Aktionäre nehmen Sanierungsplan an: Solarworld gerettet - vorerst

ThemaSolarenergie

Aktionäre nehmen Sanierungsplan an: Solarworld gerettet - vorerst

Bild vergrößern

Pistole auf die Brust: Solarworld-Chef Asbeck bittet Aktionäre und Gläubiger zur Kasse

von Mario Brück, Rebecca Eisert und Hauke Reimer

Die Aktionäre haben dem Rettungskonzept von Solarworld zugestimmt. Damit entgehen die Bonner der Insolvenz - und sind trotzdem nicht gerettet. Denn der Sanierungsplan lässt viele Fragen offen.

Es ist ein Triumpf für Solarworld-Chef Frank Asbeck.Die Aktionäre haben am späten Mittwochabend der Sanierung des taumelnden Bonner Solarmodulproduzenten zugestimmt. Zuvor hatten die Inhaber einer 150-Millionen-Euro-Anleihe Ja gesagt und Gläubiger einer zweiten Anleihe über 400 Millionen ihr Okay zum Rettungsplan gegeben. Verfasst hat den Plan die Unternehmensberatung PricewaterhouseCooper (PwC), in dessen Gefolge Aktionäre und Gläubiger auf Hunderte von Millionen Euro verzichten sollen. Für die Rettung von Solarworld müssen die Aktionäre auf fast sämtliche Anteile verzichten. Einigen passt das keineswegs. Sie machen ihrem Ärger Luft. Die Abstimmung verzögert sich.

Solarworlds Kapital- und Schuldenschnitt

  • Worauf sich die Gläubiger einlassen

    Die Gläubiger der beiden Anleihen erhalten nur 45 Prozent ihres Geldes in Form neuer Anleihen mit fünfjähriger Laufzeit. Außerdem gibt es eine Barauszahlung. Für die restlichen 55 Prozent des ehemaligen Anleihewerts gibt es Aktien von Solarworld. Die Gläubiger werden also zu Miteigentümern und halten insgesamt 95 Prozent der Aktien. Knapp die Hälfte kann an zwei neue Investoren verkauft werden. Das arabische Emirat Katar will mit 35 Millionen Euro einsteigen, Gründer Asbeck mit zehn.

  • Schlechtes Geschäft

    Aktuell hat Solarworld 111,72 Millionen alte Aktien. Das Kapital soll im Verhältnis 1 zu 150 herabgesetzt werden: Aus 111,72 Millionen alten werden 744 800 neue Aktien. Wenn die Anleger richtig liegen, müsste eine neue Aktie, die es für 150 alte gibt, demnächst über 60 Euro kosten (0,40 Euro mal 150).
    - Nach der Herabsetzung werden 14,15 Millionen Aktien neu ausgegeben. Zusammen mit den 744 800 Aktien hat Solarworld dann 14,895 Millionen neue Aktien.
    - Gründer Frank Asbeck zahlt 9,75 Millionen Euro ein und bekommt 19,5 Prozent der neuen Aktien. Qatar Solar zahlt 36,25 Millionen Euro für 29 Prozent. 51,5 Prozent gehen an die Gläubiger, die auf 500 Millionen verzichten.

    Daraus folgt: Asbeck bekommt 2,9 Millionen Aktien für 3,36 Euro das Stück. Qatar Solar bekommt 4,3 Millionen Aktien für 8,39 Euro je Stück. Anleger zahlen an der Börse umgerechnet aber 60 Euro je Aktie.

  • Woher kommen die Unterschiede?

    An Asbecks Vorzugspreis gemessen, müsste die alte Aktie nicht 40 Cent, sondern 2,2 Cent kosten. Gemessen am Preis für Qatar, wären es 5,6 Cent. Gründer Asbeck soll offenbar unbedingt gehalten werden (warum eigentlich?). Qatar bringt angeblich weitere Leistungen ein. Damit könnte ein gewisser Rabatt gerechtfertigt werden. Gemessen am Wert des Eigenkapitals und am Buchwert je Aktie, könnte man mit viel gutem Willen auf acht Cent je alte Aktie kommen. Aber warum zahlen Anleger 40 Cent?

    Vielversprechender wäre es, auf fallende Kurse zu wetten. Doch die wenigen Put-Optionsscheine sind astronomisch teuer. Und Aktien, die man leer verkaufen könnte, um sie billiger zurückzukaufen, leiht einem auch keiner mehr.

Doch über den Berg ist Solarworld mit der Zustimmung der Anteilseigner und Geldgeber noch lange nicht. Experten haben erhebliche Zweifel, ob das Unternehmen trotz Schuldenverzicht und Aktienschnitt fit für die Zukunft wird.

Anzeige

Schlichte Sanierungsschritte

So bleibt in den Büchern von Solarworld statt den 900 Millionen eine weiterhin hohe Verschuldung von mehr als 400 Millionen Euro. Um damit leben zu können, müsste Solarworld nach Berechnungen des Online-Portals Finance bei einem Kassenbestand von nur noch 180 Millionen Euro und den absehbaren Investitionen schnellstens wieder 100 bis 150 Millionen Euro vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verdienen. Das wären bis zu 365 Millionen Euro mehr als im vergangenen Geschäftsjahr, in dem ein entsprechender Verlust von minus 215 Millionen Euro anfiel. Und das in einer Situation in der - wie das Memorandum zeigt - eine wirtschaftliche Perspektive für das Bonner Unternehmen offenkundig fehlt.

„Im Solarworld-Vorstand wird grenzenloser Optimismus gelebt, aber für die Anleger gibt es noch eine Reihe von Unklarheiten“, sagt Anlegerschützer Klaus Nieding von der Frankfurter Anwaltskanzlei Nieding + Barth. Nieding vermisst zum Beispiel Prognosen, ob die geplanten Innovationen greifen oder ob sich Einkauf und andere interne Prozesse wie geplant optimieren lassen. Stattdessen listet das Papier in erster Line schlichte Sanierungsschritte auf, ohne deren Wirkung groß zu erläutern. So will Solarworld unter anderem

  • die hohen Siliziumbestände senken und ab 2014 nur noch verbrauchsgerecht zu Marktpreisen einkaufen;
  • die Kosten für Materialien und Komponenten durch Preisnachverhandlungen, neue Lieferanten sowie Verbesserungen der Produktionsprozesse senken;
  • die Personalkosten in der Forschung und Entwicklung reduzieren;
  • Marketingkosten durch weniger Werbung im Fernsehen und in Printmedien senken.

Doch woher das Geschäft kommt, das parallel für Einnahmen sorgt, bleibt schleierhaft. Allein in den ersten fünf Monaten 2013 wurden in Deutschland 42,5 Prozent weniger Solaranlagen errichtet als im Vorjahreszeitraum. Und Anfang Juli sind die Vergütungen für Solarstrom erneut gesunken. "Das Geschäftsmodell von Herrn Asbeck ist eigentlich tot. Es fehlt eine neue Strategie", sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) gegenüber dem Handelsblatt.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%