Energie: Solarstrom aus Tunesien

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Energie: Solarstrom aus Tunesien

von Andreas Menn

In zwei Jahren soll der Bau einer riesigen Solaranlage in Nordafrika starten. Der Stromtransport nach Europa ist schon geregelt.

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Zwei Ingenieure gehen in der Nähe des spanischen Ortes Guadix in dem Parabolrinnen-Kraftwerk "AndaSol 1" an riesigen Sonnenspiegeln vorbei.

Eines der größten Solarenergieprojekte im Mittelmeerraum steht kurz vor dem Durchbruch. Noch in diesem Monat wollen der britische Solarprojektentwickler Nur Energie und der tunesische Öldienstleister Top Oilfield Services ein gemeinsames Unternehmen namens TuNur SAS gründen. Dessen Aufgabe soll es sein, Sonnenstrom von Tunesien nach Europa zu exportieren. „Wir planen in der Wüste Solarthermiekraftwerke mit zusammen 2000 Megawatt Leistung“, sagt Till Stenzel, der das operative Geschäfts bei Nur leitet, der WirtschaftsWoche. Das entspricht zwei großen Atomkraftwerken. Hinzu kommt ein 600 Kilometer langes Kabel im Mittelmeer, durch das der Strom von 2016 an nach Italien fließen soll.

10 000 Fußballfelder

Solar

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Insgesamt soll das Projekt zehn Milliarden Euro kosten. In den kommenden zwei Jahren soll das Joint Venture den Bau des ersten Kraftwerkteils vorbereiten. Der Standort ist schon gefunden – ein Gebiet im Südwesten Tunesiens nahe der algerischen Grenze mit einer Fläche von 100 Quadratkilometers oder 14. 000 Fußballfeldern. Für den Anschluss ans italienische Netz hat Nur eine Vereinbarung mit dem italienischen Netzbetreiber Terna getroffen. Mit möglichen Finanzierungspartnern spreche man, sagt Stenzel. Für den Bau werden bis zu 2000 Arbeitskräfte benötigt, bei Zulieferern in Tunesien sollen 20 000 Jobs entstehen. Im Jahr 2020 wird das Projekt laut Plan vollendet sein.

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Desertec Industrial Initiative

Das Joint Venture ist der bisher ambitionierteste Versuch, Sonnenstrom aus der Wüste nach Europa zu exportieren. Um dies überhaupt zu realisieren, haben sich mehr als 50 Partner, darunter Nur Energie, zur Desertec Industrial Initiative (DII) verbündet . Bis 2050 will sie 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken. Geplant sind vor allem solarthermische Kraftwerke, die mit Sonnenlicht Dampf erzeugen, dessen Druck eine Turbine antreibt. Stenzel: „Mit der Technik werden wir preislich mit der Offshore-Windkraft konkurrieren. Bei vollem Ausbau der Anlage wird der Strom sogar noch deutlich preiswerter.“

Mögliche Abnehmer für den Strom sind die meisten EU-Staaten, denn sie müssen den Anteil an Ökoenergie an ihrem Gesamtenergieverbrauch erhöhen: bis 2020 auf durchschnittlich 20 Prozent. So sieht es die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU vor. Um dieses Ziel zu erreichen, hatte EU-Energiekommissar Oettinger im vergangenen Jahr der DII Unterstützung zugesagt. In den kommenden Wochen will Oettinger einen Masterplan für den Ausbau der Energieinfrastruktur vorlegen. TuNur könnte davon profitieren und von der EU Beihilfen für das Kabel nach Italien erhalten.

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