Energie: Stromlücke droht

Energie: Stromlücke droht

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Wettrennen gegen den Atomausstieg

von Henning Krumrey und Andreas Wildhagen

Die Bundesregierung beschwichtigt: Trotz Atomausstieg gebe es zu jeder Zeit in jeder Menge Strom zu bezahlbarem Preis. Doch ob im kommenden Winter hie und da die Lichter ausgehen, hängt nicht von Berlin ab.

Das Versprechen klang wie eine Selbstverständlichkeit für ein Superindustrieland – und könnte doch eines der größten Wagnisse der deutschen Wirtschaftsgeschichte werden. „Unsere Bürger vertrauen darauf, dass Strom zu jeder Tages- und Nachtzeit in jeder Menge und zu bezahlbarem Preis vorhanden ist“, ließ Bundeskanzlerin Angela Merkel in das Eckpunktepapier der Bundesregierung zur Energiewende schreiben, das sie am Montag vergangener Woche vorstellte. „Darauf können sie sich weiter verlassen.“

In Wirklichkeit lagen große Worte und Realität jedoch selten so weit auseinander wie beim beschlossenen Atomausstieg. Denn die proklamierte sichere Stromversorgung steht bisher nur auf dem Papier. Berechnungen der Energiewirtschaft zeugen von einer drohenden Versorgungslücke, die Schwarz-Gelb mit dem geplanten Abschalttermin des letzten Atomkraftwerks (AKW) 2022 aufreißt.

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Alle reden vom Wetter

Ob im kommenden Winter hie und da die Lichter ausgehen oder Fabriken stillstehen, hängt nicht von Berlin, sondern in erster Linie vom unkalkulierbaren Wetter ab. Und noch längst nicht klar ist, ob die vielen erforderlichen Schritte, mit denen Berlin die sichere Stromversorgung schaffen will, so schnell wie erhofft kommen und das erwünschte Ergebnis bringen.

Das akuteste Problem resultiert aus dem Ansinnen der Bundesregierung, die sieben deutschen AKWs abgeschaltet zu lassen, die durch das dreimonatige Moratorium nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima im März vom Netz mussten. Mit dem technisch totgesagten AKW Krümmel in Norddeutschland sind es sogar acht. Schmerzhaft bemerkbar machen könnte sich dies schon in sechs Monaten, wenn die verbrauchsstarke kalte Jahreszeit anbricht. Nach Berechnungen der Experten der Bundesnetzagentur könnten in den Wintern 2011/2012 und im Folgejahr jeweils rund 1000 Megawatt Leistung fehlen.

„Kachelmann ist ja freigesprochen und kann wieder als Wetterfrosch arbeiten“, ätzt ein E.On-Manager. Im Klartext: Die Energiewirtschaft starrt künftig auf den Wetterbericht. Um dann drohende Verbrauchsspitzen abzudecken, reicht es nämlich nicht, stillgelegte Steinkohlekessel mit einer Gesamtleistung von 3000 Megawatt anzuwerfen. Voraussichtlich müssen auch die Windanlagen zur Dauerversorgung beitragen.

Ist es nicht allzu kalt und weht viel Wind, dürfte der Lückenschluss klappen. Doch wehe, „eine sehr kalte Periode“ stelle sich ein, sagt ein Kraftwerksplaner beim schwedischen Versorger Vattenfall, etwa ein stabiles arktisches Hoch zusammen mit eisiger Windstille. Dann leiten die Windmühlenbetreiber nur spärliche Strommengen ins Netz. „Das könnte zum Stromausfall führen, der länger ist als die jährlich 18 Minuten, die in Deutschland üblich sind“, sagt ein Kraftwerksingenieur beim baden-württembergischen Versorger EnBW. In Großbritannien fällt der Strom im Durchschnitt eine Stunde im Jahr aus, in Frankreich bricht die Spannung trotz seiner 58 AKWs eineinhalb Stunden im Jahr ab.

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