735 Millionen Euro Minus: Energieversorger EnBW bricht ein

735 Millionen Euro Minus: Energieversorger EnBW bricht ein

von Andreas Wildhagen

Die Halbjahreszahlen von EnBW sind tiefrot. Deutschlands drittgrößte Energieversorger fährt Verluste im hohen dreistelligen Millionenbereich ein. Warum ist die Energiewende nicht beherrschbar?

Schlimm genug, dass die Zahlen bei EnBW tiefrot sind, ein Minus von 735 Millionen Euro muss EnBW-Chef Frank Mastiaux verkraften. Aber der Ton, in dem das mitgeteilt wird, klingt fast schon nach Gleichgültigkeit des Managements: Die Ergebnisentwicklung laufe im erwarteten Rahmen, erklärte EnBW seelenruhig. So werden Sonderbelastungen tituliert, die sich auf 1,6 Milliarden Euro belaufen, Tendenz wahrscheinlich steigend.

Es sind die Wertberichtigungen aus dem Kraftwerkspark, die EnBW zu schaffen machen. Fossile Kraftwerke werden durch den Ökostrom, der ins Netz drängt, ausgebremst, laufen nur noch einige hundert Stunden im Jahr (von insgesamt 8200) und schreiben Verluste. Auch von den vier Atomkraftwerksblöcken sind nur noch zwei in Betrieb. Früher war Atomstrom eine sichere Gewinnquelle. Und EnBW hat lange darauf vertraut.

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Es fehlt die Tatkraft

Die politische Großwetterlage, der erzwungene Ausstieg aus der Investition in Atomkraftwerke, macht dem EnBW-Management schwer zu schaffen. Die Energiewende, die nach der Katastrophe in Fukushima quasi über Nacht von der Kanzlerin eingeleitet wurde, löste sämtliche Planungssicherheiten der Großanlagen in Nichts auf. Insofern ist das Desaster nicht im vollen Umfang dem Management anzulasten.

Aber die Energiewende ist über drei Jahre her. In der Zwischenzeit konnte EnBW kein Geschäft aufbauen, dass die Verluste ausgleicht, zumindest zum Teil. Drei Jahre sind nun vertan. Das Management, so schwer es auch hat, wird für seine Erfolge bezahlt. In der Theorie hat Mastiaux das auch erkannt. „Die EnBW kann in neuen Märkten wachsen und Geld verdienen. Wir verstehen die gesamte Energiekette, vom Kraftwerk  bis zum einzelnen Kunden“. Wer den Mund voll nimmt, sollte auch liefern. Mit Ankündigungen, Beteuerungen und Sonntagsreden kann EnBW nicht gerettet werden.

Es fehlt an allen Ecken und Enden. An Ideen mangelt es nicht, aber an Tatkraft, sie auch umzusetzen, Strukturen zu schaffen, die das Verständnis vom Kunden und vom Markt in ein Geschäft umwandeln, von dem EnBW leben kann. Es wird bei EnBW in Arbeitskreisen und Workshops zu viel diskutiert, debattiert, präsentiert. Interne Power-Point-Shows sind kein Geschäftsmodell. In der Zwischenzeit wird die finanzielle Lage immer schlimmer. EnBW steuert auf einen harten Sanierungsschnitt zu.

Letzte Hoffnung

Schlimm, dass ein Konzern, der soviel Verluste schreibt, den Ernst der Lage nicht deutlich anspricht. Das Unternehmen leistet sich immer noch zwei große Konzernzentralen, eine in Stuttgart und eine in Karlsruhe. Das sei aus der Fusion von Stadtwerken und Regionalversorgern einmal „historisch gewachsen“, heißt es dazu bei EnBW. Schuld am Minus-Ergebnis sind immer die anderen: Zum Beispiel die Bundesnetzagentur, die eine beantragte Stilllegung von sechs Kraftwerksblöcken verweigere. Hier deuten sich Überkapazitäten der Vergangenheit an, auf denen EnBW nun sitzen bleibt.

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„Wir müssen uns selbst helfen“, sagt EnBW-Chef Frank Mastiaux. Damit spricht er nur die halbe Wahrheit aus. Denn längst macht sich die EnBW Hoffnung auf einen „Kapazitätsmarkt“, der von vielen liberalen Ordnungspolitikern auch Subvention genannt wird. In diesem Markt werden Kraftwerksbetreiber durch ein Umlageverfahren bezahlt, auch wenn ihre Kraftwerke still stehen. Das Ruhegeld wird am Ende des Tages die deutsche Industrie und der Endverbraucher über höhere Strompreise bezahlen. Da sind sich die meisten Energieexperten sicher.

Ganz auf sich allein gestellt ist Mastiaux also nicht, und das weiß er natürlich auch. Der Kapazitätsmarkt ist seine letzte Hoffnung.

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