Energie: Windpark-Vernetzung: Versorger bleiben skeptisch

Energie: Windpark-Vernetzung: Versorger bleiben skeptisch

von Dieter Dürand und Andreas Wildhagen

Die Idee, die Windräder in der Nordsee zum Riesenökostromkraftwerk zu vernetzen, stößt bei den Unternehmen auf Skepsis.

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Windradinstallation in der Nordsee: Das System der Unterwasserleitungen ist viel komplizierter als von der Politik erhofft

Was der Mann sagt und dass er anonym bleiben möchte – beides spricht Bände. „Gerade haben wir eine Hochdruckfront mit klirrender Kälte und ganz wenig Wind“, spöttelte der Manager eines deutschen Energieriesen, als am vorigen Dienstag publik wurde, dass Europas Politiker die Windkraftanlagen in der Nordsee vernetzen wollen. „Und gerade jetzt brauchen wir sehr viel Energie.“

Im Klartext: Zählen schon die Windräder wegen ihrer unsteten Stromerzeugung nicht zu den Lieblingen der Energiekonzerne, gilt das auch für die Idee, ein gigantisches, mindestens 6000 Kilometer langes Stromnetz in der Nordsee zu versenken. Das soll die rasant wachsende Anzahl von Windparks vor allem vor den Küsten Deutschlands, Englands, Hollands und Belgiens zu einem einzigen großen emissionsfreien Kraftwerk verbinden. Auch Wasserkraft- und Gezeitenkraftwerke sollen einst angeschlossen werden, um so mit erneuerbaren Energien endlich auch Teile der unerlässlichen Grundlast beim Strom zu erzeugen, wie dies zurzeit nur die Kohle- und Atommeiler schaffen.

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Von Euphorie ist nichts spüren

30 Milliarden Euro sollen in das Nordsee-Netz investiert werden, so taxieren es die geistigen Väter, an erster Stelle die Brüsseler Zentrale des Verbands Europäischer Netzbetreiber, gefolgt von den europäischen Wirtschaftsministern sowie dem deutschen Ressortchef Rainer Brüderle (FDP). Profiteure könnten die deutschen Energieversorger E.On und RWE, der schwedische Wettbewerber Vattenfall sowie Frankreichs staatlicher Stromgigant EDF über seine süddeutsche Tochter EnBW werden, aber auch die Zulieferer der Netztechnik und der Unterwasserkabel, der Münchner Siemens-Konzern sowie der schwedische Konkurrent ABB.

Doch von Euphorie in den Chefetagen ist kaum etwas zu spüren. Konkrete Investitionspläne hat noch kein Unternehmen entwickelt. Die Überlegungen reichen kaum über die Netzverbände sowie über Ministerien in den beteiligten neun Ländern – Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Dänemark, Holland, Irland, Luxemburg und Norwegen – hinaus. Der Zeithorizont ist weit gespannt: Erst in zehn Jahren soll das Netz von Unterwasser-Hochspannungskabeln geknüpft sein. Ein erstes Dokument der gegenseitigen Verständigung, ein Memorandum of Understanding, erhofft sich das Bundeswirtschaftsministerium erst Ende des Jahres. „Daran erkennt man, wie locker alles bisher noch ist“, heißt es in der Bundesnetzagentur in Bonn.

E.On und EnBW noch zurückhaltend

Einzig RWE bastelt zurzeit an einem Plan, wie die tief auf dem Meeresgrund liegende, stromtransportierende Riesenspinne zwischen den Windrädern technisch und betriebswirtschaftlich zu organisieren ist. Für die anderen Versorger E.On und EnBW ist das alles noch Visionsmusik, die an das im vergangenen Jahr bekannt gewordene Projekt "Desertec" der deutschen Energieindustrie erinnert, das die Sonne in der afrikanischen Wüste einfangen und den Strom nach Europa leiten soll. Dabei liegt das Nordsee-Watertec-Projekt allerdings näher und ist greifbarer als die Wüstenpläne, die 400 Milliarden Euro, mehr als 13-mal so viel, kosten sollen.

Zumindest auf dem Papier wirkt die Vernetzung vieler, zum Teil recht großer Windradprojekte der deutschen und europäischen Versorger faszinierend. Sie ermöglichte es den Erzeugern, Strommengen je nach Wind und Wetterlage von einem Land ins nächste zu transportieren und damit die erneuerbaren Energien planbarer und stetiger zu machen. Schon jetzt kooperiert E.On mit Vattenfall beim Offshore-Windpark Alpha Ventus vor Borkum und mit der dänischen Dong-Gruppe. E.On ist am Bau des bisher größten maritimen Windparks London Array vor der Küste von Kent beteiligt.

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