Energie: Warum der Strompreis weiter steigt

Energie: Warum der Strompreis weiter steigt

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Strommasten

von Andreas Wildhagen

Es gibt einen Grund, warum die Energiekosten weiter steigen: Die Verbraucher sind zu träge, um den Anbieter zu wechseln.

Das Jahr ist halb um, und schon lässt sich die Kurve der Stromkosten wie in jedem Jahr ganz schön dynamisch nach oben malen: Von Januar bis Juli haben insgesamt 450 Versorger die Preise erhöht, also jeder zweite Energieanbieter in Deutschland. Im Durchschnitt kostet die Kilowattstunde in einem Privathaushalt 23,06 Cent, 2008 mussten die Verbraucher noch zehn Prozent weniger  berappen. Zwei Jahre davor waren es sogar über 17 Prozent weniger. Dagmar Ginzel vom Verbraucherportal Verivox gibt eine düstere Prognose: "In den kommenden zwölf Monaten könnte bei den durchschnittlichen Grundversorgertarifen die Marke von 25 Cent geknackt werden".

Die frühere Umweltministerin Bärbel Höhn, heute Vize-Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag setzt noch einen drauf: Da die Strompreise an der Leipziger Energiebörse EEX in den vergangenen zwei Jahren um 40 Prozent gesunken seien, wäre eher eine Reduzierung der Entgelte notwendig, sagte sie heute morgen im Deutschlandfunk. Durchschnittlich 0,8 Prozent pro Kilowattstunde an geringeren Beschaffungskosten hätten die Konzerne nicht an ihre Kunden weitergegeben. Und dann kommt starker Tobak: Bei einem gesamten Absatz von 131 Milliarden Kilowattstunden ergebe sich daraus die Summe von einer Milliarde Euro, um die Energiekonzerne ihre Kunden "geprellt" hätten.

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Der Börsenpeis ist aber nicht der einzige Einflussfaktor für den Endverbraucherpreis, erklären die Energieversorger treuherzig. Zunächst ist das Ansteigen der Strompreise in den vergangenen Jahren tatsächlich frappierend. Müsste es nicht nach der Strompreisliberalisierung der einst staatlich dominierten Branche einen Preiswettbewerb wie bei Lidl und Aldi geben? Und damit sinkende Preise?

Weiter steigende Stromkosten

Eine eingehende Analyse ergibt folgendes: Die Erneuerbaren Energien können den Anstieg der Stromkosten alleine nicht verursachen, dafür ist der Preisanstieg in den vergangenen Jahren zu stetig. RWE berechnet die EEG-Umlage bei Geschäftskunden teilweise sogar für weit zurückliegende Zeiträume nach, was zu scharfen Protesten führte. Die erhöhte EEG-Umlage, so heißt es bei RWE klipp und klar, wird bei privaten Haushaltskunden in den kommenden Jahren in den Stromtarif "eingepreist", Stromkunden können sich also auch 2011, wenn nicht schon vorher, auf weiter steigende Stromkosten einstellen. Viele Versorger verweisen auch bei ihrem Erhöhungs-Marathon auf steigende Kosten für die Nutzentgelte oder hohe Instandhaltungsaufwendungen.

Gleichzeitig sind aber im vergangenen Jahr die Emissionskosten gesunken, weil aufgrund der Krise weitaus weniger Strom prodziert wurde, besonders in den als schmutzig geltenden Braunkohlekraftwerken. Diese Kostenerleichterung der Großversorger sucht der Verbraucher vergeblich in seiner Stromrechnung. Es sieht fast so aus, als ob sich der Strompreis so verhält wie der Benzinpreis zu Ostern. Er steigt, nur dass in der Stromwirtschaft anscheinend das ganze Jahr über Ostern gefeiert wird.

Der Strompreis ist intransparent

Fest steht: Der Strompreis ist intransparent. Das soll er auch bleiben, besonders in einer liberalisierten Stromwirtschaft. Völlige Transparenz gab es nur im staatlich gesteuerten Energiemarkt, der bis 1998 vorherrschte. Damals mussten die Strompreise noch in den jeweiligen Wirtschaftsministerien der Bundesländer genehmigt werden, nach vorheriger Prüfung. Selten wollten sich Politiker dem Vorwurf des Strompreistreibers aussetzen und hielten den Strompreis für Verbraucher unten, im Gegenzug gab es das ganz legale Versprechen eines Produzentenmonopols in der Stromwirtschaft und Demarkationslinien des Vertriebs.

RWE spuckte E.On nicht in die Suppe, und umgekehrt. Niemand störte den geschätzten "Mitbewerber" in seinem jeweiligen Vertriebsgebiet. Trotzdem ist es ein Beispiel, dass Monopole oder Oligopole zu niedrigen Preisen beitragen. Ludwig Erhard hätte den Kopf geschüttelt.

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