Atomausstieg: Was uns die Energiewende kostet

ThemaEnergiewende

Atomausstieg: Was uns die Energiewende kostet

Bild vergrößern

Alpha Ventus

Der beschleunigte Atomausstieg in Deutschland erzwingt einen radikalen Wandel der Stromversorgung - mit ungewissem Ausgang. Wie der Energiemix 2020 aussehen kann und wie teuer der Umbau für Industrie und Verbraucher wird.

In Sachen Atomausstieg muss man Christian Haase nicht viel erzählen. Schon lange hat der Bürgermeister von Beverungen der Kernkraft Ade gesagt, schweren Herzens. Von seiner Amtsstube sind es ein paar Schritte zur Weser. Von dort aus kann Haase zusehen, wie zweieinhalb Kilometer flussaufwärts ein Stück deutscher Energiegeschichte demontiert wird: das Atomkraftwerk Würgassen. Der Betonquader am Weserufer wurde 1995 stillgelegt, wegen Haarrissen in der Reaktorhülle. Hunderte Jobs, Millionen Euro Gewerbesteuer brachen weg. „Es war ein Schock“, sagt Haase. Bis heute macht die 14.000-Seelen-Gemeinde im nordrhein-westfälischen Weserbergland Millionenschulden.

Neuerdings aber, wenn der Bürgermeister abends die Joggingschuhe schnürt und seine Runde dreht, sieht er in seiner Stadt neues Leben sprießen: Windräder drehen auf umliegenden Hügeln ihre Rotoren und speisen grünen Strom ins Netz. Flussaufwärts errichten Arbeiter eine Biogasanlage, die von Sommer an das Freibad und das Schulzentrum beheizt. Nebenan ist ein Holzschnitzelkraftwerk geplant, Brennstoff liefern die Wälder ringsherum. „Die Stadt erzeugt mittlerweile so viel regenerativen Strom, wie sie an Elektrizität verbraucht“, sagt der Bürgermeister. Kürzlich schlug er gar dem Bundesumweltminister vor, den Standort Würgassen wiederzubeleben – mit einem Gaskraftwerk.

Anzeige

Radikaler Umbruch

Wie sich die Erzeugungskosten der Energieträger entwickeln

Wie sich die Erzeugungskosten der Energieträger entwickeln

Was Beverungen binnen 15 Jahren durchgemacht hat, steht Deutschland noch bevor. Sieben ältere Meiler stehen still, seit Bundeskanzlerin Angela Merkel Mitte März ein Atommoratorium verhängt hat. Weitere fünf Meiler waren im Mai für Wartungsarbeiten vom Netz getrennt. Nachdem eine Ethikkommission bis Ende Mai beriet, ob und wie lange über den Kühltürmen an Neckar, Elbe und Isar noch einmal Dampf aufsteigt, soll im Juli das Parlament entscheiden, woher die Deutschen künftig ihren Strom beziehen.

Schon jetzt ist klar: Die Energieversorgung des größten Industrielandes Europas steht vor einem radikalen Umbruch. Statt im Jahr 2038 wird der letzte Atommeiler vielleicht schon 2021 heruntergefahren – und mit ihm 22 Prozent der Stromversorgung. Offen ist, was dann kommt und wie er aussehen wird, der neue Energiemix. Wind, Sonne & Co. sollen, das ist im Energiekonzept der Bundesregierung vorgesehen, 2020 mindestens 35 Prozent des Stroms beisteuern. Heute liefern sie gerade einmal 17 Prozent.

Angesichts der milliardenschweren Investitionen in die regenerativ geprägte Energieversorgung ist abzusehen: Der grüne Umbau der Stromversorgung wird ein enormer Kraftakt. Die Energiewirtschaft muss neue Kraftwerke bauen, Netze installieren, Energiespeicher entwickeln und Geschäftsmodelle finden, um die gigantischen Investitionen zurückzuverdienen. Für Industrie und Verbraucher dagegen wird Strom teurer. Das Ausmaß hängt davon ab, ob die Politik eher die preiswerte oder die teure Option zieht. Und die Politik muss den Menschen vom Schwarzwald bis Ostfriesland erklären, weshalb sie Strommasten und Speicherseen vor ihrer Tür dulden sollen.

Es ist ein Jahrhundertexperiment. Niemand kann derzeit seriös sagen, was es kosten wird. Politiker und Lobbyisten werfen mit Zahlen um sich, bemüht, ihren Standpunkt zu verteidigen. Einen halben Cent pro Kilowattstunde koste der schnellere Atomausstieg den Stromverbraucher, sagt Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. Von bis zu fünf Cent spricht dagegen Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (dena).

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%