Areva: Aus der Traum

, aktualisiert 26. Februar 2015, 13:49 Uhr
von Karin Finkenzeller

Frankreichs Atomkonzern hat sich blind auf den Erfolg der Kernenergie verlassen. Jetzt steht er vor einem Scherbenhaufen.

Das Erwachen aus einem Traum kann teuer sein. Der Traum des französischen Staats, über den Atomkonzerns Areva die Welt mit - laut Eigenwerbung - sauberer Nuklearenergie zu versorgen, endet vorerst mit einem Defizit von beinahe 5 Milliarden Euro. So viel Verlust hat das Unternehmen im Geschäftsjahr 2014 gemacht. Die Summe entspricht 60 Prozent des Umsatzes von 8,3 Milliarden Euro und übersteigt bei weitem den Börsenwert von derzeit 3,6 Milliarden Euro.

Bis die Konzernführung am nächsten Mittwoch (4. März) einen möglichen Ausweg aus dem Desaster vorstellt, werden Tag und Nacht Notfallpläne diskutiert. Nicht weniger als das Überleben des Unternehmens steht auf dem Spiel. Kommentatoren sprechen von einem "Fukushima für Areva".

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Areva Atomkonzern mit rund fünf Milliarden Verlust

Ein Verlust von 4,9 Milliarden Euro: Abschreibungen und Rückstellungen drücken den französischen Atomkonzern Areva tief in die Miesen. Auch Energiewende und die Lage auf dem Strommarkt belasten das Unternehmen.

Atomkonzern Areva leidet unter den Folgen der Fukushima-Atomkatastrophe, die zu weniger AKW-Neubauten führte. Quelle: AFP

Tatsächlich bedeutete die Reaktorkatastrophe in Japan vor fast vier Jahren den Gang in die Hölle für die Franzosen. Kostspielige strategische Fehlentscheidungen hatte es schon vorher gegeben, wie den völlig überteuerten Kauf 2007 der kanadischen Gesellschaft Uranmin, der Areva den Grundstoff für den Betrieb von Atomkraftwerken sichern sollte. Oder den Verkauf der profitablen Tochterfirma Areva T&D zur Herstellung von Hoch- und Mittelspannungsanlagen an Alstom und Schneider Electric. Auch Rückstellungen für die nicht enden wollenden Verzögerungen und Kostensteigerungen beim Bau der modernen Druckwasserreaktoren in Finnland und im heimischen Flammanville belasten den Konzern.

Wie geht es weiter?

Doch mit Fukushima barst das von Areva jahrzehntelange gehegte Traumbild von sicheren Reaktoren wie der Staudamm vor dem japanischen Atomkraftwerk. Auch wenn die damalige Areva-Chefin Anne Lauvergeon traumwandlerisch glauben machen wollte, dass jetzt erst recht die Nachfrage nach französischer Hochtechnologie aus ihrem Haus boomen würde, wollte ihr kaum jemand auf diesem Gedankengang folgen. Seit 2011 wurden lediglich zwei Reaktoren nach Großbritannien verkauft, und auch deren Bau ist noch in der Schwebe.

Welche deutschen Atomkraftwerke demnächst vom Netz gehen

  • bis 12/2017

    Grundremmigen B (RWE/E.On): –1344 MW

  • bis 12/2019

    Philippsburg II (EnBW): –1468 MW

  • bis 12/2021

    Grundremmigen C (RWE/E.On): -1344 MW

    Brokdorf (E.On/Vattenfall): -1480 MW

    Grohnde (E.On/Stadtwerke Bielefeld): -1430 MW

    Insgesamt: -4254 MW

  • bis 12/2022

    Neckarwestheim II (EnBW): -1400 MW

    Emsland (RWE/E.On): -1400 MW

    Isar II: (E.On/Stadtwerke München): -1485 MW

    Insgesamt: -4285 MW

Andere Länder, wie Deutschland, schalteten Atomkraftwerke ab oder fuhren sie, wie Japan, nicht wieder an. Das minderte auch die Einnahmen aus Wartung und Instandhaltung. Bei der Areva GmbH in Deutschland, wo die Franzosen seit dem Siemens-Ausstieg aus dem Geschäft allein das Sagen haben, sollen bis Jahresende 1500 Stellen wegfallen. Zudem brach auf Grund der Schiefergasausbeutung in den USA ein potenzieller Großkunde weg.

Was nun? Wie weiter? Um auf diese Fragen eine Antwort zu finden, bleiben in diesen Tagen die Lichter in der Areva-Konzernzentrale im Geschäftsviertel La Défense und auch im französischen Wirtschaftsministerium die Lichter bis spät in die Nacht an. Der Staat ist zu 87 Prozent Eigner des maroden Atomkonzerns. Eine Kapitalerhöhung des Staates sei "heute nicht die Priorität", ließ Wirtschaftsminister Emmanuel Macron am Dienstag wissen. So klangen Dementis auch, bevor der Staat voriges Jahr zusammen zusammen mit dem chinesischen Unternehmen Dongfeng den Autohersteller PSA Peugeot Citroën rettete.

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