Energie: Siemens will Atomreaktoren mit Russen bauen

Energie: Siemens will Atomreaktoren mit Russen bauen

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Atomkraftwerk Philippsburg (Baden-Württemberg)

Siemens will im Atomgeschäft künftig eigene Wege gehen. Daher beendet der Konzern seine Zusammenarbeit mit Areva. Als neuer Partner kommt nun der russische Staatskonzern Atomenergoprom infrage.

Der Elektrokonzern Siemens will im Atomgeschäft künftig eigene Wege gehen. Während Deutschland unter der Großen Koalition aus Union und SPD am Ausstieg aus der Kernenergie festhält, lässt der weltweit wachsende Energiehunger die Nachfrage nach neuen Kraftwerkskapazitäten boomen. Von diesem Kuchen will sich Siemens künftig ein größeres Stück sichern, als es die Partnerschaft mit dem französischen Atomkonzern Areva bisher erlaubt.

Siemens steigt spätestens zum 30. Januar 2012 aus dem Gemeinschaftsunternehmen Areva NP aus. Der Konzern begründete seinen Ausstieg bei Areva NP mit den „fehlenden unternehmerischen Einflussmöglichkeiten in dem Joint Venture“.

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Die seit 2001 bestehende Kooperation zwischen Siemens und Areva umfasst den Bau von Atomreaktoren und die Kerntechnik. Als Junior-Partner mit einer Beteiligung von 34 Prozent fehlt es dem deutschen Konzern an unternehmerischen Gestaltungsmöglichkeiten und Mitspracherechten. Deutlich wird dieses Problem beim Bau des finnischen Reaktors Olkiluoto. Verzögerungen bei dem Projekt haben den Elektrokonzern bereits viel Geld gekostet.

Der Siemens-Anteil geht nun an den französischen Partner Areva SA. Über den Preis wird noch verhandelt. Bereits Ende vergangener Woche war bekannt geworden, dass Siemens sein Engagement bei Areva NP auf den Prüfstand stellt. Der Anteilswert war dabei auf zwei Milliarden Euro taxiert worden.

Kooperation mit Russen möglich

Grundsätzlich will Siemens aber weiter bei der Kernenergie mitmischen. "Wir wollen handeln und gestalten - und dies gilt auch für den Markt der Kernenergie“, sagte Konzernchef Peter Löscher. Wie eine mit der Situation vertraute Person sagte, wollte Siemens seinen geplanten Ausstieg bei Areva NP beschleunigen, um schneller eine neue Partnerschaft eingehen zu können. Der Konzern erwägt eine Zusammenarbeit mit dem russischen Staatsunternehmen Atomenergoprom, wie zwei Personen aus dem Konzernumfeld sagten. So könnten die Münchner, die langfristig im Kernenergie-Geschäft bleiben wollen, weiter als Komplettanbieter im Markt auftreten.Siemens hatte sich allerdings beim Bündnisschluss mit seinem französischen Partner Areva SA verpflichtet, diesem bis 2020 keine Konkurrenz zu machen. „Wir geben keinen Kommentar ab zu irgendwelchen vertraglichen Details“, sagte ein Siemens-Sprecher. Branchenkreise gehen davon aus, dass die Klausel im Laufe der Preisverhandlungen fallengelassen wird.

Weltweit 400 neue Atomkraftwerke geplant

Der globale Markt gilt als vielversprechend. Bis 2030 sind nach derzeitigem Stand weltweit mehr als 400 neue Atomkraftwerke mit einem Projektvolumen von rund einer Billion Euro geplant. Alleine in China sollen bis 2020 rund 30 neue Meiler entstehen. Als Treiber für den Markt gilt neben dem wachsenden Energiebedarf und den begrenzten Ressourcen auch der Klimawandel.

Energieriesen wie E.On und RWE heben immer wieder die Rolle der Kernkraft bei der angestrebten Verringerung der klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen hervor. So verkündeten die beiden deutschen Unternehmen erst kürzlich Pläne für den Bau neuer Atommeiler im europäischen Ausland.

In Paris lassen die Siemens-Pläne für einen Ausstieg bei Areva derweil alte Träume von einem französischen „Weltchampion“ der Kernkraft neu erblühen. Dabei hatte BundeskanzlerinAngela Merkel (CDU) noch Mitte 2007 mit ihrem Veto das Drängen des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy gestoppt, Siemens aus Areva herauszudrängen.

Der Franzose wollte, dass der Staatskonzern Areva eine Option zieht, 2011 den 34-Prozent-Anteil von Siemens am Atomreaktorbauer Areva NP zu übernehmen. Dann wollte Sarkozy Areva mit dem heimischen Siemens-Konkurrenten Alstom und dem Baukonzern seines Freundes Martin Bouygues verschmelzen. Der neue Gesamtkonzern könnte Atomkraftwerke vom Betonbau über die Reaktoren bis zur konventionellen Elektrotechnik komplett anbieten. Doch Sarkozy konnte sich nicht leisten, Merkel zu verärgern, das Projekt versandete.

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