Atomausstieg: Energiewende spaltet die deutsche Industrie

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Atomausstieg: Energiewende spaltet die deutsche Industrie

Das riskante Projekt spaltet die deutsche Wirtschaft. Unternehmen, die an den erforderlichen Milliardeninvestitionen verdienen, scharen sich um ihren neuen Fürsprecher, Siemens-Chef Peter Löscher. Die Leidtragenden vermeiden die offene Ablehnung, weil sie den Zorn der Politik fürchten. Ihnen bleibt nur die Hoffnung, dass der Atomausstieg irgendwie gelingt – und sie von den Kosten verschont bleiben.

Besorgter Blick, verschränkte Arme, gedeckt-rote Krawatte – Peter Löscher will nicht ganz so euphorisch wirken wie der Satz, mit dem ihn künftig alle zitieren sollen. "Die Energiewende wird ein Erfolg", schmetterte der Chef des Siemens-Konzerns in die Öffentlichkeit, auf ganzseitigen Anzeigen in allen großen deutschen Tageszeitungen.

Zwar hake es unübersehbar bei der Umsetzung, lässt der 54-Jährige besorgt einfließen. Doch alles in allem, so seine Botschaft, werde das Projekt gelingen: "Wenn wir die passenden Antworten geben. Heute."

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Der millionenfach verbreitete dreifache Pluralis majestatis – wir, das sind Löscher, Siemens und Deutschland – und das hinaustrompetete Ja eines Spitzenbosses der deutschen Industrie zum Atomausstieg markiert eine neue Phase im Selbstverständnis der wichtigsten deutschen Wirtschaftsführer.

Herrschte nach dem Atomdesaster im japanischen Fukushima vor einem Jahr in vielen Chefetagen noch Schockstarre, die die Bundesregierung zum verordneten Ausstieg aus der Atomenergie nutzte, hat sich die Gemütslage inzwischen deutlich gewandelt.

Glaubenskriege der Energiewende

Je höher die Hürden bis zur Abschaltung der verbliebenen neun deutschen Atommeiler bis 2022, desto unübersehbarer wird die Spaltung der Wirtschaft, die Löscher mit seinem Pro-Energiewende-Appell nur vertieft. Manche führen regelrechte Glaubenskriege.

"Wir haben den Verband der Solarindustrie, den der Windindustrie, dann gibt es die großen Stromerzeuger, und jeder verfolgt seine Interessen", sagt Löschers Energie-Chef Michael Süß unverblümt in der WirtschaftsWoche.

Der Spaltpilz gedeiht überall, zwischen den Branchen, innerhalb der Spitzenverbände der Wirtschaft, zwischen Alt und Jung. Martin Kannegiesser, Altvorderer im Präsidium des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und Chef des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, rechnet sich offen zu Löschers Gegnern.

"Mit der hastigen Wende nach Fukushima hatte und habe ich meine Probleme", gesteht der 70-Jährige der WirtschaftsWoche. Der 20 Jahre jüngere Henkel-Chef Kasper Rorsted hingegen beharrt: "Die langfristige Ausrichtung auf erneuerbare Energien ist der richtige Schritt." Ein Energiekonzernchef bringt den Zwist auf den Punkt: Löscher nutze das Für und Wider, um sich als "good guy" zu präsentieren – gegen die vermeintlichen "bad guys" von gestern.

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