva, und damit aus fünf deutschen Standorten für Nukleartechnik, über die Bühne gegangen sein.

Siemens hatte es also eilig, für Ersatz zu sorgen. Da boten sich die Russen an, erstens weil der Energiehunger groß genug ist, um Siemens in Zukunft ein Geschäft von Gewicht zu verschaffen. Zweitens weil die russischen Rosatome-Manager in Siemens die Deutschen als Partner schätzten - nicht nur Siemens profitiert jetzt von diesem Goodwill, auch E.On weiß das zu schätzen. Die Düsseldorfer Energieversorger betreiben in Sibirien ein gigantisches Kraftwerk OGK-4. Währenddessen gehen die deutschen Areva-Standorte ganz unter die Fittiche der Franzosen. Erlangen, Offenbach, Karlstein, Duisburg und Lingen waren einst alteingesessene Siemens-Standorte, in denen die Münchner nukleare Kraftwerksplanung betrieben und Großkomponenten für alle 17 deutschen Atomkraftwerksblöcke produzierten.

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Rosatom: Mehr Behörde als Konzern

Vor dem Areva-Joint-Venture arbeiteten die Siemensianer mit dem Areva-Vorgänger Framatome zusammen. 58 reibungslos funktionierende französische Atomkraftwerke bildeten die Know-how-Basis für diese Nuklearehe. Vor dieser Zeit waren es die Deutschen selbst, die weltweit führend waren im Atomkraftwerksbau. Die Siemens-Kraftwerksunion KWU hatte den Unternehmensbereich "N". Das N stand für Nuklartechnik. Zusammen mit der inzwischen längst untergegangenen AEG bauten die Münchner Atomkraftwerke, als diese noch von der Politik geliebt wurden. Das letzte - Neckarwestheim - ging 1978 in Betrieb. Dann änderte sich der politische Wind und spätestens seit Tschernobyl gelten bei immer noch sehr vielen Politikern Kernkraftwerke als Teufelszeug. Bis zum Schluß auch das sonst so hartgesottene Siemens-Management nicht mehr daran glaubt und die Ausstiegsoption bei Areva akzeptierte, die von den Franzosen nun realisiert wurde.

So wendet sich Siemens den Russen und Rosotom zu. Rosatom ist eigentlich mehr eine Atombehörde denn ein Konzern. Rosatom-Chef Sergej Kirijenko will bis 2015 zehn russische Kernkraftwerke bauen - für 25 Milliarden Dollar. Und Siemens will dabei sein, auch beim geplanten Atomkraftwerk in Kaliningrad, das wohl als erstes in Angriff genommen wird. Die Ziele der Russen sind noch viel weitgespannter: Bis 2020 soll die Zahl der russischen Atomreaktoren von derzeit 31 auf 59 fast verdoppelt werden.

Konventionelle Technik

Siemens will in diese Partnerschaft vor allem konventionelle Kraftwerkstechnik einbringen, das sind zum Beispiel Großturbinen. Kernkraftwerke haben nicht nur einen hochempfindlichen Nuklearteil, zur Stromerzeugung brauchen sie auch Komponenten wie sie auch in Kohlekraft- oder Gaskraftwerken gebraucht werden, zum Beispiel Stromübertragungssysteme. Auf diesem Gebiet will sich Siemens bei Rosatome einklinken. Das frühere Nuklearwissen allerdings liegt in den deutschen Standorten, die nun bald verkauft und ganz französisch sind.

Neues Atomgeschäft

Ganz französisch? Nicht ganz. Die 4800 Nukleartechniker in Erlangen, Offenbach und im Ruhrgebiet sind natürlich Deutsche, ehemalige Siemensianer, die nun für Areva arbeiten. Der Konzern hat gerade eine Absichtserklärung unterschrieben nach der sechs indische Atomkraftwerke von Areva gebaut werden. Die Technik dafür soll auch in den deutschen Standorten hergestellt werden. In Erlangen liegen die radiochemischen Labore, in denen die Kerntechnik ständig vorangetrieben wird. Absichtserklärungen von Siemens betreffen zur Zeit nur die Gründung eines Unternehmens, nicht dem Bau von Kernkraftwerken. Mit dem Ausscheiden aus Areva hat Siemens viel traditionellen Grund und Boden aufgegeben, der mit den Russen nun erst noch mühsam erarbeitet werden muss.

Aber nicht nur in Russland winkt den Siemensianern neues Atomgeschäft. Auch in England werden zur Zeit fünf Atomkraftwerke geplant. Für zwei davon sollen die Standorte demnächst eruiert werden. Siemens und Roatome wollen auch hier mit ihrem Know-How mit Areva konkurrieren, die natürlich als Großlieferanten von Kernkraftwerksausrüstung nur auf die Ausschreibung warten. Ob die Franzosen nicht doch mehr in England gelitten sind als die russischen Nuklartechniker, für die Tschernobyl sicher keine Werbeveranstaltung war. Von den französischen Meilern dagegen ist bisher nichts Nachteiliges bekannt geworden. Und der deutsche Energiekonzern E.On ist für den Bau von Kernkraftwerken in Großbritannien mit Areva und nicht mit Siemens oder Rosatom eine enge Partnerschaft eingegangen.   

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