Energie: Verbraucher warten bis zu acht Wochen auf Heizöl

Energie: Verbraucher warten bis zu acht Wochen auf Heizöl

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Tankwagenfahrer Ingo Schuster liefert Heizöl aus. Er hat derzeit viel zu tun - die Kunden haben sich lange mit der Bestellung zurückgehalten. Jetzt wird es kalt - und die Tanks sind leer.

Der Preis für Rohöl hat sich seit Mitte des Jahres fast halbiert, Heizöl kostet aber erst 25 Prozent weniger. Doch der Winter naht. Kunden haben wegen der hohen Preise lange gewartet und füllen jetzt wie wild ihre Tanks. Wegen der starken Nachfrage dauert die Lieferung je nach Region bis zu acht Wochen. Viele Heizungen drohen kalt zu bleiben.

Während die einen die Händler mit Bestellungen bombardieren, wollen die anderen wegen der gesunkenen Preise schon wieder vom vor Wochen gegebenen Auftrag zurücktreten. Normalerweise warten Verbraucher maximal vier Tage aufs bestellte Heizöl – jetzt sind es im Extremfall bis zu acht Wochen. Der ein oder andere Kunde drückt am Telefon beim Händler auf die Tränendrüse, um einen nachträglichen Nachlass zu bekommen: „Ich habe gebaut, ich habe Kinder“, jammern sie.

„Auch wenn wir später ausliefern, wir kaufen die Ware am Tag der Bestellung", wirbt Rudolf Bellersheim, Chef der gleichnamigen Ölhandelsfirma, um Verständnis.

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Viele Verbraucher haben auf sinkende Preise gewartet, einige sitzen fast auf dem Trockenen. Das teuerste Öl kauften Kunden Mitte des Jahres. Wer 3000 Liter bestellte, zahlte im Sommer etwa einen Euro pro Liter. Heute sind es je nach Region etwa 74 Cent.  „Wenn man heute 3000 Liter Heizöl bestellt, spart man cirka 650 Euro im Vergleich zu Mitte 2008“, sagt Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes. Dieses Jahr im September sei der Absatz im Vergleich zum September 2007 um 26 Prozent gestiegen.

Händler in Deutschland setzen im Monat zwischen einer Million Liter Heizöl und 2,5 Millionen Litern ab. „Im Moment sind wir an der oberen Grenze“, sagt Hans-Jürgen Funke, Geschäftsführer vom Verband für Energiehandel Südwest-Mitte e.V in Mannheim. Der Verband vertritt 700 Mitgliedsfirmen, die vorwiegend im Bereich des Brennstoff- und Mineralölhandels tätig sind.  „Die Händler sind von morgens bis abends kontinuierlich im Einsatz“, sagt Funke. Ob der Heizölpreis steigt, darüber möchte er nicht spekulieren. „Jede Prognose ist unseriös.“

Klar ist jedenfalls: Seit dem Juli-Rekordhoch bei knapp unter 150 Dollar pro Barrel (159 Liter) US-Rohöl sorgte das Platzen der Spekulationsblase für eine Talfahrt der Preise. Ein Fass Rohöl (Brent) kostete am Freitagmorgen weniger als 70 US-Dollar. Fachleute rechnen mit steigenden Preisen. Trotz der Krise an den Finanzmärkten und dem konjunkturellen Abschwung in den westlichen Industriestaaten gibt es besonders aus China unverändert eine große Nachfrage.

Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) signalisierte, bei einer außerplanmäßigen Konferenz Mitte November über Förderkürzungen zu sprechen. „Sollten die Ölpreise in den nächsten Wochen nachhaltig unter der 80-Dollar-Marke notieren, dürfte das Kartell mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Kürzung der Fördermenge beschließen“, sagt Rohstoffexperte Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg. Das könnte die Preise wieder hoch treiben. Die Förderländer außerhalb der OPEC seien nicht in der Lage, mehr Öl an den Weltmärkten anzubieten, sagt Nicholas Brooks, Chefvolkswirt beim Fondsanbieter ETF-Securities.

Für die Heizöl-Kunden gibt es einen weiteren Wermutstropfen. „Die Entwicklung des Rohölpreises findet sich nicht eins zu eins im Heizölpreis wieder“, sagt Peter Blenkers, Energieexperte von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Der Preis für Rohöl hat sich seit Mitte des Jahres fast halbiert, der Preis für Heizöl sank um etwa 25 Prozent. Eine Preisprognose möchte Blenkers nicht abgeben, aber: „Es hat schon schlechtere Zeitpunkte gegeben, als jetzt Heizöl zu bestellen.“ Vor dem Zuschlag für einen Händler sollten Kunden auf jeden Fall mehrere Angebote vergleichen. „Man darf auch handeln.“ Besonders gut gehe das, wenn man sich mit Nachbarn zusammentue und eine größere Bestellung mache. Der Verbraucherschützer empfiehlt die Internetseite www.heizoel24.de. Dort  können Verbraucher ihre Postleitzahl eingeben und sehen dann die Rabatte, die Händler bei größeren Mengen in der Region gewähren.

Kunden sollten auf das RAL Gütezeichen achten, sagt Blenkers. Das Zertifikat bestätigt, dass der Händler sich einer unabhängigen Kontrolle unterzieht, zum Beispiel die abgegebene Litermenge am Tankwagen stimmt. Unter www.tecson.de finden Interessierte eine Heizöl-Preiskurve. Wer handelseinig ist, fragt den Händler nach einer schriftlichen Bestätigung – dort sollte auch stehen, ob der Preis inklusive aller Steuern und Abgaben ist oder Zuschläge drohen.

Auch bei Händler Bernd Schilly aus Wiesbaden kommen die Mitarbeiter „vom Telefon nicht mehr weg“. An den vergangenen Wochenenden ist Schillys Unternehmen Notdienste gefahren. Viele Kunden haben wegen der hohen Preise lange nichts oder nur wenig aufgefüllt. Alleine gestern hatte er drei Anrufe von Kunden, bei denen das Öl leer ist. „Einer der leersteht, bekommt am gleichen Tag noch Öl“, sagt er. „Aber ich befürchte, dass einige Kunden, denen ich jetzt sagen muss ‚Sie bekommen ihr Öl zu Weihnachten’ mich anrufen und aus Angst sagen: ‚Ich habe nichts mehr’.“

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